Majestät, Sie sind das Problem!

Von Nu

Die “arme” Prinzessin Cristina von Spanien gerät jetzt auch in den Strudel des Korruptionsfalls ihres Gatten Iñaki Urdangarin. Ein mutiger Untersuchungsrichter hat sich endlich entschlossen, sie zu vernehmen. Seither wird aus einschlägigen Kreisen aus allen Lagen auf ihn geschossen. Der Staatsanwalt setzt sich diesmal mit Feuereifer gegen die Entscheidung des Richters ein, von der Seite ist eine Aufklärung der Straftaten nicht zu erwarten, obwohl es offensichtlich ist, dass Cristina an den Machenschaften ihres Mannes beteiligt war und dass das Prestige des Königshauses Urdangarin erst die Türen für seine Geschäfte geöffnet hat. Der Richter ist unter dem Beschuss der Monarchisten eingeknickt, er hat jetzt die Vernehmung der Prinzessin auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Mehrzahl der Spanier hat aber inzwischen die Nase von ihren königlichen Majestäten gestrichen voll. Die Ungleichbehandlung zwischen dem normalen Staatsbürger und der königlichen Familie, die dem Volk von einem Diktator aufs Auge gedrückt wurde, ist zu offensichtlich geworden.
Das Königshaus hat sich bis vor kurzem energisch geweigert, in das spanische Transparenz-Gesetz mit aufgenommen zu werden. Der Druck der Öffentlichkeit hat inzwischen dazu geführt, dass der König in diesem Bereich nachgibt. Das würde bedeuten, dass das Volk endlich erfährt, was ihnen das Königshaus kostet. Dabei ist aber auch nur davon die Rede, dass man die Transparenz “erweitern” wolle. Vermutlich setzt man eher aufs Aussitzen.
Der Journalist Fernando Orgambides hat dem Unwillen in der Bevölkerung über seine königlichen Repräsentanten in einem Kommentar, den ich hier teilweise wiedergeben möchte, eine Stimme gegeben:
“Dieses Land hat sich seit der Rückkehr der Bourbonen auf den Thron nach dem Tod Francos sehr verändert. Und die Monarchie hat es nach meiner Meinung nicht verstanden sich entsprechend mit zu entwickeln. In solch schwierigen Zeiten wie heute sollte der Staatschef der Spiegel für Ehrlichkeit und Transparenz für die Bürgerschaft, wenn nicht sogar der Reife und Intelligenz im Alltagsgeschäft sein. Was den Staat betrifft, muss die Stellung des Königs täglich neu erkämpft werden auch in den Ferien oder an Wochenenden. Was das Königshaus betrifft muss man unterscheiden zwischen dem Staat und der Familie. Als die Prinzessinnen sich mit privaten Männern verheirateten, hätten sie von der öffentlichen Bühne verschwinden und ein Leben wie jede andere führen müssen. Aber plötzlich hatten wir Spanier einen Exzentriker und einen Handballspieler, beides Studienabbrecher, in den Armen der Königstöchter vorgefunden, die dann auf allen offiziellen Bildern erschienen. Ich glaube, dass hier der Wahnsinn begann. Danach kam das mit dem Roller, dem Griff in die Kasse, die Safaris, die Eskapaden des Königs, Corinna, die Königin und ihre Schwester, und all die teuren Privatkliniken, in die der König eilt, wenn er sich wieder einmal irgendwo angestoßen hat. Wie anständig wäre es gewesen, wenn er in ein öffentliche Klinik gegangen wäre und so dem spanischen Gesundheitssystem zu mehr Prestige verholfen hätte. Und wie anständig wäre es gewesen, wenn Prinzessin Cristina unter Verzicht auf ihre Privilegien ihren eigenen Anwalt ausgesucht hätte anstatt dass der Herr Papa ihr einen vorgesetzt hat. Aber seiner Majestät geht nicht auf, dass er das Problem ist. Und dass die zweite seiner Töchter schon fast 50 Jahre alt ist.”
König Juan Carlos hat, nachdem der Richter die Zeugenvernehmung seiner Tochter beschlossen hatte, die teuerste Anwaltskanzlei Spaniens mit ihrer Verteidigung beauftragt. Wie viele spanische Bürger vermuten, wird das auch der Steuerzahler bezahlen dürfen. Eine Staatsanwaltschaft, die die Bemühungen des Untersuchungsrichters torpediert und eine mit allen Wassern gewaschene Anwaltskanzlei, was kann da noch schief gehen?