Merz von Kurt Schwitters seit 100 Jahren - Ausstellung im Sprengel Museum Hannover, Mai bis Oktober 2019

Vor 100 Jahren erfand Kurt Schwitters den Begriff "Merz" und machte ihn zur Wortmarke seiner Ein-Mann-Bewegung - Grund genug für das Sprengel Museum, wo Schwitters-Archiv und -Stiftung angesiedelt sind, einen Teil der reichen Schätze, die ihm zu Verfügung stehen, vor dem Publikum auszubreiten. Aber es gibt noch einen zweiten Grund: der vierte Band der auf neun Bände angelegten Herausgabe aller Texte Schwitters' ist in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal fertiggestellt und soll am 5. und 6. Juli 2019 mit einem Internationalen Schwitters-Symposium gewürdigt werden. 

MERZ? von Kommerz abgeleitet? dann sicherlich mit ironischem Augenzwinkern; das Wort spielt auch auf die Bedeutung ausmerzen - aussondern an; und es spricht, dem Laut nach, für einen frühlingshaften Anfang. Zufall ist diese Wortwahl jedenfalls nicht, "denn die Merzkunst baut aus dem vermeintlich Wertlosen, Weggeworfenen etwas Neues, hebt es als künstlerisches Material geformt auf eine neue Ebene und führt es zurück in den Handel".

In zehn Räumen - einer davon der rekonstruierte Merzbau - werden über 200 Exponate, darunter 40 Leihgaben gezeigt. Der Rundgang ist nicht festgelegt, es gibt mehrere Einstiegsmöglichkeiten. Die crossmediale Merzkunst wird "in all ihrer Breite und Vielfalt präsentiert. Selten gezeigte Werke, Texte und Töne aus den umfangreichen Sammlungsbeständen zu Kurt Schwitters und seinen internationalen Weggefährt*innen, darunter Hans Arp, Hannah Höch, El Lissitzky und Käte Steinitz, werden gemeinsam mit ausgewählten Leihgaben gezeigt".

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Kurt Schwitters: Merzbild 29 A. Bild mit Drehrad, 1920 und 1940. Öl, Holz, Pappe, Kork, Watte, Radnabe mit Speichen, Kette, Knopf, Metall, Papier, Linoleum auf Pappe, Holz und Papier, genagelt, 85,8 x 106,8 cm. Sprengel Museum Hannover. Foto: Michael Herling / Aline Gwose, Sprengel Museum Hannover. 

Allein schon die Aufzählung der Materialien zu diesem Werkbeispiel signalisiert die kreative Vielseitigkeit und ungeheure, rastlose Schöpferkraft dieses Künstlers - und belegt, warum die Anwendung des modernen Begriffs "Crossmedia" in der Ausstellungsüberschrift ihre Berechtigung hat - aber eigentlich auch überflüssig ist, denn Merz ist nichts anderes als Crossmedia und manches Mal auch umgekehrt, die Begriffe sind pleonastisch aufeinander bezogen. Diese Abbildung vermag allerdings nur einen schwachen Abglanz wiederzugeben, es fehlt die dritte Dimension - einer der Gründe, warum ich empfehle, wenn irgend möglich, die Ausstellung selbst zu besuchen!

"Merz" nannte Kurt Schwitters auch eine avantgardistische Zeitschrift, die er von 1923 bis 1932 als Herausgeber, Autor und Typograf in Hannover verlegte (ihr ist einer der Räume gewidmet). Sie war multimedial angelegt und umfasste schließlich 17 bebilderte Hefte (darunter ein Pelikan-Reklameheft und ein Ausstellungskatalog), eine Schallplatte (mit Teilen seiner "Ursonate"), zwei Mappen mit Originalgrafik sowie drei Märchenhefte und ein Architekturbuch. In der "Reihe Merz" wurden auch Werke anderer zeitgenössischer Künstler*innen vorgestellt, darunter Hans Arp, Hannah Höch, El Lissitzky und Käte Steinitz.

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Kurt Schwitters: Merz 11 Typoreklame. Pelikan-Nummer, November 1924, Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Foto: Herling/Gwose/Werner, Sprengel Museum Hannover

Wie dieses Beispiel zeigt, war Kurt Schwitters ein hervorragender Typograf und Gebrauchsgrafiker. Die Begabung ließ sich schlicht auch zum Geldverdienen einsetzen: 1924 begründete Schwitters in Hannover die Merz Werbezentrale, die nach dem Slogan "Die gute Reklame ist billig" sämtliche Leistungen eines Grafikbüros anbot. Hannoversche Betriebe wie Pelikan, Bahlsen oder Üstra gehörten zu den Kunden (mit Nachwirkungen bis heute!), aber auch einige überregionale Firmen.

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Kurt Schwitters: Tafelsalz, 1922, Sprengel Museum Hannover, Leihgabe Kurt und Ernst Schwitters Stiftung, Foto: Michael Herling/Aline Gwose, Sprengel Museum Hannover.

Weitere Räume widmen sich dem Thema Kunst und Natur, der Ursonate, dem Verhältnis von Merz und Dada und der "Normalbühne". Meine wenigen Bemerkungen mögen genügen, um zu einem Besuch der Ausstellung anzuregen.
Nur eines noch: Eine echte Überraschung boten für mich die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Käte Steinitz. Sie und Schwitters gründeten gemeinsam den Aposs-Verlag, um moderne und zeitgemäß gestaltete Märchen zu veröffentlichen. "Die Märchen handeln nicht länger von Prinzessinnen, sondern nehmen die bürgerliche Lebenswelt des Kindes zum Ausgangspunkt".

Weitere Informationen auf der Netzseite des Sprengel-Museums. Die Ausstellung "100 Jahre Merz - Kurt Schwitters. Crossmedia" dauert noch bis zum 6. Oktober 2019.

Text: Dr. Helge Mücke, Hannover, mit Zitaten aus den Pressetexten. Bildquellen wie unter den Bildern angegeben - diese Abbildungen wurden als Pressebilder zur Verfügung gestellt und sind nicht frei verwendbar. 

Merz Kurt Schwitters seit Jahren Ausstellung Sprengel Museum Hannover, Oktober 2019

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