Meine Schreibmaschine war nicht meine Schreibmaschine.

 

Das Medium ist die Botschaft. (McLuhan)

 

Meine Schreibmaschine war nicht meine Schreibmaschine.

Vergilbte Zeilen und Zeiten.

 

Jüngst hatte ich ein altes Gedicht von mir neu entdeckt. Im Archiv der Deutschen Fotothek der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Ein Online-Unikat unter 1.080.000 Bilddokumenten, mehr als 10.000 digitalisierten Handschriften und Drucken sowie rund 34.000 AV-Medien … Man braucht nur die Farbe des Papiers, auf dem es getippt wurde, zu sehen, um an viele Aspekte zu denken. Ich bin mir noch nicht sicher geworden, was die Zeiten aus den Zeilen gemacht haben. Aber ich erinnerte mich gleich an die Schreibmaschine, die ich mir für ein paar Monate geborgt hatte. Eine Art analoges Notebook, eine Reiseschreibmaschine, relativ kompakt, und nicht so schwer wie die übrigen Modelle. Komisch der Gedanke, vor gut 20 Jahren mit einer Schreibmaschine durch die Lande gereist zu sein; nicht immer, aber gelegentlich. Genauso oft dabei, Zettel und Stift für Notizen, Entwürfe oder eben Nachrichten an Freunde, die man auf Zetteln an der Wohnungstür hinterließ, da kaum jemand ein Telefon hatte. Die Kommunikation war verlässlicher, die Verabredungen verbindlicher, der Zustand der Protagonisten vertraulicher. Das Schreiben von Briefen und Karten war ein aufwändiges Vergnügen, das Aufgeben von Telegrammen die schnellste (und teurere) Benachrichtigungsform – und ein zeichenmäßig ähnlich limitierter Kanal wie heute Twitter. Man musste dafür ein Formular in Blockbuchstaben (Versalien) ausfüllen und bei der Post aufgeben – so hieß das; vielleicht ahnte man, dass diese Aufgabe symbolisch war. Denn die Botschaft verließ die Sphäre des Vertrauten so wie es heutzutage Millionen Face-Booker tun, darunter hin und wieder auch ich – wenn Lust und Verstand dazu ausreichen. Jede Geschichte will schließlich irgendwo erzählt werden. So wie diese heute.