Mein Trip nach Singapur. Irgendwas zwischen Luxus und Filmkulisse.

Von Marislilly

Die Lasershow des Marina Bay Sands

Asiatische Metropole, eine der teuersten Städte der Welt, Stadt des Überflusses, Hotels in atemberaubender Architektur, Shopping ohne Ende, Luxus, Sauberkeit, Sterilität. Es gibt viele Möglichkeiten, Singapur zu beschreiben. Natürlich sind 4 Tage viel zu kurz, um einen Ort in seiner Gänze kennenzulernen, aber für einen guten Eindruck reicht es allemal - gerade in Singapur.

Nach den ersten 2 Tagen war mein Eindruck vor allem Folgender: die Stadt ist sehr sauber, ordentlich, organisiert, kontrolliert und steril. Aber ein bisschen zu viel von allem, es wirkt unwirklich, fast wie eine Filmkulisse. Jederzeit könnte ein Kameramann um die Ecke stürzen und "CUT!" rufen, weil die Szene nun im Kasten ist. Es sind unheimlich wenig Menschen auf den Straßen oder besser gesagt: Singapur bietet unheimlich Platz. Fast alle Straßen sind breit, Verkehrsprobleme kennt man hier sicherlich nicht. Das U-Bahn-Netz funktioniert fantastisch. Auch hier, Anpassung in Perfektion: vor den Türen der MRT sind Begrenzungen aufgezeichnet, sodass wirklich zuerst die Leute aus der Bahn aussteigen können, bevor neue Gäste einsteigen. Eigentlich steht jeder hinter der Begrenzung. Sowas gibt es in Düsseldorf nicht ;-)

Skyline - es war leider oft bewölkt

Blick nach oben am Raffles Square

Nachts ist Singapur unheimlich schön

National Gallery


Die Gebäude sind hoch und man bemüht sich, noch höhere zu schaffen. Die Architektur ist durchdacht, interessant und speziell. Ich liebe es zwar, Gebäude anzuschauen und auch zu begehen (von innen), würde mich aber nun wirklich nicht als Spezialist oder gar Liebhaber bezeichnen. Dennoch macht es unheimlich Spaß, durch Downtown und das Finanzviertel (Raffles Place MRT) zu laufen und zu spazieren. Die Hotels überbieten sich mit ihren Angeboten an Luxus, Location und Aussicht. An dieser Stelle: Wer ist überhaupt das Marina Bay Sands? Das Fullerton Bay hat mich fertig gemacht! Als wir abends dort spazierten, stieg gerade eine Hochzeitsgesellschaft ab... Aber dennoch habe ich erst abends ein klein wenig vom speziellen Singapur-Flair mitbekommen und finde immer noch, dass die Stadt ein wenig seelenlos anmutet. Paris kam mir romantisch-arrogant vor, Berlin schlonzig-lässig, Düsseldorf ist etwas zwischen Moet-Champagner und Altbier, Hamburg rau-schön. Jeder Ort hat doch seinen eigenen Charme, oder? Bei Singapur kam mir dieser an vielen Stellen "geliehen" vor. Finanzsektor - New York. Marina Bay Sands, Supertrees & Co. - Dubai. Shoppingmalls - in dieser Masse zwar speziell, aber auch hier erinnerte mich vieles an Dubai. Wer da zuerst kam, keine Ahnung.

Blick auf die Supertrees in den Gardens by the Bay

Blick auf den Singapore Flyer, das Riesenrad


Sogar die grünen Oasen der Stadt haben dieses Sterile und Unnatürliche an sich und sind vielleicht gerade deshalb so sehenswert. Auf jeden Fall sind die wunderschön bepflanzt und die Rundwege durchdacht. Ich liebe Parks und Anlagen in der Stadt, da könnte mein geliebtes Düsseldorf sich an anderen Städten eine große Scheibe von abschneiden. An solch schönen Orten mangelt es Singapur nicht. Manche kosten Eintritt, viele nichts. Die Gardens by the Bay sind wahrscheinlich den meisten ein Begriff, allein wegen ihrer Avatar-like verrückten "Supertrees", an denen spezielle Pflanzen ranken und die nachts wundervoll beleuchtet sind. Ein Supertree ist sogar als Restaurant ausgebaut. Gegen ein mitteleuropäisches Gehalt kann man dort mit seiner Familie sehr nett speisen.
Die Expat Community ist groß in Singapur.Wir haben uns in einem der vielfach vorhandenen (absolut überbewerteten!) Hawker Centern mit einem ausgewanderten Briten unterhalten, der ein schattigeres Bild auf Singapur geworfen hat, als man es sonst kennt und auch einige unserer Eindrücke bestätigt. Es ist wohl nicht leicht, in Singapur eine Heimat zu finden. Denn Arbeit wird hier geliebt und absolut groß geschrieben. An 6 - 7 Tagen in der Woche ist man im Büro, an den wenigen Tagen "off" gibt man das schwer verdiente Geld gern aus. Möglichkeiten dazu gibt es mehr als genug. Fast jede MRT-Station wäre schon ein vollwertiges Shoppingcenter oder mündet in einem. Malls sind überall zu finden. Die Orchard Road setzt dem Ganzen die Krone auf. Verrückt, diese Straße. Wenn man in Singapur ist, muss man sie sich allein schon darum ansehen, weil es wahnsinnig ist, dass eine Straßenseite komplett aus riesigen Malls besteht und die andere Straßenseite von Flagshipstores aller großen Namen und Designer gesäumt ist.
Die Stadt ist teuer. In einem Café morgens mal was ordentliches Frühstücken? Ein Kaffee dazu? Für zwei Personen locker 50 Dollar! Coffee to go bei Starbucks & Co? Kaum unter 6 Dollar möglich. Lunch in einem unspektulären kleinen Restaurant oder in der Mall? Um die 15 Dollar für zwei. Hotelzimmer in mittlerer Kategorie mit ansprechender Ausstattung sind kaum unter 80-100 Dollar zu finden. Wer wie ich nur zwecks Sightseeing und ohne großes Budget nach Singapur kommt, dem kann ich die "Hotel 81" empfehlen. Zwar winzige Zimmer, aber sehr sauber, top Locations in Little India und Chinatown und günstig zu haben über Agoda & Co.

An der Marina Bay im Foyer eines Hotels

Der Fat Bird

Es ist dennoch wie überall: viel Geld kann man ausgeben, sehr problemlos sogar, aber auch mit wenig hat man allerhand zu schauen. Die MRT ist günstig (einfach an einer Station eine Karte kaufen, aufladen und dann abfahren. Man muss sie immer mit 10 Dollar aufladen, bekommt das Geld aber wieder, wenn man nicht alles verfährt) und fährt alles Wichtige an. Die Lasershow am Marina Bay Sands Hotel (am besten von der anderen Seite zu sehen, vom Fullerton Hotel kommend) ist jeden Abend um 20 und um 20:30 Uhr. Im Dunkeln durch die Stadt spazieren und sich in den Schluchten verlieren und die Outfits der Singapuraner anschauen, die zum Dinner oder Tanzen aufbrechen. Durch die Parks laufen. Little India und Chinatown einmal durchqueren. Im Hawker Center essen. Vielleicht - falls man mag - Singapuraner Frühstück probieren (Schwabbeltoast mit einem Aufstrich aus Ei & Kokosnuss, ich habs nicht probiert). Bei einem Spaziergang fallen einem auch die vielen Skulpturen und Statuen in der Stadt auf. Sich einfach mal die Zeit nehmen und diese betrachten. Bei asiatischer Kosmetik stöbern ;-)


Abschließend muss ich leider sagen, dass ich null nachvollziehen kann, warum diese Hawker Center so gelobt werden. Ja, sie sind nicht teuer. Aber lecker ist dieses fettige-schlonzige Zeug da in den allermeisten Fällen auch nicht. Ich jedenfalls freue mich wieder auf Balis Küche nach diesen paar Tagen :-)

Hawker Center Food


Wart ihr bereits in Singapur? Wie war denn so euer Eindruck?