In alter Tradition möchte ich euch auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Welche Manga-Serien konnten mich 2025 am meisten überzeugen? Wie üblich geht es nicht darum, was ich 2025 gelesen habe, sondern was im letzten Jahr erschienen ist – egal ob Serie oder Einzelband.
Erwähnenswert
Nicht jeder Band hat es in die Top 5 geschafft. Manchmal ist die Serie nicht einmal herausragend, sondern nur einen Tipp wert. Also hier noch ein kleiner Schwank an potenziellen Tipps und lesenswerten Manga 2025:
5. Manga Issho
1, 2, 3, 4
Anstatt eine „echte“ Reihe beginne ich meine Liste mit einer Anthologie-Serie. In der Manga Issho – veröffentlicht von den europäischen Verlagen altraverse (Deutschland), Kana (Frankreich und Belgien), Planeta Comic (Spanien) und Star Comics (Italien) – gibt es kurze Geschichten.
Diese sind vielfältig – in der Optik, im Genre und in der Art – und stets unterhaltsam. Jedes Quartal kommt ein neues Magazin auf den Markt und wird – was bei mir nicht selbstverständlich ist – sowohl schnell erworben als auch gelesen, mit großem Spaß wohlgemerkt.
Da dieses Magazin unterschiedliche Reihen vereint, gibt es natürlich keine einheitliche Wertung (oder wie sollte man den Zeichenstil bewerten, wenn er sich alle 15 Seiten ändert?). Dennoch kann ich nur das Konzept und vor allem die Umsetzung loben.
Solltet ihr noch keinen Blick gewagt haben, habe ich noch einen Hinweis: Man kann auch später einsteigen. Ja, es gibt Fortsetzungen – mittlerweile gibt es schon 4. Kapitel – aber ich denke, man kommt dennoch gut in die Geschichten rein. Also keine falsche Bescheidenheit.
4. Crossing Borders
4
Letztes Jahr noch auf Platz 3, geht es dieses Jahr einen Platz nach unten. Der Hintergrund ist, dass es 2025 „nur“ einen Band gab und der auch noch überraschend das Ende der Serie beschert hat. Somit war es für Platz 3 „leichter“, vorbeizuziehen.
Bei Crossing Borders bekommt man eine nicht gänzlich unbekannte Story. Mia und Adam brauchen Unterstützung. Adam muss bekannter werden, um von seiner Kunst zu leben, während Mia Unterstützung in der Schule benötigt. Sie lernen sich mehr und mehr zu schätzen.
Die Geschichte ist herzlich und sieht atemberaubend gut aus. Dass der vierte Band der letzte ist, habe ich erst gegen Ende mitbekommen, und ich bin ehrlich: Ich hätte gerne weitergelesen. Es ist eine so herzliche und emotionale Geschichte, dass man sich gerne in der Welt aufhält.
Da ich nun die gesamte Serie kenne, kann ich ohne schlechtes Gewissen die Serie uneingeschränkt empfehlen. Trotz des bekannten Konzepts ist die Serie nie langweilig und das ist nicht immer so einfach, wie es klingt. Dazu kommt der tolle Zeichenstil.
3. Sanda
2, 3, 4
Neu – weil übersehen – kommt eine neue Serie in meine Top 5, die von demselben Autor vor einigen Jahren es jedes Mal nur nicht in die Top 5 geschafft hat, weil ich nie aktuell war. 2023 war es dann so weit und Beastars schnappte sich den ersten Band. Wie sieht es bei Sanda aus.
Eine Welt ohne Santa Claus? Eine Welt, in der Kinder und Erwachsene weiter nicht voneinander sind? Das ist die Welt von Sanda. Sanda wird durch einen Zufall zu Santa Claus und muss sich in dieser Welt beweisen. Kann Sanda den Kindern Hoffnung geben?
Die Geschichte ist ähnlich wie bei Beastars „nur“ der Start der Reihe. Danach wird die Welt sinnvoll erweitert und das immer wieder. Genau das gefiel mir bei Beastars und gefällt mir auch bei Sanda. Das ist auch der Grund für den guten Platz.
Aber es ist nicht alles super. Die Geschichte hat sich bereits etwas verloren, das Niveau von Beastars stelle ich absolut infrage. Optisch bleibt es ähnlich gut. Ich bin gespannt, wie sich die Serie in den nächsten Bänden entwickelt. Zufrieden bin ich aber dennoch.
2. Inside Mari
3, 4, 5
Von 4 auf 2, da geht noch was. Inside Mari hat sich mit einem großen Sprung nach vorn geschoben und hätte in einem anderen Jahr sicherlich den ersten Platz erreichen können. An der Anzahl der Bände (oder der Nummern) hat es nicht gelegen, es sind die gleichen.
Inside Mari ist kurz zusammengefasst eine Körpertauschgeschichte. Isao tauscht aber nicht eins zu eins mit Mari, sondern er nimmt nur Maris Platz ein. Ein neues Leben und vor allem der Umgang mit dem Mädchen, in das er verknallt ist, machen mehr als nur ein wenig den Reiz aus.
Zum Start ist die Serie noch zahm, klare Regeln: Nichtmal schauen war erlaubt. Später kommt es, wie es bei einem Manga von Shuzo Oshimi üblich ist, zu allerlei „Schweinkram“. Das ist – ebenfalls wie üblich – teilweise darüber, aber gerade noch im Rahmen.
Aus allen Ecken gibt es kleine Anpassungen an der Geschichte, die es immer spannender und aufregender machen. Man meint, zu wissen, was als Nächstes folgt, und dann sitzt Mari auf dem Boden einer Toilette. Klingt skurril? Das ist es auch.
1. The Strange House
3, 4, 5
Vom zweiten Platz direkt auf den ersten Platz gesprungen ist HOCHVERDIENT: für die Serie The Strange House. Warum das so verdient ist und die Serie dennoch (eventuell) einen Fehler gemacht hat, erfahrt ihr in den nachfolgenden Zeilen.
The Strange House dreht sich um drei verrückte Häuser. Recht zufällig wird der Protagonist „Ich“ mit einem merkwürdigen Haus konfrontiert. Angeblich handelt es sich bei dem ersten Haus um ein Haus, in dem ein Kind wohnt, das Menschen tötet. Was ist dran an dieser Vermutung?
Ein großer Bestandteil der Serie ist ein Grundriss, der in den ersten Bänden beiliegt und zum Rätseln animiert. Was soll an diesem Grundriss komisch sein? Und später ändert sich die Frage zu: Wo könnte ein Geheimgang versteckt sein? Das allein ist schon genial.
Die Rätsel um die Häuser werden komplett in den Bänden 4 und 5 aufgelöst. Das ist etwas Schönes, in anderen Reihen zieht sich die Lösung oder sie wird komplett verschwiegen. Die Lösung ist ebenfalls gut und ich bin super zufrieden mit dieser Serie. Ein Punkt kam mir im gesamten fünften Band in den Sinn: Ist das der letzte Band?
Trotz dass mir die Serie hervorragend gefallen hat, war mein Wunsch: Bitte lass es enden. Nein, das tut es nicht. Es geht weiter, und wie es weitergeht, wird sogar in den letzten Kapiteln erwähnt. Ich glaube nicht, dass neue Geschichten mich so abholen werden, aber die ersten 5 Bände sind der Wahnsinn.
Vor allem bricht die Geschichte komplett aus den typischen Geschichten und Plotelementen aus. Man kann etwas Frisches und Neues lesen und hat auch nicht direkt ein Dutzend ähnliche Werke im Sinn. Für mich ist das der Manga 2025!