Montessori, Windelfrei und Herzkinder

Von Dani W.

Guten Morgen ihr Lieben,

sonnige Grüße aus Sardinien und heute gibt's wieder eine Montagspost. Ich lese ja nach wie vor viele Blogs. Es ist einfach ganz oft inspirierend und auch hilfreich andere Sichtweisen zu sehen oder Themen zu haben, die einen selber gerade begleiten.

Meine heutige Gästin lernte ich beim RMEB kennen und wir quatschten richtig viel und lange. Ihre Schwerpunkt-Themen finde ich einfach total spannend und deswegen freue ich mich auch, das Sie nun endlich auch zur Hall of Fame der Montagspost gehört. Habt nun viel Spaß mit Sabrina von Wunschkind Herzkind Nervkind.

Liebe Sabrina, erzähl uns doch ein bisschen über Dich:

Hallo liebe Dani, zuerst freue ich mich natürlich sehr, dass ich bei deiner Montagspost mitmachen darf. Ich mag die Vorstellung der vielen verschiedenen Blogs und ihrer Personen dahinter sehr und ebenso deine sehr individuellen Fragen an die Blogger. Das zeigt, dass du dich auch wirklich mit diesen Blogs beschäftigst.

Zu mir: Ich heiße Sabrina, bin 34 Jahre alt und Mama von zwei Kindern (Sohn 4,5 Jahre und Tochter 1,5 Jahre). Ebenso bin ich Ehefrau von einem ganz wundervollen Mann, der viel zu den tollen Blogposts beiträgt. Wir leben in einem Dorf und sind mit unserem Haus und dem absolut unspektakulären Leben, welches wir führen, sehr glücklich.

Derzeit bin ich in Elternzeit. Ab Januar gehe ich dann wieder als Chemietechnikerin arbeiten, meine Tochter wird dann vormittags von meiner Mama betreut. Der Sohn geht schon in der Kindergarten.

Ach, und unsere 4 Meerschweinchen vervollständigen dann noch unsere Familie 🙂

Wie kam es zu dem Blognamen und dem Wunsch zu bloggen?

Der Gedanke zu bloggen, kam als mein Sohn 8 Monate alt wurde. Ich war schon eine Weile auf der Suche nach Spielideen für ihn und stieß dabei auf Maria Montessori. Ihre Gedanken, ihre Sicht auf das Kind stießen bei mir auf fruchtbaren Boden. Sie erklärte mir mit ihrem Wissen so vieles was ich an meinem Sohn sah und schon teilweise umgesetzt hatte. Allerdings stellte ich auch fest, dass Maria Montessori im deutschsprachigen Raum noch sehr wenig vertreten war und in mir keimte der Gedanke, dies ändern zu wollen.

Ich überlegte daher nicht sehr lange und startete völlig ohne jegliches Wissen meinen Blog.

Mein Blogname kam mir dann auch relativ spontan und aus dem Herzen. Denn wer würde sein Kind nicht selbst in alle drei dieser Kategorien einteilen? Meine Kinder sind Wunschkinder, sie sind meine Herzenskinder und ja, auch immer mal wieder meine kleinen Nervkinder. Das ist normal und keinster Weise abwertend gemeint. Das Leben ist nicht nur rosarot und das soll mein Blog auch widerspiegeln.

Montessori spielt eine große Rolle in eurem Leben-Ich kam ja über das Drehspiel und den Learning Tower dazu?

Ohne Maria würde es meinen Blog nicht geben! Sie war für mich der Grundgedanke überhaupt mit dem Bloggen zu beginnen und sie ist es die tagtäglich den Umgang mit meinen Kindern entscheidend beeinflusst hat.

Ihre Sichtweise auf das Kind prägt mich entscheidend und half und hilft mir viele alten Ansichten zu überdenken und mit meinen Kindern in einer achtsamen Beziehung zu leben.

Durch Montessori und die vielen wundervollen Blogs, die ebenfalls über ihren Alltag mit Montessori schreiben, habe ich natürlich auch viele Spiel- und Lernideen entdeckt und auch Alltagshelfer, wie den LearningTower. So vieles sind wirklich Erleichterungen, die das Zusammenleben mit den Kindern viel entspannter machen. Auch unser toller Kinderwaschtisch entstand dadurch und hilft nun auch der Tochter selbsttätig Körper- und Zahnpflege zu betreiben.

Montessori definiert sich natürlich nicht nur über die Spiel- und Lernanregungen oder über die Alltagshelfer.

Nicht jeder kann dies so umsetzen, rein räumlich oder ist entsprechend handwerklich begabt. Wichtig ist die Grundhaltung zum Kind! Die Beziehung zum Kind und dem Bewusstsein, dass dies lernen wollen, selbsttätig sein wollen und wir sie in allem was wir im Alltag tun auch einbeziehen sollten und können. Es scheint unglaublich, was diese kleinen Kinderhände schon tun und schaffen können, aber wenn wir es zulassen, kann dies unseren gemeinsamen Alltag ungemein bereichern.

Windelfrei und Stoffwindeln, sind ebenfalls eins Thema bei euch-wie war das für Dich? Dein Leitspruch „jede Windel zählt" finde ich super. Ich denke auch beim 2. Kind daran einiges anders zu machen, bin aber gehemmt. Was kannst DU mir da mitgeben?

Der Sohn wurde zu Anfang „ganz normal" mit Wegwerfwindeln gewickelt. Ich kannte es nicht anders, jeder macht es so und als ich zufällig mal etwas über Windelfrei und auch Stoffwindeln las, dachte ich noch selbst „Was für ein Blödsinn!" Ich war völlig unwissend. Erst viel später, da war der Sohn schon 16 Monate alt, kam ich dann doch auf Stoffwindeln und ärgerte mich sehr darüber, dass ich nicht schon viel früher damit begonnen hatte. Es ist so simple und was man dabei an Müll spart ist unglaublich.

Windelfrei betrieb ich beim Sohn nicht, obwohl ich auch ihm einfach aus dem Bauch heraus früh das Töpfchen anbot und er dies auch schon gerne dann nutzte.

Als ich mit der Tochter schwanger war, wusste ich, dass ich von Anfang an mit Stoffwindeln wickeln würde und setzte mich auch mit dem Thema Windelfrei auseinander.

Windelfrei ist leider eine etwas falsch gewählte Übersetzung aus dem Englischen.

Nur sehr wenige Windelfrei-Eltern lassen ihre Babys wirklich komplett ohne Windeln. Die meisten benutzen trotzdem Windeln als Backup und zur Sicherheit und halten immer dann ab, wenn es ihnen ihre Kinder anzeigen.

Ich sagte mir von Anfang an, ich geh es einfach locker an. Probier es und bleib entspannt. Das Kind hat eine Windel an, Unfälle können also nicht passieren und wenn es klappt, dann freu ich mich! Ich denke, dass ist der wichtigste Leitspruch, denn man haben sollte. Nichts verkrampft zu sehen, locker zu bleiben. Einfach zu wissen, es ist schön, wenn es klappt und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm.

Zudem wird es auch irgendwann immer einfacher werden, denn die Kinder merken auch, ob man auf ihre Signale reagiert und können diese dann auch immer deutlicher zeigen bzw. wir können sie besser verstehen. Meine Tochter ist mit 16 Monaten komplett windelfrei. Und ich stolz wie Bolle, dass ich diesen Weg mit ihr gegangen bin.

Du hast schlechte Erfahrungen mit eurem Kinderarzt gemacht, der dir sogar zum Buch „ jedes Kind kann schlafen lernen" geraten hat, wie kann man junge, unerfahrene Eltern vor Ärzten, Pädagogen und eben diesen Menschen schützen, die Bindung eher zerstören als festigen wollen?

Puh, eine wirklich ganz, ganz schwierige Frage! Elternschaft ist ein stetiges Lernen. Man weiß zu Anfang nicht, wie es sein wird. Man hat grobe Vorstellungen vom Leben mit Kindern und wie man ihn verschiedensten Situationen reagieren möchte.

Da sind dann so viele unterschiedlichste Meinungen, die auf einen treffen, seien es Ratgeber, Verwandtschaft, die eigene Mutter oder Schwiegermutter und eben viele andere Mütter.

Wer hat recht oder nicht? Was passt zu mir und meinem Kind? Da bei sich zu bleiben und auf seine eigenen Gefühle zu hören, ist nicht immer einfach. Aber es ist wohl der einzige wirkliche Rat den auch ich geben kann. Bereitet euch etwas Bauchschmerzen, fühlt euch unwohl dabei und merkt das etwas eurem Kind nicht gut tut, dann lasst es!

Wechselt den Arzt, kündigt den Betreuungsvertrag... das was die Kinder erleben, wird sie ein Leben lang tragen oder auch negativ beeinflussen und einschränken.

Dein 2. Kind, deine super süße Tochter hielt wenig vom Schlafen. Wie hast du das gemacht mit dieser Dauermüdigkeit?

Nochmal ein großes PUH (!)

Die Zeit war hart, sehr sehr hart sogar! Wenn man Nachts stundelang wach ist, um die Tochter wieder in den Schlaf zu tragen und auch tagsüber nicht schlafen kann, weil die Tochter nur schaukelnd in der Trage ihre Schläfchen hält, geht man wirklich am Stock. Zudem plagt einen noch das schlechte Gewissen, da man sieht wie das erste Kind nichts von seiner Mama hat. Nein, es war nicht einfach und abgeben war auch überhaupt nicht möglich. Bei jeder anderen Person, auch dem Papa, schrie die Tochter. Abgeben über Nacht? Hahahaha... meine armen Eltern oder Schwiegereltern.

Zum Glück ist der Zusammenhalt in der Familie sehr groß, alle erlebten es ja selbst, wie die Tochter war und ist und das Verständnis ist sehr groß.

Das hilft schon sehr viel, wenn man nicht als Helikoptermama hingestellt wird. Ansonsten hilft leider nur durchhalten, durchhalten, durchhalten! Irgendwann wird es plötzlich besser und jetzt ist es so, dass sich meine Tochter problemlos auch den ganzen Tag von meinen Eltern betreuen wird. Es wird also bald soweit sein, dass mein Mann und ich wieder gemeinsam etwas alleine tun können. Ausgehen, Kino, essen, was auch immer... das war eben bisher nicht möglich... das muss eine Beziehung aushalten können. Die Kinder sind nur eine ganz kurze Zeit so klein.

Ihr wohnt eher ländlich statt in großem Städtetrubel. Glaubst Du das es für Kinder einen Unterschied machen wo Sie aufwachsen?

Oh, da habe ich einfach keinen Vergleich. Ich glaube, es ist egal ob Stadt oder Land. Man kann sich überall Stress machen/ haben und überall auch seine Ruhe-Inseln finden. Auch ist es sicherlich einfach wichtig, dass man sich wohlfühlt. Was bringt mir das süße kleine Dorf, mit Bachlauf, Wald, unendliche Wiesen, wenn ich mich abgeschirmt von allem fühle und keinen Anschluss habe? Natur ist wichtig für Kinder, das ist wissenschaftlich bekannt, aber Natur ist überall und Zuhause ist da wo ich angekommen bin.

Liebe Sabrina, danke für die Einblicke und deine Leidenschaft für Montessori. Wir haben ja auch den Waschstuhl für den Prinzen gebaut und es ist fantastisch wie selbständig Kinder werden, wenn man Ihnen einfach etwas zutraut.

Lasst ihr eure Kinder viel selber machen ohne Angst und Vorurteile?

Habt eine tolle Woche und wer bei der Montagspost dabei sein will, kann mir jederzeit schreiben an herz@gluckeundso.de

Nächsten Montag gibt es eine neue Folge #15Songsoflife.

Eure Glucke

Ich bin Dani, in den Dreißigern, also den besten Jahren des Lebens. Ich bin Mama vom Prinzen, Ehefrau vom Liebsten und Schreiberin von diesem, meinem Schatz Glucke und So. Hier findet ihr eigentlich recht viel von mir und meinem Leben. Authentizität und Ehrlichkeit ist mir sehr wichtig und ich hoffe das spürt man auch. Viel Spaß beim Stöbern und schön das Du vorbeigeschaut hast.