Moody’s: Das Strafkommando der Ratingagenturen stösst Spanien weiter in die Abwärtsspirale

Von Humanicum

Volkswirtschaften, wie die von Spanien oder Griechenland, werden nicht nur durch den Schuldenstand, den auferlegten Sparzwängen und einen lahmenden Markt negativ beeinflusst, sondern auch durch die Politik privater Ratingagenturen, die mit Mitnichten objektiv und Interessen ungebunden sind. Heute hat die anglo-amerikanische Ratingagentur Moody’s auf einen Schlag die Kreditwürdigkeit gleich von 28 spanischen Banken herabgestuft. Für einzelne Kreditinstitute ging es um ganze vier Stufen nach unten. Zu den betroffenen Banken zählen auch die Branchenriesen Banco Santander und BBVA. Vor allem traf die Aktion aber zahlreiche kleinere Institute, die ohnehin wegen der Immobilienkrise am schwersten betroffen sind. Für sie dürfte es damit noch schwerer und teurer werden, an frisches Geld zu gelangen.

Während die beiden Großbanken nach der Herabstufung immerhin noch eine befriedigende Kreditwürdigkeit besitzen, sind weitere Regionalbanken auf das sogenannte Ramschniveau abgerutscht. Diese psychologisch wichtige Marke gilt für Investoren als deutliches Warnsignal, dass sie Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren. Ab hier gilt ein absolutes no go. Obgleich der Bankenrettungsschirm die Liquidität der Banken sicher stellen soll, ist längst nicht ausgemacht, wer wann wieviel Geld bekommt. Kleinere Banken laufen durchaus Gefahr bei der vergabe der mittel als nicht strukturrelevant eingestuft zu werden und könnten leer ausgehen.

Interessant ist die Begründung Moody`s zur Herabstufung. Die Agentur begründete diese  unter anderem damit, dass der Staat immer weniger in der Lage sei, der notleidenden Branche zu helfen. Spanien selbst muss an den internationalen Kapitalmärkten mittlerweile hohe Zinsen zahlen, um sich Geld zu leihen. Die Regierung in Madrid hatte aber angesichts der vertrackten Lage erst am Montagmorgen Hilfen für die Banken aus dem Euro-Rettungsfonds beantragt, um eben genau dieses Problem zu lösen.

Die spanischen Banken leiden natürlich weiter unter der wirtschaftlichen Schwäche des Landes und der Immobilienkrise. Zahlreiche Kredite sind schon geplatzt. Moody’s erwartet, dass die Banken noch höhere Verluste aus Gewerbeimmobilien verkraften müssen. Das wiederum lasse es immer wahrscheinlicher werden, dass die Banken externe Hilfe in Anspruch nehmen müssen, hieß es. Mit dieser Begründung ging Moody’s nicht im geringsten auf die Tatsache ein, dass die Geldbeschaffung für notleidende Banken im wesentlichen ja schon durch den ESM gesichert wird. Es stellt sich die Fraage, ob die Agentur an der Wirksamkeit des ESM zweifelt oder sogar generell alle mögliche wirtschaftspolitischen Maßnahmen  Europas zur Bewältigung der Euro-Krise als unwirksam hält und womöglich auf einen Zusammenbruch spekuliert. Bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass viele Spekulanten – besonders aus dem anglo – amerikanischen Bereich – gegen ganze Länder wetteten, um aus deren Abwärtstrend Profite zu ziehen. Dieser perverse Mechanismus könnte nun mit Moody’s “objektive” Bewertung im Falle Spanien wieder getriggert werden.

Das dürfte die Diskussion um die Gründung einer spezifisch europäischen Ratingagentur wieder befeuern. Ob diese dann objektiver und Interesse neutral gegenüber amerikanischen Banken und Ländern agiert, bliebe dann allerdings offen. Ich würde dies bezweifeln.

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es grüsst euch René Brandstädter – humanicum