Mannhafter Feminismus

Simone Schmollack, eine Art Gleichstellungsbeauftragte der taz, braucht sich nicht fürchten. Ihre Stelle wird nicht vakant, sie wird nicht rausgemobbt, wie manche ihrer "Kolleginnen". Das liegt auch auf der Hand, denn sie ist gar keine Gleichstellungsbeauftragte dem Wortsinn nach, denn um Gleichheit geht es ihr ja gerade nicht - sie ist die eloquente Zelotin eines Feminismus, der überall nur noch (männliche) Feinde wittert, glühend an eine Weltmännerverschwörung glaubt und der sich als Stieftochter der Öffentlichkeit wähnt. Schmollack hat schon desöfteren bewiesen, dass Objektivität oder einfach nur Unvoreingenommenheit keines ihrer Attribute ist. So giftete sie kürzlich gegen jene Gleichstellungsbeauftragte aus Goslar, die ihre Stelle verlor, weil sie sich nicht mehr ausschließlich für Frauen, sondern - Skandal! - um Gleichstellung, das heißt, um die Belange beider Geschlechter kümmerte. Und aktuell hat es freilich die infame Justiz verdient, die aus Mangel an Beweisen ein Verfahren einstellen musste, von Schmollack im Zorneseifer überrannt zu werden.

Wenn man im Zweifel für den Angeklagten entscheidet, so Schmollacks Resümee, dann schreckt das Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt innerhalb einer Beziehung ab. Wäre es deshalb vielleicht besser, auch im Zweifel ein Exempel zu statuieren? So weit sind die Verfechterinnen des Feminismus bereits. Diese mannhafte Haltung passt zufälligerweise auch in den Trend unserer Tage, in denen man auch Terrorverdächtige auf Verdacht hin inhaftieren möchte. Präventiv sozusagen - für die Vertreterinnen dieser abgehalfterten Heilslehre hat der Staat auch in Fragen der sich widerstreitenden Geschlechter (ein Streit, den es so nicht gibt, den man aber künstlich beatmen möchte) ein Präventivstaat zu sein. Sie würden den Rechtsstaat gehörig umkrempeln, wenn sie nur dürften. Alleine die Anklage aufgrund körperlicher oder sexueller Gewalt gegen Frauen würde dann genügen, um in jedem Falle eine Verurteilung zu kassieren - schon der Verdacht wäre damit Beweis genug. Foucault schrieb in "Überwachen und Strafen: die Geburt des Gefängnisses" über das Rechtsverständnis des Mittelalters, dass "der Verdächtige als solcher [...] immer eine bestimmte Züchtigung [verdiene]; man konnte nicht unschuldigerweise Gegenstand eines Verdachts sein. Der Verdacht bildete für den Richter ein Beweiselement, für den Angeklagten das Zeichen einer bestimmten Schuld und verlangte deswegen auch nach einer bestimmten Strafe. Ein Verdächtiger, der verdächtig blieb, wurde damit nicht für unschuldig erklärt, sondern in eingeschränktem Maße bestraft." Welch famose Rückschrittlichkeit den heutigen Feminismus ausmacht! Im postulierten Geschlechterkampf gibt es keine Hemmungen (mehr), denn er ist Krieg und das andere Geschlecht ist der Feind, ein diabolischer Kontrahent, gegen den man sich auflehnen muß. In so einem Krieg darf auch mal die rechtsstaatliche Praxis als unmenschlicher Akt tituliert werden - und demgegenüber, die Entrechtsstaatlichung als Fortschritt gefeiert werden. Rechtsstaat ist, was den Damen recht ist.

Überhaupt leidet diese Ideologie (wie wahrscheinlich jede!) unter Eindimensionalität. Das erkennt man schon daran, dass Schmollack lediglich von Gewalt spricht, die Frauen in Beziehungen widerfährt. Der umgekehrte Fall, Männer als Opfer von Beziehungsgewalt, ist jedoch keine Rarität. Die Dunkelziffer solcher Vorfälle ist immens. Wenn Schmollack schreibt, dass die Entscheidung des Landgerichts Mannheim weibliche Gewaltopfer verschreckt und in Passivität zwingt, dann stimmte (falls es überhaupt so ist) allerdings auch die Aussage, dass es auch (oder sogar mehr noch) männliche Gewaltopfer in ihr Schneckenhaus zurückkriechen läßt. In diesem sitzen geschlagene Männer nämlich häufiger als Frauen. Wahr ist, dass es geprügelten Frauen auch nicht leicht fällt, die an ihnen praktizierte Gewalt zu veröffentlichen - tun sie es aber dann doch, so ernten sie nicht Spott oder Zweifel, sondern richtigerweise Mitleid und Hilfe. Stellt sich ein Mann hin und erklärt, er würde von seiner Partnerin geschlagen, so fragt man ihn zunächst, ob er denn ein Waschlappen sei. Glauben schenkt man ihm ohnehin eher wenig. Die Gesellschaft hat geschlagene Frauen als hilfebedürftige Gruppe akzeptiert - geschlagene Männer sind ihr aber fadenscheinig. Frauen, die gewalttätig behandelt wurden, erhalten Zuspruch - mit Männern, denen dasselbe widerfahren ist, muß etwas nicht stimmen. Wehrt sich eine Frau gewaltsam nach langer Tortur, spricht man von Notwehr - verwendet ein Mann Gewalt, um die Gewalt zu unterbinden, gerät er selbst in den Verdacht, ein Schläger zu sein. Anzumerken ist allerdings, dass Gerichte gemeinhin geschlechterblind sind, sie sind dazu verpflichtet das Geschlecht auszublenden und nach Fakten zu urteilen - die Öffentlichkeit ist es aber nicht, sie ist emotional und eingelullt von dieser sexistischen Weltanschauung, die in jede Ritze strömt.

Eine objektive Journalistin hätte jedenfalls nicht von der Gewalt an Frauen geschrieben - sie hätte die Gewalt in Ehen und Beziehungen generalisiert. Da wären Opfer Opfer - bei Schmollack sind Opfer Frauen. Und natürlich: Täter Männer. Nur sollte man sich als Mann nicht diskriminiert fühlen, wenn man zu lesen bekommt, dass der Mann irgendwie ausschließlich ein "gewaltbegabtes Tier" ist, das zu zähmen die Aufgabe des Staates sei, der nun endlich erkennen müsse, dass das Tier Mann nicht auf den Mensch Frau losgelassen werden kann, ohne strikt an die Leine genommen zu werden. In dem Zeitalter, in dem wir uns befinden, passen derart generelle Aburteilungen fein ins Bild. Reaktionäre handhaben ihre Aversionen genauso, nur dass die Leidtragenden Moslems sind, die man als potenzielle Gewalttäter ausmacht und daher unbedingt streng beobachten und sanktionieren muß. Der Feministin Moslem ist der Mann - und die Steigerung des Elends ist für sie der muslimische Mann. Ein rigoroses Weltbild mit klarer Schwarz-Weiß-Definition ist modern. Der Feminismus, wie er sich heute gebärdet, es gesellt sich gut zum Kulturkampf dieser reaktionären Gesellschaft - wie er überhaupt hervorragend ins Konzept Neoliberalismus, mit seinen menschlichen Verwertbarkeiten und seiner Karrieregeilheit paßt. Wäre Schmollack objektiv, sie würde generalisierte Vorwürfe unterlassen und die Opferrolle nicht verweiblichen, sondern geschlechterneutral begutachten.

Sie ist aber nicht objektiv, denn genau diese Objektivität, hat sie an der Goslaer Gleichstellungsbeauftragten kritisiert. Objektivität ist nicht die Aufgabe der Eifererinnen - schlimmer noch, sie behaupten ja gerade, dass es außerhalb ihrer Sichtweise, die sie selbst für Objektivität halten, gar keine Objektivität geben kann. Wer Kachelmanns Schuld anzweifelte, weil es an Beweisen mangelte, galt daher umgehend als Rechtfertiger sexueller Gewalt - wer nicht lauthals vorverurteilte, galt als jemand, der wahrscheinlich auch gerne gewaltsam an Sex kommt. Daher fühlt man sich auch nicht blöde, wenn man selbst bei Mangel an Beweisen fordert, es möge zur Verurteilung kommen. Lieber einen Unschuldigen einsperren, als einen Schuldigen laufen lassen - das ist die Umkehrung traditioneller und bewährter Rechtsnormen. Und das ist die Objektivität der Schmollacks und Kolleginnen...


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