Mad Max

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Mad Max

6Action-Adventure

Eines muss man dem Publisher Warner Bros. Interactive lassen: Exzellentes Timing in Sachen Veröffentlichung. Noch hält der (gerechtfertigte) Hype rund um George Millers fantastischen Endzeit-Epos Mad Max: Fury Road an, der Release eines Videospiels dazu erscheint ideal. Wobei man gleich die Begeisterungs-Bremse anziehen sollte, haben doch Spiel und Film über weite Strecken hinweg nicht allzu viel gemeinsam abseits des Settings und des Protagonisten.

Aber schön der Reihe nach: Der Spieler wird in Mad Max in die Rolle des titelgebenden Charakters versetzt, ein einsamer Road Warrior, der in einer post-apokalypischen Welt ziellos umherdriftet – mit dem einzigen Ziel zu Überleben. In der Ödnis dieser geografisch undefinierbaren Wüstenlandschaft ziehen gewaltbereite, marodierende Horden umher, ständig auf der Suche nach neuen Opfern, um sie um ihre bescheidenen Habseligkeiten zu erleichtern und sie anschließend abzuschlachten. Fahrzeuge sind dabei von besonderer Bedeutung: Ausgerüstet für Nah- und Fernkampf erscheinen sie selbst als unheilsbringende Todesmaschinen, angetrieben durch Blut und Benzin. Eine Clan-Struktur hat sich in dieser neuen Weltordnung durchgesetzt, wo der Stärkste, Skrupelloseste oder schlicht Brutalste die Führerrolle, die des „Warlords“, einnimmt. Soweit, so düster und vielversprechend.

Hier setzt nun der von Avalanche Studios entwickelte Titel an: Ein kleines Missgeschick führt nicht nur zu einer ersten eindrucksvollen Auseinandersetzung mit dem imposanten Warlord namens Scabrous Scrotus, sondern auch (wieder einmal, seufz) zum Verlust von Max‘ legendärem Vehikel, dem Interceptor. Nun ohne fahrbaren Untersatz, wird Max auf eine langwierige Suche nach seinem Fortbewegungsmittel bzw. dessen seltenen und leistungsstarken V-8 Motor geschickt. Unterstützung erhält er dabei von mehreren regional agierenden Fraktionen, die unter dem Joch von Scrotus leiden, sowie von einem missgestalteten Mechaniker, Chumbucket, der ihn dabei auch aktiv zur Seite steht.

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So darf der Spieler also nun endlich einmal in die sich tatsächlich als solche zu erkennende Sandbox stürzen: Wüstenlandschaften wohin das Auge reicht, gespickt in bester Open-World-Tradition mit zahlreichen Nebenmissionen und sammelbaren Objekten. Avalanche Studios hat mit der Just Cause-Reihe glücklicherweise auch schon einiges an Erfahrung gesammelt, um der vermeintlichen Monotonie des Settings entgegen zu wirken. Die weitläufige Umgebung bietet dabei genügend Anhaltspunkte und auch Sehenswürdigkeiten, um sich auch ohne Karte einigermaßen zurecht zu finden. Schick umfunktionierte Locations wie etwa ein gestrandetes Containerschiff, der Kühlturm eines AKWs oder eine Müllverbrennungsanlage sind dabei in Sachen Design genauso interessant wie gut umgesetzt. Das gleiche gilt auch für das Gameplay selbst, welches neben das an die Batman: Arkham-Reihe angelehnte Nahkampfsystem (also ein Button für Attacken, einer für Konter, einer für Spezialangriffe etc.) auch Fahrzeugkämpfe im Stil von Twisted Metal aufzubieten hat. Sowohl Protagonist Max als auch sein neues Gefährt – „Opus Magnum“ getauft – lässt sich dabei in vielerlei Belangen aufwerten bzw. modifizieren.

Mit fortlaufender Spieldauer tritt jedoch langsam aber sicher gleichermaßen Ernüchterung wie auch das Gefühl der Wiederholung ein: Neu erkundbare Abschnitte wollen zuerst via Heißluftballon aus luftigen Höhen erkundet und die so auffindbaren Ziele markiert bzw. abgearbeitet werden. Ein halbes Dutzend auf der Karte verteilte Scharfschützen auf Türmen hier, ein paar Festungen dort, Minenfelder, Konvois und dergleichen – das Ganze wird angesichts der Tatsache, dass jedes der drei großen Gebiete in zahlreiche kleinere Abschnitte unterteilt wird, eher zu einem mühseligen Unterfangen. Immerhin können mit dieser „Befreiung“ jener Gebiete Ressourcen zum Upgrade von Spielfigur und Gefährt freigeschaltet werden. Diese Erweiterungen verbessern erwartungsgemäß die Attacken und Defensivmöglichkeiten von Max als auch die Ausrüstungsgegenstände für das Opus Magnum: Bei letzterem finden sich so dann etwa auch bessere Reifen, Motoren oder Panzerung im Sortiment, die mit „Scrap“, also Schrott bzw. Alteisen, kaufbar sind.

In den drei großen Festungen, allesamt geführt von illustren Warlords, die sich mit dem Spieler im Zuge des Haupthandlungsrahmens gegen den Antagonisten Scrotum verbünden, können ebenfalls Verbesserungen vorgenommen werden: Findet man also die notwendigen Einzelteile zu einer Maden-Farm, die im Ödland wahllos verteilt wurden, kann man diese in der Festung bauen und erhält fortan bei jedem Besuch eine vollständige Heilung. Auch hier jedoch ist Monotonie angesichts beständiger Wiederholung vorhanden, sollte doch in jeder der drei Festungen im besten Fall jedes Upgrade durchgeführt werden. Suchen, Kämpfen, Sammeln, Bauen – immer und immer wieder.

Glücklicherweise motiviert das Vehikel- und Nahkampfsystem dank größerer Vielfalt mehr als die Missionen selbst: Zu Fuß vermag Max sich auch einem Dutzend Gegner gut zu erwehren, die überaus viszeral präsentierten Auseinandersetzungen fordern den Spieler doch einiges an Geschick und Timing – in den ersten Spielstunden – ab. Wirkliche Begeisterung kommt jedoch meist nur beim Vehikelkampf innerhalb eines Angriffs auf einen Konvoi auf: In diesen Nebenmissionen gilt es, einen von mehreren Fahrzeugen geschützten Transporter unschädlich zu machen (Kenner der Filme werden dabei an Mad Max 2 denken, nur aus der Verfolger-Perspektive). Hier wird innerhalb einer Hochgeschwindigkeitsjagd durch schwieriges Terrain mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gekämpft und mit vorhandenen Ressourcen gehaushaltet. Mit der Harpune lässt sich etwa die Beifahrertür eines schwer gepanzerten gegnerischen Gefährts entfernen, um dann freies Schussfeld für den Einsatz der Schrotflinte zu bekommen – Pech nur, wenn ein anderer Gegner mittlerweile auf das eigene Fahrzeug aufspringt und nun nicht mehr genügend Munition an Bord befindet, um sich zu wehren. Befindet sich dann auch noch ein Vehikel mit rückwärts gerichteten Flammenwerfer vor dem Spieler, während in der Ferne ein immenser Sandsturm aufzieht, fühlt man sich erstmals und leider viel zu selten so richtig wohl in dieser Post-Apokalypse.

Mad Max ist somit einer jener Titel, an denen man eigentlich kaum etwas auszusetzen hat, ohne Begeisterung währenddessen oder danach zu verspüren. Eine ansprechende, wenn auch nicht immer umwerfende Optik; nettes Design mit einigen interessanten Örtlichkeiten, die jedoch (wortwörtlich) weit auseinander liegen; akzeptables Gameplay, das man jedoch schon bei anderen Titeln besser umgesetzt gesehen hat; eine anfangs interessante Story, die sich in den nachfolgenden Spielstunden fast komplett in Belanglosigkeit verläuft und ein prinzipiell ansprechender Hauptcharakter, der im Verlauf der Handlung nicht nur dank seiner Aktionen unsympathisch wird, sondern bei dem man angesichts des furchtbaren (englischen) Synchronsprechers wünscht, dass er den Mund niemals aufmacht. Schade drum. (Hier übrigens noch ein Link zu unserem Flickr-Account mit einer Vielzahl an PS4-Screenshots zum Spiel)

Plattform: PS4 (Version getestet), Xbox One, PC, Spieler: 1, Alterfreigabe (PEGI): 18, Release: 01.09.2015, www.madmaxgame.com


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Autor

Christoph Stachowetz

Aufgabenbereich selbst definiert als: Chief of Operations. Findet “Niemand ist so uninteressant wie ein Mensch ohne Interesse” (Browne) interessant.


 
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