Monogame Läufer, eine Seltenheit!

Von Walter Kraus
Ich kann nicht treu sein. Und meine Frau leidet natürlich darunter! Ich kann es mir nicht vorstellen, wie man als Läufer monogam leben kann. Mit nur einem Liebling das Läuferleben teilen, mit immer denselben die Laufstrecken ablaufen. Ich muss einfach „Fremdgehen“ und mir immer wieder etwas Neues zum Laufen suchen…Laufschuhe meine ich natürlich!
Ich kann es einfach nicht! Ich kann nicht mit nur ein paar wenigen Paar Laufschuhen mein Läuferleben bestreiten, und schon gar nicht mit nur einem einzigen Paar. Ich brauche viele, mit gutem Grund! Leider musste ich mich am Laufcampauf Fuerteventura schweren Herzens von meinen Lieblingstrailschuhen trennen und wurde ganz unrund, nur durch das Wissen, dass ich keine passenden Schuhe fürs Gelände mehr habe. Auch wenn ich in nächster Zeit nicht vorhabe, großartige Ausflüge abseits befestigter Straßen vorzunehmen, man will für den Fall des Falles gerüstet sein.

das letzte Foto mit
meinen Lieblingen

Wie machen das Läufer, die lediglich nur ein Paar Laufschuhe haben? Ich kann nicht nur einem Paar treu bleiben! In meinem Schuhschrank liegen bereits unzählige Laufschuhe, die alle ihren besonderen Zweck haben. Die Schnellen, die Bequemen, die für die Langen, die Leichten, die sehr Leichten, die Schweren, die ON, die Wasserdichten, die fürs Barfußlaufen, die Wettkämpfer, die Gelben, die auch fürs Spazierengehen, die Stabilen und eben auch noch die fürs Gelände. Ich hab sogar mehr Schuhe als meine Frau! Und lässt man mich alleine in ein Laufschuhgeschäft, kann ich einem neuen Paar nicht widerstehen. Es fehlen ja noch die Blauen.
Das wurde mir diese Woche bewusst, als ich das Laufschuhgeschäft meines Vertrauens betrat: der Verkäufer, ein vollbärtiger Läufer, der offensichtlich jeden einzelnen Laufschuh in seinem Geschäft selbst getestet hatte, zeigte mir diverse neue Frühjahrsmodelle. Bei manchen Schuhen kam er selbst ins Schwärmen und ich hatte das Gefühl, dass er sie gar nicht verkaufen möchte, sondern lieber selbst laufen würde.
Wir waren uns jedenfalls einig: Läufer braucht viele Laufschuhe.
Aber nicht nur, weil dieser Laufschuhfetisch bei mir so ausgeprägt ist, sondern weil es durchaus Sinn macht, unterschiedliche Arten und Modelle zu laufen. Es sind kleine Details, die einem bewusst werden, wenn man sie einmal erlebt hat. Wie in meinem Fall beim Traillaufschuh.

Für jeden Zweck das perfekte Paar

Im Fall der Trailschuhe sind die Vorteile ganz einfach zu erklären: nicht nur, dass diese Schuhe eine spezielle Sohle für einen besseren Halt haben, also sicherer im Gelände sind, sie haben auch einen entscheidenden Vorteil an der Fußspitze: sie ist verstärkt. Den Unterschied wirst du zu schätzen wissen, sobald du einmal mit der Zehenspitze gegen einen Stein oder einer Wurzel stößt.

Abwechslung für die Füße

Wenn du ausschließlich in der Ebene und auf gesicherten Wegen läufst, ist auch da ein Wechsel der Laufschuhe von Vorteil. Denn jeder Schuh unterstützt Bereiche mehr, andere weniger. Wenn du immer mit ein- und demselben Laufschuh läufst, können einzelne Bereiche stärker belastet werden und sogar überlasten. Das gilt vor allem für Marathonläufer, die besonders lange Läufe laufen müssen. Mit einem Wechsel der Laufschuhe (am besten gleich eine andere Marke mit ähnlichen Eigenschaften) kann man Überlastungen etwas vorbeugen.

Manche machen Schnell

Mein wohl wichtigstes Argument (das auch mein Laufschuhverkäufer zu 100% teilt) ist die Dynamik des Laufschuhs. Wenn du ordentlich laufen gelernt hast und diesen Laufstil auch laufen kannst, dann wirst du mit leichten, sehr direkten Laufschuhen das Gefühl haben, dass sie dich schnell machen. Aber nicht nur gefühlt! Mein Laufschuhverkäufer meint dazu sogar „sobald man diese Schuhe anzieht, weiß man, dass man schneller laufen wird, also gar nicht langsam laufen kann!“ Vielleicht auch ein kleiner psychologischer Effekt.

Manche sind für faule Füße

Möchtest du jedoch gemütlich laufen, vielleicht zusätzlich auch noch weit laufen, dann wird sogar die beste Lauftechnik schlampig bzw. die Muskulatur müde werden. Gerade dann braucht man Laufschuhe, die weniger fordern, dafür aber das Laufen fördern. Versucht man mit diesen Schuhen jedoch schnell zu laufen, dann wird man bald feststellen, dass sie sich wie ein Klotz am Bein anfühlen.

Läufer sind eitel

Neben den erwähnten Punkten gibt es noch ein Konsumargument: wir wollen schick aussehen! In den letzten Jahren konnten wir miterleben, dass sich auch bei den Laufschuhen das Design geändert hat. Weg mit dem Einheitsbrei und hin zu farblich harmonisch abgestimmte Varianten, die die Farbe des neuen Laufshirts ergänzen. Die Laufstrecke ist zwar kein Laufsteg, doch fesch aussehen will Läufer heutzutage auch. Zumindest solange die Funktion des Laufschuhs bewahrt bleibt.
Das Ergebnis meines letzten Laufshopbesuchs: Ich hab mir gleich zwei Paar Laufschuhe gekauft, doch die eigentlich gesuchten Trailschuhe muss er noch in meiner Größe bestellen. Nächste Woche sehen wir uns also noch einmal, und ich nehme an, dass ich wieder mit zwei Paaren rausgehen werde. Meine Frau wird mir wohl wieder etwas von ihrem Platz im Schuhkasten überlassen müssen…


Tipp der Woche
Das lustige, nicht immer ganz ernst zu nehmende Laufbuch, mit dem besten Titel für ein Laufbuch überhaupt, und ein Muss für alle Läufer!
Laufbuch