Manchmal, ja, manchmal lebt sich das Leben eben einfach nicht so leicht

Die Meldung, dass sich Linkin Park Sänger Chester Bennington das Leben genommen hat, ging am 20. Juli 2017 um die Welt. Fassungslos starrte ich auf den Bildschirm, der mir einen bestätigenden Tweet, einen Facebookpost, eine Newsmeldung nach der anderen anzeigte und konnte es nicht glauben. Mit der leisen Hoffnung, dass sich im Netz mal wieder eine Falschmeldung wie eine Seuche verbreitet hatte, schaltete ich den Fernseher ein, doch auch dort sprangen mir die schockierenden Nachrichten regelrecht ins Gesicht. Es war also wahr, der Mann, der sich über Jahre hinweg durch mein Leben gesungen hatte, war nicht mehr.

Meine Trauer darüber machte jedoch relativ bald der Wut und Fassungslosigkeit platz, die sich in mir aufbaute, als ich mich kurze Zeit später erneut vor meinen Laptop setzte. Zu den trauernden und mitfühlenden Reaktionen, die ich zuvor bereits wahrgenommen hatte, gesellten sich jetzt nämlich auch abfälligere Kommentare, in denen von Schwäche, Versagen und Egoismus die Rede war und da frage ich mich wirklich, was verdammt nochmal mit manchen Leuten los ist!? Da ist ein Mensch gestorben, der für sich selbst keinen anderen Ausweg mehr gesehen hat, als den Tod und einigen fällt dazu nichts besseres ein, als ihn als Egoisten zu bezeichnen? Ernsthaft? Bei so einem Scheiß (Sorry!) möchte ich am liebsten im Strahl kotzen und diese Leute zum Nachhilfeunterricht in Sachen Menschlichkeit schicken.

Manchmal, ja, manchmal lebt sich das Leben eben einfach nicht so leicht

An allen Ecken und Enden wird sich darüber beschwert, wie falsch inzwischen alles läuft, dass sich jeder nur noch selbst der Nächste ist und die Welt vor die Hunde geht und wenn ich sehe, dass es schon an ein wenig Menschlichkeit hapert, dann wundert mich das ehrlich gesagt nicht. In was für einer Welt leben wir denn bitte, liebe Leute, wenn sich ein Kranker schon dafür schämen muss, krank zu sein? Natürlich, jeder soll und darf seine eigene Meinung haben, keine Frage, aber man muss diese nicht immer ungefiltert in die Welt hinausposaunen, wo man genau weiß, dass sie viele Menschen sehr stark verletzten und dazu führen wird, dass sich Betroffene noch schlechter fühlen als sowieso schon.

Für diejenigen, die mich nicht kennen und sich nun fragen, wer die Person ist, die meint, ihren Senf dazu abgeben zu müssen: Hi, ich bin Maike, 36 Jahre alt und ich habe eine Generalisierte Angststörung mit Depression. Das heißt natürlich nicht, dass ich die Weisheit mit Löffeln gegessen und Allwissend bin, was dieses Thema betrifft, aber es bedeutet sehr wohl, dass ich vieles nachempfinden kann. Ich weiß, wie es sich anfühlt, einfach keine Kraft mehr zu haben, emotional wie auch körperlich müde zu sein und sich einfach nur zu wünschen, dass das aufhört. Und das trotz Hilfe. Es ist falsch zu glauben, dass man einfach nur brav zur Therapie gehen und seine Medikamente einnehmen muss und dann wird das alles schon wieder. So einfach ist das nicht. Wir sind keine Maschinen, die nur mal eben neu justiert und geölt werden müssen und schon laufen wir wieder wie geschmiert. Wir sind Menschen, verdammt nochmal und das bedeutet, dass wir Gefühle haben (und stellt euch vor, die müsst ihr noch nicht einmal nachvollziehen können!) und dass die Narben, die uns zeichnen, nicht immer mit der Zeit verblassen, sondern auch wieder aufreißen können und von neuem versorgt werden müssen.

Wenn ich heute, knapp eine Woche nach Chesters Tod, an all die nicht so netten Reaktionen zurückdenke, die ich in den vergangenen Tagen im Netz zu dem Thema gelesen habe, fällt es mir nach wie vor schwer, Worte dafür zu finden. Es ist einfach erschütternd, wie wenig Platz für Mitgefühl und Menschlichkeit ist, während fiese Worte so leicht von den Lippen zu gehen scheinen. Ich bin damals ohne Rettungsleine gefallen und habe dabei alles verloren - Materielles, wie auch Menschen, die mir viel bedeutet hatten und die eigentlich immer für mich hätten da sein sollen. Ich war ganz unten angekommen und hatte kaum noch Kraft. Immer wieder habe ich mich gefragt, was an mir so falsch ist, dass man sich von mir abgewandt hat, was ich so schlimmes verbrochen hatte, dass mein Leben in diese Bahnen abgedriftet ist. Ich habe mir die Schuld für Dinge gegeben, die ich noch nicht einmal benennen konnte und jeden Abend vor dem Schlafen gehen für jede noch so kleine Kleinigkeit um Verzeihung gebeten. Das ist jetzt 15 Jahre her und ich hatte eigentlich gedacht, dass sich unsere Gesellschaft dahingehend inzwischen weiterentwickelt und verstanden hätte, dass wir uns das Leben nicht einfach aus Spaß an der Freude so schwer machen. Scheinbar habe ich mich da geirrt.

Manchmal, ja, manchmal lebt sich das Leben eben einfach nicht so leicht

Ich möchte niemandem von euch die Meinung absprechen, aber vielleicht denkt ihr mal ein wenig darüber nach, was eure Worte bei einem anderen Menschen bewirken können. Das soll nicht heißen, dass ihr eure Mitmenschen in Watte packen sollt, nein, aber hört auf andere zu beleidigen und Handlungen und Gefühle zu be- und verurteilen, nur, weil ihr sie nicht verstehen könnt. Verkneift euch im Zweifel einfach euren spitzen Kommentar und haltet im Netz lieber tatsächlich mal hinterm Berg, anstatt Millionen Menschen vor den Kopf zu stoßen. Noch besser wäre es allerdings, wenn ihr die Menschen einfach mal fragt, ob ihr ihnen helfen könnt. Hinter einem Wutausbruch, dem erhobenem Ton, einer übertrieben Reaktion oder einer Flucht stecken nämlich sehr häufig Überforderung und Hilflosigkeit. Verurteilt also bitte nicht vorschnell und hört den Menschen in eurem Umfeld zu, hinterfragt ihr Tun, zeigt ihnen, dass sie nicht alleine sind und dass sie sich nicht schämen müssen. Zeigt Menschlichkeit. Und:

Vergesst niemals, welche Macht Worte haben!


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