Mother Tongue: Ganz in Familie

Mother Tongue: Ganz in FamilieMother Tongue
Strom, München, 17. Juli 2016
Was heute nicht alles Familie sein will: der Freundes-, Kollegen- oder gar Bibelkreis, die Fußballmannschaft, die Skatrunde und, je länger sie gemeinsam auf der Bühnen stehen, auch schon mal die eine oder andere Band. Mother Tongue können diesbezüglich (mit kleineren Unterbrechungen) immerhin schon auf ein knappes Vierteljahrhundert verweisen, den Bezug stellen sie aber auf denkbar einfache Weise her. Kurz vor Kickoff nämlich laufen in abendlicher Sommerhitze David Gould, Christian Leibfried und Bryan Tulao samt Frauen und Kinderschar an der Clubtür ein, mutmaßlich direkt aus dem Biergarten – maximal entspannt, hier noch ein Plausch, da noch ein Fanselfie, übertriebene Rockstar-Attitüde sucht man da vergeblich. Und auch die Anhängerschaft empfängt das Quartett aus Los Angeles mit aufgeräumter Herzlichkeit, man kennt sich, begleitet einander seit Jahren und auch wenn die Helden des vorangegangenen Jahrtausends wieder die kleineren Hallen bespielen (was eher von Vorteil ist) und kein neues Material dabeihaben, es erinnert einen doch vieles an ein Familienfest.
Natürlich ein sehr lautes, denn deshalb sind sie ja alle gekommen.Und die Truppe läßt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Mother Tongue über zwanzig Jahre nach ihrem mittlerweile legendären Debütalbum die explosive Energie, die Wucht heute wie damals in gleicher Güte auf die Bretter bringen können. Eigentlich geplant als Jubiläumstour anlässlich der Wiederveröffentlichung zweier jüngerer Alben, gibt es erfreulich viel altes Material für die verzückte Gemeinde: „Burn Baby“ als brachialer Opener, später noch „Damage“, „Broken“, „Vesper“ und „The Seed“ – die Stücke zünden unmittelbar und schrauben den Hitzepegel des Saales auf das Niveau eines finnischen Dampfbades. Auch Sasha Popovic, als Nachzügler am Schlagwerk der jüngste der vier, hat augenscheinlich gehörigen Spaß dabei, sein Arbeitsgerät standesgemäß zu malträtieren und so krachen die Songs in gewohnter Manier zwischen Blues- und Funkrock Richtung Menge.
Spaß also oben wie unten, Publikum und Band quittieren diesen in den Liedpausen gleichermaßen mit freundigem Grinsen. Für das Tattoo des Abends (s.u.) wurde noch ein Ehrengast gekürt, dazu der Aufruf, dem Beispiel doch schnellstmöglich zu folgen und so die Familienbande noch enger zu schmieden. Wie so oft in diesen Tagen holte einen die traurige Realität dann aber doch noch kurz ein – für den Moment des Innehaltens sorgten Goulds Grüße an die Toten von Nizza und Istandbul, begleitet von den wütenden Textzeilen: „Everybody knows somebody dead that should be alive, are you gonna live, are you gonna die, you better decide (Casper)”. Wenn sie es doch nur gekonnt hätten, denkt man sich unweigerlich… Der Abend endet dennoch mit dem beruhigenden Gefühl, dass sich einige Dinge zum Glück nicht ändern und man in einer Familie, welche das auch ist, immer noch am besten aufgehoben ist. Und wir wissen jetzt auch: Wenn die Red Hot Chili Peppers im Herbst auf Tour kommen, ist ein Abend im Kreise der Lieben nicht die schlechteste Alternative – denn besser wird es nicht werden.
19.07.  Weinheim, Cafe Central
20.07.  Dresden, Beatpol
21.07.  Leipzig, Moritzbastei
22.07.  Karlsruhe, Das Fest
23.07.  Dornbirn, Conrad Sohm
24.07.  Aflenz, Sublime
25.07.  Wien, Flex
27.07.  Erlangen, E-Werk
28.07.  Dortmund, FZW
29.07.  Frankfurt, Nachtleben
30.07.  Trebur, Open Air
Mother Tongue: Ganz in Familie

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