Mein (im FTD-Blog wegzensierter) Leserkommentar zum Kommentar "Euro-Kriseln mit den Söslerhofers" von FTD-Chefökonom Thomas Fricke


 Der Chefökonom (das bedeutet bei diesem Blatt wohl zugleich: Chefredakteur) Thomas Fricke hat in der Financial Times Deutschland (dem deutschen Zentralorgan der Euhaftomanen), und gleichzeitig im FTD-Blog "Wirtschaftswunder" am 10.08.2012 eine Kolumne u. d. T. "Euro-Kriseln mit den Söslerhofers" publiziert.
Dazu hatte ich den nachfolgenden Leserkommentar verfasst, der von der Redaktion offenbar wegzensiert wurde. Mit der Zensur habe ICH kein Problem: ich kann meinen Text schließlich auch hier publizieren. Und meine Leserinnen und Leser können selber entscheiden, was sie davon halten:
Vom Fricke-Text, von meinem Kommentar, und von der FTD-Zensur.
Da darf heute jeder mitbrabbeln. Was mit der enormen Aufgabe kollidiert, gegen eine ungekannte Krise ganz dringend ausgetüftelte Mittel zu entwickeln. Höchste Zeit für eine neue Expertenkultur.
Genau, denn schließlich wissen nur Experten, wie man die Elster (das Volk) rupft, ohne dass es schreit (wie ein italienisches Sprichwort sagt).
Und Mario Monti hat völlig Recht, wenn er eine Erziehung der Parlamente fordert: Die wissen nicht wirklich, wie man die Kapitalmärkte zufrieden stellt. Experten dagegen wissen das! Die haben “ausgetüftelte Mittel zu entwickeln” entwickelt, um die Massen über’s Ohr zu hauen. Das war zu Zeiten der lateinischen Münzunion so und ist heute nicht anders, wo sich der Herr Finanzprofessor Adalbert Winkler nicht entblödet, in der FTD Devisenkredite für eine Notenbank im Goldstandard mit unbegrenzter Staatsfinanzierung der eurozonären Verschwenderregierungen gleichzusetzen.
Solche “Experten” braucht das Land: nur so fährt man wirksam den Karren an die Wand!
… bevor die Troika überhaupt angefangen hat, das zu prüfen. Was sie anschließend getan hat, um diese Woche festzustellen, dass es offenbar doch vorwärtsgeht”.
Ich will nicht bestreiten, dass in der Troika Experten sitzen. Aber deren Berichte dürften das Werk anderer “Experten” sein: Experten der politischen Fälscherwerkstatt nämlich. Das Sie, Herr Fricke, uns die Troika-Desinformationen als fachliche Qualitätsarbeit verkaufen wollen, ist schon traurig: Sie wissen es besser!
Aber schon klar, dass und warum Sie uns den Schein andrehen wollen: damit die EZB noch mehr Scheine drucken darf!
Und das blöde Brabbel-Volk brav zuschaut – wie der Kapitalsozialismus uns über’s Ohr haut!
….. die Herren Rösler und Söder im Saal mal eben laut „Feuer“ rufen. Das hat etwas kriminell Fahrlässiges oder unfassbar Dummes.
Dumm und kriminell ist es, weiterhin deutsche Steuergelder an Griechenland (letztlich:) zu verschenken!
… ohne dass nicht irgendein Blödsinn gesagt wird. In denen behauptet wird, die Griechen hätten noch nicht gespart.”
Behauptet das jemand? Ich lese lediglich, dass sie
a) nicht genug sparen und
b) vor allem ihre politökonomischen Verkrustungen nicht auflösen. Und wenn ich mir Süditalien anschaue bin ich sicher, dass das mit Griechenland ebenso wenig was wird, denn das ist die gleiche (zwar nicht mafiöse, aber:) klientelistische Mentalität. Die ist 2.000 Jahre alt, und die rottet man nicht aus, indem man deutsche Steuerbeamte (oder bayerische Verwaltungsexperten – wie im 19. Jh.) da runterschickt.
Sie wissen doch genau, Herr Fricke, dass selbst Unternehmenszusammenschlüsse an unterschiedlichen “Kulturen” scheitern. Und Staaten wollen Sie in einer Zwangsgemeinschaft prokrustisieren?
Der kürzliche Aufruf gegen eine Vergemeinschaftung der europäischen Bankschulden wurde, wie Sie sicherlich wissen, Herr Fricke, von mittlerweile über 250 deutschen Volkswirten unterzeichnet. Gut, von denen dürften die wenigsten Finanzprofessoren sein. Aber das sind Sie ja wohl auch nicht, oder?
Und wie kommen Sie dazu, sich selbst (implizit) die Kompetenz beizumessen, eine Bankenhaftungsunion zu fordern, wenn Sie (mutmaßlich) ebenfalls noch nie ein wissenschaftliches Papier darüber publiziert haben?
Ganz einfach: weil sie nämlich einen “Expertenstatus” nur denjenigen zubilligen, die eine europäische Transferunion fordern. Und umgekehrt dürfte dann für Sie auch jeder ein Experte sein, der eine solche Forderung erhebt.
Da kommt dann eine Aussage raus wie “die Europäer hatten 2008 nachweislich weniger Staatsschulden als andere und vorher.” Sachlich zweifellos richtig, aber es gibt ja auch keine “europäische” Staatsschuldenkrise. Sondern eine griechische, eine spanische, portugiesische, irische usw. mit jeweils spezifischen Ursachen. Warum überzeugt Ihr “Gegenargument” nicht die Finanzmärkte, Herr Fricke? Keine Experten, wie?
….. die Welt angeblich immer nur unser Geld will. Was für ein Blödsinn. Die Welt will einfach, dass wir die Krise beenden helfen, statt etwa anderen die Austeritätspolitik aufzuerlegen, die bei uns 1933 zu 25 Prozent Arbeitslosigkeit geführt hat – exakt die Quote, die jetzt Griechen und Spanier haben.
So, wer deutsches Steuergeld NICHT versüdet, oder wer es ablehnt, Volkswirtschaften mit einem Außenhandelsdefizit frisch gedrucktes EZB-Geld in die Hand zu drucken, damit sie ihre Blasen weiter inflationieren können, der ”erlegt ihnen Austeritätspolitik auf”?
Kann doch jeder gerne aus der Eurozone ausdrucken, und Geld nach Herzenslust drucken. Freilich nicht unter dem EZB-Statut! Und gerne darf sich der griechische Staat mehr Steuern bei seinen Reichen holen – aber bitte nicht bei mir!
“Die Welt” – die angelsächsische Welt insbesondere – will, dass die EZB Geld druckt. Und ob den einschlägigen Schuldenmissionaren das nun subjektiv bewusst ist oder nicht: Dahinter steht das objektive Interesse der inflationierenden USA und GB, keine Hartwährungskonkurrenz aufkommen zu lassen. Für die Gelddruckspezialisten in New York und London könnte es nämlich eines Tages verdammt ungemütlich werden, wenn sich die Kapitalströme umkehren!
Experten, die ohne demagogischen Eifer über Währungs- und Schuldenkrisen forschen, historische Präzedenzfälle analysieren und die Panikanfälligkeit von Anlegern beobachtet haben. Und die gewissenhaft prüfen, wie gut Austerität, Notenbankinterventionen und Schuldenschnitte in der aktuellen Krise bisher gewirkt haben.”
Forschen ist gut; das Problem ist nur, dass wir aktuell auch handeln müssen. Und wenn “Experten” wie Ihr Artikelschreiber Adalbert Winkler (s. o.) keine besseren Argumente für unbegrenzte Staatskredite einfallen, als die Schwindel-Konstruktion einer haarsträubenden historischen Scheinanalogie, dann darf man ruhig unterstellen, dass hier Lobbyismus am Werke ist.
Im Moment haben wir definitiv … zu wenig richtige Experten”.
Auf dieses Statement könnte ich mich mit Ihnen sogar einigen – mutatis mutandis im gedanklichen Hintergrund. ;-)

ceterum censeoAuf dem Brüsseler Gipfel 28./29.06.2012 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel folgende Änderungen des ESM-Vertrages zugesagt:a) Auflagenerleichterungen für Länder, die Finanzhilfen des ESM erhalten undb) eine Entlassung der Staaten aus der Haftung bei der Sanierung von Banken in ihren Ländern. Damit finanzieren deutsche Steuerzahler Bankschulden in anderen Ländern, z. B. Spanien, Irland, Zypern, Slowenien.Diese weitere a) Aufweichung und b) Ausweitung des ESM zu unseren Lasten, die nach meiner Einschätzung in 2 - 3 Monaten vor den Bundestag kommt, müssen wir verhindern. WIR sind das Volk! Schreibt massenhaft in Foren, Leserbriefen und vor allem an die Bundestagsabgeordneten, dass sie eine bankschuldenunion ablehnen sollen!
Textstand vom 12.08.2012. Gesamtübersicht der Blog-Einträge (Blotts) auf meiner Webseite http://www.beltwild.de/drusenreich_eins.htm. Eine vorzügliche, laufend aktualisierte Übersicht über die Internet-Debatte zur Eurozonenkrise bietet der Blog von Robert M. Wuner. Für diesen „Service“ ihm herzlichen Dank!Hinweis für Paperblog-Leser: Die Original-Artikel in meinem Blog werden teilweise aktualisiert bzw. geändert.

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