Menschen, die zuhören können, sind so selten wie wertvolle Diamanten

Menschen, die zuhören können, sind so selten wie wertvolle Diamanten
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch einen Abschnitt aus dem Buch MOMO von Michael Ende aus dem zweiten Kapitel zu lesen geben:


„Eine ungewöhnliche Eigenschaft“


"Von nun an ging es der kleinen Momo gut, jedenfalls nach ihrer eigenen Meinung. Irgendetwas zu essen hatte sie jetzt immer, mal mehr, mal weniger, wie es sich eben fügte und wie die Leute es entbehren konnten. Sie hatte ein Dach über dem Kopf, sie hatte ein Bett und sie konnte sich, wenn es kalt war, ein Feuer machen. Und was das Wichtigste war: Sie hatte viele gute Freunde.


Man könnte nun denken, dass Momo ganz einfach großes Glück gehabt hatte, an so freundliche Leute geraten zu sein -, und Momo selbst war durchaus dieser Ansicht.
Aber auch für die Leute stellte sich schon bald heraus, dass sie nicht weniger Glück gehabt hatten. Sie brauchten Momo und sie wunderten sich, wie sie früher ohne sie ausgekommen waren.

Und je länger das kleine Mädchen bei ihnen war, desto unentbehrlicher wurde es ihnen, so unentbehrlich, dass sie nur nach fürchteten, es könnte eines Tages wieder auf und davon gehen.

So kam es, dass Momo sehr viel Besuch hatte. Man sah fast immer jemand bei ihr sitzen, der angelegentlich mit ihr redete. Und wer sie brauchte und nicht kommen konnte, schickte nach ihr, um sie zu holen. Und wer noch nicht gemerkt hatte, dass er sie brauchte, zu dem sagten die Anderen: »Geh doch zu Momo!«

Dieser Satz wurde nach und nach zu einer feststehenden Redensart bei den Leuten der näheren Umgebung. So wie man sagt: »Alles Gute!« oder »Gesegnete Mahlzeit!« oder »Weiß der liebe Himmel!«, genauso sagte man also bei allen möglichen Gelegenheiten: »Geh doch zu Momo!«

Aber warum? War Momo vielleicht so unglaublich klug, dass sie jedem Menschen einen guten Rat geben konnte? Fand sie immer die richtigen Worte, wenn jemand Trost brauchte? Konnte sie weise und gerechte Urteile fällen?

Nein, das alles konnte Momo ebenso wenig wie jedes andere Kind.

Konnte Momo dann vielleicht irgendetwas, das die Leute in gute Laune versetzte?
Konnte sie zum Beispiel besonders schön singen?
Oder konnte sie irgendein Instrument spielen?
Oder konnte sie – weil sie doch in einer Art Zirkus wohnte – am Ende gar tanzen oder akrobatische Kunststücke vorführen?
Nein, das war es auch nicht.

Konnte sie vielleicht zaubern?

Wusste sie irgendeinen geheimnisvollen Spruch, mit dem man alle Sorgen und Nöte vertreiben konnte?
Konnte sie aus der Hand lesen oder sonst wie die Zukunft voraussagen?
Nichts von alledem.

Was die kleine Mama konnte wie kein anderer, das war: Zuhören.

Menschen, die zuhören können, sind so selten wie wertvolle Diamanten

Momo Figur in Hannover
Quelle: www.wikipedia.org

Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder.
Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen.
Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.
Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen.

Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den Anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.


Dabei schaute sie den Anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.


Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten.


Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten.

Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.
Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf - und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.
So konnte Momo zuhören.“

Ihr Lieben,


ich erinnere mich noch recht gut daran, dass meine Mutter eines Tages zu mir sagte:

Solange Du Deine Füße unter meinen Tisch steckst, tust Du das, was ich Dir sage!
Wollte ich dagegen etwas sagen, hieß es: „Du hast gar nichts zu sagen!
Und wollte meine Mutter mich besonders bestrafen, so redete meine Mutter überhaupt nicht mit mir, sie schwieg einfach.

Zwischen Menschen entwickelt sich niemals ein gutes Verhältnis, eine enge Beziehung, tiefes Vertrauen, wenn nur einer redet und dem Anderen den Mund verbietet oder wenn demjenigen, der etwas sagen möchte, einfach nicht zugehört wird.
Unsere Sprache ist sehr klug: Sie weiß, wie sehr man einen Menschen verletzen kann, wenn man ihm nicht zuhört, sie spricht von „totschweigen“.


Als meine Mutter bereits alt war und wir uns ausgesöhnt hatten, da haben wir viel miteinander geredet. Wichtig dabei war, dem Anderen erst einmal zuzuhören, ihn in dem, was er sagt, ernst zu nehmen, zu versuchen, zu verstehen, was er gesagt hat!


Ich würde mich freuen, wenn es mehr Menschen geben würde,
die zuhören können wie Momo.


Woran liegt das nur, dass wir so schlecht zuhören können?

Das hat mehrere Gründe:
wir sind oft ungeduldig, wir sind kaum bereit, den anderen Menschen ausreden zu lassen, ihm wirklich bis zum Ende zuzuhören.
…sobald der Andere etwas sagt, dass nicht unserer Meinung entspricht, stehen wir in der Versuchung, ihn zu unterbrechen und ihm ein lautes „Ja, Aber“ entgegen zu schleudern.
…wir glauben oft, dem Anderen, der uns etwas erzählt, die Lösung seiner Probleme präsentieren zu müssen, statt die Geduld aufzubringen, damit er die Lösung selber finden zu lassen.

Ich kann Euch allen nur empfehlen, Euch auf ein spannendes Abenteuer einzulassen:

Nehmt Euch selbst zurück und lernt, dem anderen Menschen wirklich zuzuhören.

Eure Partnerin, Euer Partner, Eure Kinder und Enkelkinder, Eure Freunde und Bekannten werden es Euch von ganzem Herzen danken.


Denn Menschen, die zuhören können wie Momo, sind soooooooooo selten und sie werden soooooooooo dringend benötigt!!!


Ihr Lieben,


ich wünsche Euch einen fröhlichen Nachmittag und grüße Euch herzlich aus Bremen


Euer fröhlicher Werner

Menschen, die zuhören können, sind so selten wie wertvolle Diamanten

Quelle: Karin Heringshausen


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