Madeiras Königstour – ein Erlebnis der Superlative

Von Stefan Peters @Reisepaar
Madeiras Königstour – ein Erlebnis der Superlative

Ich gehe auf keinen Fall zurück. Viel zu anstrengend, das packe ich nicht. Ich schleppe mich höchstens noch bis zum nächsten Parkplatz und lasse mich da von einem Taxi abholen…

Stefan und ich stehen auf dem Pico Ruivo, Madeiras höchstem Berg. Den Blick von hier und den Triumph, es überhaupt bis hier geschafft zu haben, kann ich nur schwer genießen. Ich bin fix und fertig, durchgeschwitzt und kriege kaum Luft. Hinter uns liegt die Königstour der Insel, eine Wanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo. Zumindest die erste Hälfte, denn den Rückweg haben wir noch vor uns.

Am Morgen haben wir uns spontan für die Tour entschieden. Eigentlich hatten wir eine andere Tour geplant, aber da das Wetter grandios sonnig war, lockt uns dann doch die Königstour. Irgendwie gehört sie ja für Wanderer einfach zu Madeira dazu. In unserem Wanderführer ist sie mit schwer gekennzeichnet und mit 5,5 Stunden angesetzt. 980 Höhenmeter sind zu überwinden. Aber davon lassen wir uns doch nicht abhalten. Zumal uns ein Pärchen aus Deutschland, mit dem wir uns kurz unterhalten hatten, total von der Tour vorgeschwärmt hat. Sie hätten zwar 8 Stunden benötigt, aber halt auch so viele Fotostopps eingelegt. Ist klar…

Der Weg beginnt ganz entspannt am Pico do Arieiro. Dort kann man auch kostenlos das Auto parken und sich im Restaurant noch mit Snacks für unterwegs eindecken. Unterwegs gibt es nämlich keine Verpflegungsstationen. Zuerst führt der gut ausgebaute Weg bergab und an zwei Aussichtsplattformen vorbei. Dann geht der Weg in Treppen über, immer noch bergab. So langsam wird einem bewusst, was einen noch erwarten muss, da man als Ziel immerhin den höchsten Berg der Insel vor sich hat und man diesen ja nicht mit Bergab-gehen erreichen kann. Die einzelnen Stufen sind relativ hoch, so dass sogar das Runtersteigen anstrengend ist.

Schließlich kommen wir an eine Gabelung. Nun müssen wir uns entscheiden. Rechts entlang und weitere Stufen erklimmen oder den kürzeren linken Weg durch dunkle Tunnel hindurch. Im Angesicht dessen, was noch vor uns liegt, entscheiden wir uns für den kürzeren Weg. Waren zuvor doch einige Wanderer unterwegs, sind wir auf unserem „Tunnelweg“ fast allein. Nur ein Pärchen ist vor uns, allerdings rennen die in einem enormen Tempo den Weg entlang, so dass wir sie schon bald aus den Augen verlieren. Irgendwie gruselig, so allein mitten in den Bergen…

„Manchmal sind die Tunnel regelrecht überflutet“

Der erste Tunnel lässt nicht lange auf sich warten. Ein schwarzes Loch im Berg, ohne jedes Licht. Mit der Taschenlampenfunktion am Handy leuchten wir auf den Boden, aber sehen trotzdem mehr schlecht als recht. Hilfe. Stefan fest an der Hand stolpere ich durch den Tunnel. Immer wieder trete ich in Pfützen. Aber wir haben noch Glück. Im Wanderführer steht, manchmal seien die Tunnel regelrecht überflutet, so dass man nicht hindurch gehen kann. Weiter vorne erkennen wir einen Lichtschimmer und stehen wenig später wieder im Freien. Puh, geschafft. Jedoch erreichen wir nach kurzer Zeit bereits den zweiten Tunnel. Hier liegt das Tunnelende hinter einer Kurve, so dass man den erlösenden Lichtschimmer erst spät sieht. Aber durch unseren Wanderführer sind wir bereits vorgewarnt.

Nachdem wir die Tunnel hinter uns haben, führt der Weg wieder bergab. Nun wird es ziemlich rutschig, Stöcke haben wir ja leider keine dabei. Wir kommen nur langsam voran, da man wirklich vorsichtig sein muss, um nicht auszurutschen. Ich bin bereits ziemlich außer Atem. Das muss an der dünnen Luft hier oben liegen, denn auch Stefan ist ein wenig außer Puste.

Schließlich kommen wir wieder an eine Kreuzung. Hier führt uns der Weg links hinab ins Tal. Oh Mann, wir wollen doch auf einen Gipfel. Eine andere Wanderin will uns aufmuntern und erzählt, wir müssten nur ca. 20 Minuten gleich steil bergauf und wären dann fast da. Okay, damit kann ich leben. Erneut wird der Weg sehr glitschig bergab und auf Grund von hohen Steinen und natürlichen Stufen nicht so einfach zu gehen. Dann stehen wir jedoch vor Metalltreppen und können den Aufstieg beginnen. Die besagten 20 Minuten fühlen sich an wie eine Ewigkeit. Bergauf, immer bergauf. Innerlich verfluche ich die Frau. Wir sind so gut wie alleine hier unterwegs. Langsam quälen wir uns weiter. Es gibt auch keine Möglichkeit, entspannt auszuruhen oder sich irgendwo zu setzen.

Dann sind wir endlich oben. Hier wollen wir uns kurz stärken, aber ruckzuck sind meine Feinde da – die Wespen. Vor Schreck schmeiße ich erst mal mein Kitkat in die Pampa, super. Also nichts mit Entspannung und Ausruhen, weiter geht’s. Die letzte Etappe zieht sich wie Kaugummi. Ich bin inzwischen der Meinung, dass wir uns auf jeden Fall verlaufen haben. Dabei gab es keine Abzweigung, die wir stattdessen hätten nehmen können. Keinerlei Hinweisschild auf unseren Zielgipfel, keine Menschenseele außer uns hier unterwegs. In Serpentinen schlängelt sich der Weg permanent bergauf. Trotz meiner Erschöpfung fällt mir die wunderschöne Natur hier auf.

Endlich das lang ersehnte Hinweisschild. Pico Ruivo, links entlang. Nur noch wenige Meter, dann erreichen wir endlich die Berghütte am Fuße des Gipfels. Hier sind auch jede Menge anderer Leute. Es gibt nämlich noch einen anderen Weg hierher, mit dem Auto und dann 2 km bequemer Fußmarsch. Das sind also alles Weicheier, haha. Gerade wäre ich selber gerne so ein Weichei. Bei uns macht sich jedenfalls Enttäuschung breit, denn die Berghütte ist geschlossen und es gibt weder Essen noch etwas Erfrischendes zu trinken. Also verweilen wir nicht lange und beginnen den Gipfelansturm. Wieder geht es in Serpentinen bergauf. Ich bin mittlerweile so erschöpft, dass ich mich einfach mitten auf den Weg setze und erst mal nicht weiter kann. Schließlich schleppe ich mich aber doch weiter. Und stehe auf dem Gipfel. Herrlich!

Der Endspurt – unser Kampf gegen den Nebel

Die Sicht von hier ist wirklich wahnsinnig toll. Doch Wolken ziehen bereits auf und legen sich in die Täler und an die Bergflanken. Ohje. Das bestärkt mich nur in meinem Vorhaben, mit dem Taxi zurück zum Auto zu fahren. Dann lasse ich mich aber doch von Stefan überreden, zurück zu laufen. Der Ehrgeiz packt mich und allein die Aussicht auf das Gefühl des Stolzes, wenn wir wieder im Auto sitzen, gibt mir wieder Kraft. Na gut, der leckere Poncha, den ich mir dann gönnen werde, auch.

Die Wolken werden immer mehr. Schnell machen wir uns wieder auf den Rückweg und hängen uns an die Fersen eines anderen deutschen Paares. Im Nebel hier herumkraxeln ist mein Alptraum. Wir sind zügiger unterwegs als auf dem Hinweg. Puh, ich bin ganz schön am Keuchen.

Schließlich stehen wir am Fuße der Treppen, quasi der letzten Etappe zurück. Jetzt wird es noch mal richtig hart. Alle paar Meter müssen wir anhalten und nach Luft schnappen. Unser Wasser neigt sich auch dem Ende entgegen. Beide sind wir erschöpft und schleppen uns prustend und nach Atem ringend die hohen Stufen hinauf. Uns begegnen Spaziergänger, die uns bewundernd anschauen, als wir ihre Frage, ob wir die ganze Tour gemacht hätten, bejahen. Gutes Gefühl!

Mittlerweile ist es auch wirklich nebelig geworden. Den Weg können wir trotzdem noch gut erkennen, schade ist es nur um den Ausblick. Aber den konnten wir ja immerhin auf dem Hinweg genießen.

Diese letzte Etappe zieht sich wie Kaugummi. Doch dann, endlich, wird das Restaurant auf dem Pico do Arieiro sichtbar. Geschafft! Wir sind überglücklich. In 5 Stunden hin und zurück – Wahnsinn!

Im Restaurant gönnen wir uns erst mal eine Stärkung und ich bekomme meinen heißersehnten Poncha.

Übrigens werde ich noch Tage später Schmerzen in den Beinen und speziell in den Füßen haben, trotz Wanderschuhen.

Fazit:

Die Königstour auf Madeira war mit Sicherheit eine der anstrengendsten Touren, die wir bisher gemacht haben. Die Wanderung ist sehr abwechslungsreich und keine Minute langweilig. Bei gutem Wetter sind die Ausblicke wirklich fantastisch. Wir können die Königstour definitiv empfehlen. Allerding solltest du über ein gewisses Grundmaß an Kondition verfügen, gute Wanderschuhe tragen und eine Taschenlampe bzw. Handy dabei haben.

Laura Behne

Nach ihrem erfolgreichen Abschluss des Studiengangs Tourismus- und Eventmanagement in Düsseldorf, hat sie dem Tourismus beruflich den Rücken gekehrt. Privat liebt sie es dennoch über alles, auf Reisen zu sein und dabei immer ein gutes Buch in der Tasche zu haben.