Matthias Schweighöfers “Schlussmacher”

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Toto (Milan Peschel, rechts) mit Paul (Matthias Schweighöfer, links)

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH / Toto (Milan Peschel, rechts) mit Paul (Matthias Schweighöfer, links)

Wenn er so dasteht in seinem geschniegelten schwarzen Anzug, sieht Matthias Schweighöfer alias Paul in seinem neuen Film „Schlussmacher“ aus wie Will Smith in „Men in Black“, dass bemerkt auch sein Neu-Freund Toto, gespielt von Milan Peschel, einem Darsteller der zuletzt in Andreas Dresens „Halt auf freier Strecke“ hoch gelobt wurde. Der Anzug bleibt nicht die einzige Anekdote die an einen Will Smith-Film erinnern mag, dreht „Schlussmacher“ doch einfach die Prämisse zu „Hitch – Der Date Doktor“ herum, in dem Will Smith 2005 als Liebesberater zu sehen war, der einem schusseligen Flirt-Anfänger (Kevin James) zur Seite stand. Nun gibt Schweighöfer den Anti-Amor, der scheinbar scheiternden Beziehungen den Todesstoß versetzt. Auch in seiner zweiten Regiearbeit setzt Deutschlands liebster Schwiegersohn auf Beständigkeit – darunter fällt auch eine erneute Zusammenarbeit mit Drehbuchschreiber Doron Wisotzky, der bereits das Schweighöfersche Regiedebüt „What a Man“ zu Papier brachte. Auch Nebendarsteller Milan Peschel ist kein Fremdling im Schweighöfer-Umfeld: Schon in „Weil sie böse sind“ aus der deutschen Krimireihe „Tatort“, wie auch in „RubbeldieKatz“ von Detlev Buck und „What a Man“ stand er mit und für Matthias Schweighöfer vor der Kamera. Nun also die Buddy-Liebeskomödie „Schlussmacher“.

Das besagte Schlussmachen ist die Haupttätigkeit der Berliner Trennungsagentur Happy End. Deren Kunden engagieren Paul (Schweighöfer) um den baldigen Ex-Lebensgefährten den Trennungswunsch zu übermitteln. Emotionale Ausbrüche, Hasstiraden oder schluchzendes Wimmern sitzt er einfach aus. Es gibt kaum Diskussionen, weil Paul nüchtern betrachtet keinen Raum dazu bietet, hat er doch – außer der letzten Nachricht – keinerlei Bezug zu der Beziehung. In seinem eigenen Privatleben verläuft es ähnlich, seine Freundin Natalie (Catherine de Léan) hält er auf Abstand, siedelt mit der nahenden Beförderung lieber in ein geräumiges Loft um als sich mit ihr niederzulassen. Dann trifft Paul aber auf Toto, der die von ihm überbrachte Trennungsnachricht nicht so recht akzeptieren kann. Er mag nicht allein sein und hängt sich deshalb direkt an Paul, der Toto fortan mit auf Reisen nimmt. Dieser Umstand droht nicht nur seine Karriere zu zerstören, sondern bringt auch seine Überzeugung gegenüber seinen Job heftig ins schwanken.

 

Paul scheut keine Situation um die Trennungsnachrichten zu übermitteln

Paul scheut keine Situation um die Trennungsnachrichten zu übermitteln

Ebenso sehr schwankt der Film selbst, will mal eine Liebeskomödie sein, dann wieder dieser Roadmovie, der überraschend unterhaltsam daherkommt. Die traditionelle Erzählung von dem Mann, der seiner Frau etwas beweisen muss damit es zum Happy End kommt ist auch in „Schlussmacher“ vorzufinden. Catherine de Léan mimt das Schweighöfer-Mädchen, dass sich den sesshaften Liebhaber wünscht, ihn aber kurzerhand vor die Tür setzt, als sie diese Möglichkeit nicht mehr vor sich sieht. Erst einmal ignoriert der Mann das alles, in diesem Fall ein guter Schachzug, beschert Regisseur Schweighöfer dem Darsteller Schweighöfer hierdurch doch die Möglichkeit, sich von der seichten Komödienlandschaf Deutschlands zu lösen. Somit ist „Schlussmacher“ anfangs banal, am Ende gar langweilig stereotyp, entwickelt in der Hauptphase aber ein amüsantes und charmantes Miteinander von Matthias Schweighöfer und Show-Stealer Milan Peschel.

Peschel spielt sich groß- und glubschäugig an der Seite von Schweighöfer zum eigentlichen Highlight des Films. Da läuft dieser Toto die ganzen eineinhalb Stunden mit einer Zimmerpflanze umher und man wird einfach nicht erfahren, was es mit dieser auf sich hat. Das ist subtil, darüber darf geschmunzelt werden. Aber selbst wenn Peschel sich an Schweighöfers nackten Popo die Nase reibt, wirkt das noch lustig, gar nicht mehr so abgedroschen wie es klingen mag. Er zeigt komödiantisches Talent, man mag es auch kaum anders erwarten, hat er doch schon in „Halt auf freier Strecke“ den idealen Weg auf dem schmalen Grat zwischen Tragik und Komödie gefunden. In „Schlussmacher“ überspitzt er eine Hypochondrie beim Alleinsein, läuft durchgeknallt seinem Peiniger hinterher und schaut zumeist wie ein Alien, nicht von dieser Welt aus. Man mag fast behaupten, dass Peschel allein die Goldgrube dieses Films ist, der sonst in der Gleichgültigkeit des Einheitsbreis versunken wäre.

 

Pauls Freundin Natalie (Catherine de Léan)

Pauls Freundin Natalie (Catherine de Léan)

Mit der kleinen Ausnahme, dass auch Matthias Schweighöfer vom Drehbuch eine andere Art von Figur aufgedrückt bekommen hat. Er ist anfangs gar nicht der charmante Schwiegersohn, strahlt und lächelt zwar immer brav seinen Kunden entgegen, insgeheim möchte er ihnen aber nur Schlechtes, ist karrieregeil, will zum Partner in seiner Firma ernannt werden. Ein schmierig schleimiger Wiesel-Typ, der dann aber im Verlauf des Films immer mehr aufbricht und erneut kommt Matthias Schweighöfer zum Vorschein, wie man ihn kennt und viele Mädchen ihn lieben. Seine Komik besteht wie eh und je aus der Konfrontation mit unmöglichen Situationen, denen er mit hilflosem Mimikspiel begegnet. Das gestaltet sich zuweilen durchaus amüsant, werden doch immer wieder Szenen des Schlussmachens eingestreut und nicht etwa bereits zu Beginn am Stück abgehandelt. So huscht Paul durch eine Kirche, errettet die Braut vor der ewigen Bindung mit dem falschen Mann, landet aber kurz danach bei einem wohl behüteten Papa-Kind, das ihm mal eben ein Baby andrehen möchte. Es sind gute Ideen, routiniert umgesetzt, die Pauls Berufsleben immer wieder vor Augen führen.

Man muss es sich eingestehen, ein großer Wirksamkeitsteil von „Schlussmacher“ basiert tatsächlich auf dem Zusammenspiel der beiden Hauptprotagonisten, die sich geschickt die Bälle zuwerfen und selbst in überzeichneten Situationen noch den Boden unter den Füßen behalten – mit der Ausnahme eines von einer Brücke stürzenden Autos, aber hier sei ihnen der kleine Höhenflug verziehen. Hierdurch funktioniert Schweighöfers zweite Regiearbeit wesentlich besser als noch das Debüt. Man muss trotzdem davon ausgehen, dass auch in Zukunft derselbe Einheitsbrei folgen wird. Solange aber Milan Peschel mit von der Partie ist, könnte das dennoch ganz gut schmecken.

Denis Sasse


Schlussmacher_Hauptplakat

“Schlussmacher“

 

 

Originaltitel: Schlussmacher
Altersfreigabe: ab 6 Jahren
Produktionsland, Jahr: D, 2012
Länge: ca. 110 Minuten
Regie: Matthias Schweighöfer
Darsteller: Matthias Schweighöfer, Milan Peschel, Nadja Uhl, Heiner Lauterbach, Anna Bederke, Catherine de Léan

Deutschlandstart: 10. Januar 2013
Offizielle Homepage: schlussmacher-derfilm.de

 


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