Macht Bloggen überhaupt noch Sinn? Von Influencern, nimmersatten Beautybloggern und der kaputten Blogwelt...

Hallo ihr Lieben!Wir müssen mal reden.Macht Bloggen überhaupt noch Sinn?  Von Influencern, nimmersatten Beautybloggern  und der kaputten Blogwelt...
Der Anfang… 
Vor 11 Jahren war mir in der Uni langweilig und ich suchte während meines ausgefallenen Seminars nach Produktbewertungen. Und so kam es, dass ich den Blog als Internetplattform entdeckt habe. Im ersten Moment schwirrte mir die Frage im Kopf herum: „Kann ich das auch?“ Nach einer kurzen Recherche stellte ich erstaunt fest, dass jeder bloggen kann und das Ganze auch recht einfach gemacht wird. Die damals meistgenutzte Plattform war der kostenlose Webspace bei blogger.com und nach ein paar Klicks war Modern Snowwhite geboren. Mein Blog-Beginn war sehr viel von persönlichen Storys und Shoppinghauls geprägt, aber nach einiger Zeit fand ich sehr viel Gefallen an Beauty und einer kleinen Produktdatenbank, die ich auf meinem Blog für mich selbst (und für euch) aufbauen wollte. Zu sehen, wie sehr das Bloggen verbindet, wenn man sich auf Events regelmäßig wiedersieht und dadurch eine kleine, feine Gemeinde entsteht, hat mir damals sehr viel gegeben. Ich betone „damals“, denn heutzutage kann man davon absolut nicht mehr sprechen. Aber später mehr dazu…
Die Veränderung…
Und dann kam das wahre Leben ;)

In meiner Anfangszeit fing ich an, in der Musikschule meines Vaters zu unterrichten, und somit traf mich der „Reality Check“ sehr hart. Es gab eine Situation, in der eine Schülerin meinen Blog gefunden und ihren Eltern gezeigt hatte, die mich dann als „schlechte Lehrerin“ abstempelten. "Man könnte mich nicht ernst nehmen, wenn ich mich mit den solchen Themen im Internet präsentiere" war der Grund, um auf einen Lehrerwechsel zu pochen. Schade für die Schülerin, denn sie hat mich ständig gefragt, wie ich Produkt XY finde und oft habe ich ihr dann ein paar ungenutzt PR Samples mitgegeben.
Allerdings gab es auch oft das Gegenteil, in denen ich z.B. von Müttern auf meine Youtube-Backvideos angesprochen wurde, wodurch eine langjährige Freundschaft entstand, die bis heute noch hält. Allerdings war mir klar: das Persönliche muss in den Hintergrund gestellt werden, denn angreifbar möchte ich mich in der „Berufswelt“ in keinem Fall machen. Somit lieferte ich also mehr Reviews, Eventberichte, Reiseberichte und machte einen großen Bogen um das „Herz ausschütten“, das aber eigentlich eine normale Sache war. Denn das Wort „Blog“ ist die Abkürzung von „Web“ und „Log(buch)“, was also wortwörtlich für das im Internet geführte Tagebuch steht.
Über die Jahre…
Und so vergingen Monate und Jahre, in denen sich für mich der Blog allgemein in zwei Wege spaltete: die einen wurden hochprofessionell, wie damals Innen & Aussen, die ihren Blog in Kooperation mit einer Frauenzeitschrift neu launchte. Andere "Hobby-Blogs" verschwanden von der Bildfläche, denn dem Druck der Beste und Schnellste zu sein nachzukommen, war nur in der Freizeit kaum möglich. Trotz meines Hobby-Blogs hatte ich mich damals nie in diesen Druck hineinziehen lassen, was mir und meinem Blog unheimlich gut getan hat - ich bin ja schließlich auch noch in 2020 online!
Soeben habe ich noch einen Eventbericht aus 2012 bei mir gefunden, der eine Teilnehmer-Linkliste enthält: von 28 Blogs sind nur noch 6 Blogs „erreichbar“ (die anderen sind gelöscht) und davon tatsächlich nur noch vier online, die wirklich noch aktiv bloggen. Diese "Beautyblog-Urgesteine" sind übrigens: nails reloadedMAGIMANIAGlam & Shine und Innen&Aussen.
Ich muss zudem gestehen: die Professionalisierung & Monetarisierung war mir anfänglich nicht geheuer und ich habe bis zu meiner ersten bezahlten Kooperation nie geglaubt, dass ich mit meinem Hobby wirklich Geld verdienen könnte.
Macht Bloggen überhaupt noch Sinn?  Von Influencern, nimmersatten Beautybloggern  und der kaputten Blogwelt...
Instagram...
Instagram war eine spannende Sache: wir Blogger sahen es als kleinen Zusatz, um die Bilder, die wir mit viel Herzblut für den Blog anfertigten, noch ein Stück weiter zu teilen. Doch allmählich änderte sich der Fokus: "Insta-Blogger" schossen aus dem Boden, die ihren Instagram-Account als Blog bezeichneten. Das stieß uns Bloggern, die wir unheimlich viel Arbeit, Zeit und Geld in den "echten Blog" als Homepage stecken, sauer auf. Vielleicht war auch ein bisschen Neid dabei, denn ich muss zugeben: so schnell wie die "Instagram-Influencer" kamen, sind diese auch durch die Decke gegangen. Wir Blogger tippseln jahrelang an unserem "Ruhm" und erreichen nichtmal annähernd das, was der Influencer in ein paar Klicks schafft. Sowas nimmt natürlich auch ein großes Stück der Motivation...
Natürlich muss man immer im Kopf behalten, dass die Welt schnelllebig ist und kaum jemand Zeit hat, sich auf einen Blog zu klicken - aber:
Sind ein, zwei kurze Sätze als "Review" in einer Caption vergleichbar
mit einem intensiv recherchierten Blogbeitrag?
Viele Firmen richteten sich nach dem Puls der Zeit - das Influencermarketing wurde geboren. Und langsam merkten auch wir "alten Hasen", dass immer weniger Kooperationsanfragen eintrudelten und der Fokus auf Instagram gelegt wurde. Eine App vs. eine Website? Let the battle begin!
Für mich gilt bis zum heutigen Tag: der echte Mehrwert liegt immer noch im ursprünglichen Webspace, in dem ausführliche Blogbeiträge die Zeit überstehen. Mein AVON #thetruecollection Bericht von 2017 wird immer noch oft geklickt und über Google gefunden. Instagram als mehr als nur eine Bilderplattform anzusehen, ist für mich ein Fehler - Instagram ist kein Blog! Und außerdem darf man nicht vergessen, dass die Instastorys meistens nach 24 Stunden futsch sind und damit auch der Werbewert für die Kooperationen...
Eine neue Bloggerwelle...
Als Blogs und die Vorteile eines Bloggers (wie Pressesamples) in aller Munde waren, gab es kein Halten mehr: die Test- und Produktblogs sprossen aus dem Boden. Durch das Leben mit kostenlosen Produkten zu gehen, ist wirklich ganz nett, aber man darf nie vergessen, dass dahinter eine riesige Werbemaschinerie steckt. Zwischen 2011 und 2012 erhielt ich meine ersten PR Samples und bin vor Freude in der Wohnung auf und ab gesprungen (was ich übrigens auch heute noch mache). Ich durfte damit ab und an meinen Blog befüllen und war froh, dass Firmen mir dadurch ihre Anerkennung zeigten. Aber wie gesagt: ich habe natürlich auch jahrelang meinen Blog in Kleinstarbeit aufgezogen.
"Ach, du musst doch froh sein, so viel kostenlos zu bekommen."
Diese Nachricht habe ich vor ein paar Jahren jedes Mal zu hören bekommen, wenn ich wieder mal etwas auf mein Blog gereviewt oder auf Instagram gezeigt habe. Viele dieser Accounts haben nur deswegen selbst angefangen, auf Instagram Bilder mit Testprodukten hochzuladen, und ich kann euch auch verraten, dass es einige sogar auf die Events schaffen, die ich ab und an besuche. Zu wissen, dass der Account nur aus Habgier entstand, sagt für mich schon einiges, und das kann ich einfach nicht ernst nehmen. Das sollte definitiv nicht die treibende Kraft sein, die eine Person zum Bloggen/Instagrammen bringt...
Weitere Fragen, mit denen ich regelmäßig bombardiert werde, sind übrigens:
"Von wem hast du das bekommen? Kannst du mir die Kontaktdaten weiterleiten? 

Warum hast du das bekommen und ICH NICHT?"
Wenn ich für jede dieser Fragen einen Euro bekommen würde, hätte ich fast alles für eine Auswanderung nach Island beisammen, oder so ähnlich 😛
Besonders die letzte Frage fasst für mich sehr gut zusammen, wie ich Teile der "neuen Bloggerwelt" erlebe: mit der Hauptaussage "Mir steht dieses PR Sample auch zu!" Was für eine Denkweise...
Hach, wenn ich jetzt über meine Erlebnisse auf Events sprechen würde, dann würdet ihr mir einige Anekdoten sicherlich nicht glauben.
Um meine Erlebnisse kurz anzuschneiden: wenn "Blogger" auf ein Event gehen, um so viel wie möglich abzugreifen, so dass sie auch den Weg über das Klauen gehen, dann ist für mich eindeutig Schluss. Oder wenn Blogger bei besagtem Event die Goodiebags "zu klein finden" und daraufhin einen Stand fünf Mal besuchen, um mehr als fünf Fullsizeprodukte abzugreifen, dann bleibt das Fremdschämen nicht aus. Dass natürlich auch im Nachgang über magere Ausbeute in den Instastorys gelästert wird, wobei die Firma oder der Veranstalter extra nicht verlinkt werden, muss man auch erstmal verdauen. Aber am Ende wird sich im gleichen Atemzug mit Verlinkung bei allen bedankt und noch hinterhergeworfen, dass man sich "super doll" auf das nächste Event freut - versteht ihr mich, dass ich dann aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus komme?
Nach dem letzten Event habe ich also allen Marken eine eMail geschrieben, um mich von dem "Bild des Bloggers", das auf dem Event gemalt wurde, deutlich abzugrenzen. Ich schäme mich in Grund und Boden für das, was momentan so abgeht. Und ich finde es schlimm, dass es soweit gekommen ist.
Wie sehr wünsche ich mir meine Anfangsbloggerzeit zurück, die deutlich mehr von Zusammenhalt, Menschlichkeit und Genügsamkeit geprägt war.
Macht Bloggen überhaupt noch Sinn?  Von Influencern, nimmersatten Beautybloggern  und der kaputten Blogwelt...
"Slow Blogging" - der Schritt in die richtige Richtung?
Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich mich nicht mehr mit dieser Beautyblogwelt identifizieren wollte. Nach den letzten Erfahrung, wie dreckig diese Welt teilweise geworden ist, musste eine Veränderung her, um mich deutlich davon zu distanzieren. Aber in welchem Ausmaß? Mein erster Schritt war - wie ihr unschwer erkennen könnt - ein neues Layout, um frischen Wind in mein 11-jähriges Baby zu bekommen. Eine hübsche Seite regt doch sicherlich mehr zum Scrollen an und hat auch noch einen Vorteil: sie hat Wiedererkennungswert - nicht wie ein Instagramprofil, das auf den ersten Blick layouttechnisch bei allen gleich aussieht.
Inhaltlich möchte ich euch ausführliche Reviews und Eventberichte geben, aber das alles mit aussagekräftigen Bildern und Texten - vor allem ohne Zeit- und Konkurrenzdruck! Ich möchte die Samples gezielter aussuchen und bin mir auch bewusst, dass ich als 33-jährige nicht mehr für z.B. Essence oder Rival de Loop als Drogerieklassiker stehen kann. In den letzten Wochen ist euch vielleicht auf meinem Instagramkanal aufgefallen, dass ich deutlich mehr Augenmakeuplooks und höherpreisige Produkte in den Vordergrund stelle und genau das gehört ab sofort auch auf den Blog.
"Slow Blogging" ist eine schöne Wortneuschöpfung des WWW und bedeutet für mich Qualität vor Quantität. Flüchtige Lückenfüller wird es nicht mehr geben, denn von jedem Blogbeitrag möchte ich zu 100% überzeugt sein.
Durch meine langjährige Arbeit und oft fast freundschaftliche Beziehung mit Marken und Pressefirmen ist mir übrigens in letzter Zeit auch aufgefallen, dass wieder mehr nach Bloggern als nach Instagram-Influencern gesucht wird.
Könnte das etwa bedeuten, dass der Blog Rückenwind bekommt und irgendwann doch am Influencer vorbeizieht? Legen Firmen nun wieder mehr Wert auf den Mehrwert eines Blogartikels, der noch Jahre später gefunden werden kann? 
Ich bin auf jeden Fakt gespannt, wie es weitergeht und hoffe, dass die redaktionelle Arbeit eines Bloggers tatsächlich wieder mehr geschätzt wird. Ich möchte auf keinen Fall den Instagram-Influencer negativ darstellen, denn sie haben sicherlich auch viel zu leisten, aber das ist einfach eine andere Arbeit, die unterschiedlich bewertet werden muss.
Aber glaubt jetzt nicht, dass ich als Einzelgänger durch die Bloggerwelt ziehe: ich habe nämlich auch einige langjährige (& eine handvoll neue) Freundschaften mit "Internetleuten" geschlossen, die mir mit den tollen Gesprächen immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Bloggerwelt nicht nur aus nimmersatten Damen besteht - Danke dafür 😉
Ich würde gerne wissen, wie ihr dazu steht: was treibt euch an, zu Bloggen oder Blogs zu lesen?Oder lasst ihr euch lieber auf Instagram berieseln?xoxo Sissy

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