Mein Ampelmoment

Die Fußgängerampel steht auf Rot. Kein Auto in Sicht. Die Leute fangen an zu laufen. Ich nicht. Nicht, weil ich unbedingt ein Vorbild für andere sein möchte. Quatsch! Nein, mein Blick hat sich einfach festgehangen. Ich stehe da und starre vor mich hin. Das ist mein Zen-Augenblick. Einfach mal an nichts denken, das Handy in der Tasche lassen. Den Blick schweifen lassen. Leere im Kopf. Ganze 45 Sekunden dauert mein Ampelmoment. Dann schaltet sie auf Grün und ich muss weiterrennen. Ins Büro hasten. Das Kind schnell abholen oder noch eben hastig den Einkauf erledigen.

Manchmal gehe ich vor einer Straßenkreuzung mit Absicht etwas langsamer, in der Hoffnung, sie schaltet noch schnell auf Rot und ich kann meinen Ampelmoment genießen. Dann blicke ich innig in mich hinein, lausche meinem Atem und freue mich, dass ich kurz anhalten kann. Und zwar einfach, um mal 45 Sekunden an nichts zu denken, nichts in Gedanken zu organisieren und eine komplette Schwerelosigkeit in meinem Kopf zu erleben. Dafür liebe ich meinen Ampelmoment.

Habt ihr auch einmal am Tag so einen Moment, an dem ihr für eine Minute nur so ins Leere starrt? An dem man einen Heuballen durch euer Gehirn pusten könnte und nach dem ihr euch aber auch wieder etwas freier fühlt?