Madagaskar – Im Land von Zwerglöwen und Halbaffen

Exklusivtext der Autorin Christine Grandy-Dick zu ihrem neuen Reisereportagenbuch “Madagaskar – Im Land von Zwerglöwen und Halbaffen”

Einige Länder habe ich in meinem Leben schon bereist, wie man unschwer beim Browsen durch meine homepage feststellt. Biodiversität und fremde Kulturen stehen immer ganz oben auf meiner Prioritätenliste und nachdem ich kurz zuvor Japan und Indien erkundet hatte, führten mich ostasiatische Einwanderer auf die ‚Große Rote Insel‘ vor Afrika, von dessen Kontinent ich bisher nur die tunesische Wüste querte.

Von April bis Juni, nach der Hauptregenzeit, im Herbst, besuchte ich also das Land der sechs Klimazonen. Los ging es im Herzen des vielfältigen El Dorados, von Tana nach Süden über seine gebirgige Wirbelsäule, die Besteigung von Pic Bobby, jeweils Stationen an der Ost- und Westküste mit ihren arabischen Traditionen und archaischen Fischern, bis ins heiße Toliara. Danach ein Flug ganz in den Südöstlichen Zipfel von Fort Dauphin, das in seinen immensen Buchten auch ein Titaneisenerz Projekt gestemmt hat, und an der Südküste warteten dornige Steppen mit einzelnen Oasen auf mehr als eine Pirsch.

Erneut von der Hauptstadt aus pirschte ich mich nun Richtung Norden an den größten Binnensee und seinen nur dort ansässigen Alaotra Bambus Lemur, weitere National Parks, campte mal wieder, fuhr in einer Piroge den Pangalanes Kanal an der Ostküste hinauf bis Toamasina, und gelangte wenig später mit einer Fähre auf den Inselstreifen St. Marie und seine faszinierenden Piratengeschichten. Ein Hopser mit Flügeln, um undurchdringlichen Matschrouten zu entkommen, aber den riesigen Masoala Regenwald zu entdecken, der neben Lemuren und Edelhölzern auch steinerne Gräber unter hohen Klippen versteckt. Weiter in die Goldgräberstadt Daraina und seine abenteuerlich zu fahrenden Querverbindungen, Aug‘ in Aug‘ mit sagenhaft flauschigen Kronen Sifakas, über die Ostküste hinauf in die äußerste sturmumtoste Nordspitze, unterwegs silbrige nadelspitze Kalksteinformationen mitgenommen und blutrote zu Laterit Riffen erodierte, wie sonst nirgends auf der Welt, Panther Chamäleons, deren Farben so höchstens noch Vorschulkinder kombinieren könnten, fast menschenleere smaragdgrüne Buchten und Festungen von Franzosen und Engländern zur Blütezeit des Sklavenhandels. Runter an der Westküste entlang bis Mahajanga und von dort völlig in den Busch, Sumpfland, geologische Verrenkungen der Natur, zur endemischen Angonoka Schildkröte hinter salzigen Savannen einer Halbinsel am Mozambique Kanal.
Dabei haben auch Reifenpannen, Narben von unbeleuchteten Gleis Gräben und eine ausgewachsene Bronchitis, als im Regenwald nichts mehr trocknete, ihre Spuren hinterlassen. Pampaklos und Tage ohne fließendes Wasser, dafür reichlich Reptilien boten mir die Stirn, während talentierte Guides und Übersetzer in jeder heiklen Lage eine Lösung fanden. Auch was Politiker unternehmen, um Wahlen zu gewinnen, blieb nicht ohne Folgen für globales Denken. Ich würde sofort wieder hinfahren. In diesen Reichtum einfacher, doch überaus offener Menschen und einer natürlichen Artenvielfalt, die so umwerfende Unikate schafft, dass man sie unbedingt mit den wenigen anderen unseres Planeten vergleichen muss.
Christine Grandy-Dick, März 2014

Madagaskar – Im Land von Zwerglöwen und Halbaffen – ISBN 978-3-95486-460-7
Reisebereicht über 75 Tage 2013 von Christine Grandy-Dick
www.artandbook.de
Mit Landkarten in den Innenklappen und Fototeil