Mac Bethad – (sehr, sehr) frei nicht nur nach Shakespeare

Daß Silvia Stolzenburg dieses Angebot angenommen hat, das verdient Respekt und man muß sie für ihren Mut loben. Bleibt doch dieser Erstling in seiner Qualität deutlich hinter allen anderen Stolzenburg-Büchern zurück.   Das ist der Autorin selbst bewußt, deshalb klärt sie in einem Nachwort über die Entstehungsgeschichte auf. Wobei, dies alles in einem Vorwort zu sagen, das wäre günstiger gewesen. Silvia Stolzenburg schreibt also:   „...Im Jahr 2005 war meine Dissertation an der Universität Tübingen abgegeben und ich befand mich in einer Art 'Leerlauf'. Was also tun? Da mich die Geschichte des machtgierigen Thans Macbeth, bekannt durch Shakespeare, schon immer begeistert und fasziniert hatte, reifte die Idee in mir, eine eigene Version dieses Stoffes zu erschaffen. (...) Als Autor entwickelt man sich ständig weiter und natürlich würde ich die Geschichte heute ganz anders erzählen. (...) Sie ist kein historischer Roman im strengen Sinn, was schon der Tatsache geschuldet ist, daß sich bereits bei Shakespeare zahlreiche Ungereimtheiten finden. Dennoch war es mir wichtig, mich an das Drama zu halten, anstatt die komplexen Clanstrukturen der damaligen Zeit nachzuzeichnen. Mein Ziel war es, den Leser nicht nur die Brutalität und den Aberglauben des elften Jahrhunderts, sondern auch die Weltanschauung der Shakespeare-Zeit [16./17. Jahrhundert; SRK] erleben zu lassen. Ein Königsmord bedeutete einen Verstoß gegen die 'göttliche' Ordnung, der unweigerlich alles ins Chaos stürzte..." (S. 377)   Die „Story" nach Shakespeare dürfte wohl den meisten hierzulande mehr oder weniger aus dem Schulunterricht oder von Theaterbesuchen her bekannt sein, daher soll dazu hier nichts weiter ausgeführt werden.   Stattdessen soll aber kurz vermeldet werden, was Geschichtsbücher über den historischen Macbeth, eigentlich Mac Bethad mac Findlàich (1005 - 1057), König von Schottland von August 1040 bis zu seinem Tod, zu berichten wissen. Macbeth war Heerführer des schottischen Königs Duncan I. und besiegte diesen am 14. August 1040 in der Schlacht bei Elgin. Duncan kam zu dabei Tode. Im Gegensatz zu der Darstellung in William Shakespeares Drama führte dieser Machtwechsel jedoch nicht zu Chaos und Gewalt, sondern zu einer Verbesserung der Lage Schottlands. Mac Bethads Regierungszeit war - im Gegensatz zu Shakespeare und Stolzenburg - stattdessen gekennzeichnet von relativem Wohlstand, von Ruhe und Frieden im Inneren sowie nach außen. Er vereinigte die streitbaren schottischen Landesteile und deren Clans und sicherte Gesetz und Ordnung. Was natürlich nicht im Interesse der englischen Monarchie lag, die nach Oberherrschaft über ganz Großbritannien strebte.   Silvia Stolzenburg spricht in ihrem Roman grundsätzlich von Mac Bethad, bleibt da konsequent historisch. Dafür geht sie mit historischen Verläufen mehr als frei um: so spielt ihr Roman (also Mac Bethads Herrschaftszeit betreffend) mehr als verkürzt nur in den Monaten Oktober 1040 bis Januar 1041. Man könnte sagen: Geschichte in jeder hinsicht sehr frei interpretiert und im Zeitraffertempo. Dies wohl deshalb, weil die Autorin primär „eine Geschichte über Macht, Verrat und Gewalt" (S. 7) schreiben wollte. Was ihr so auch sehr gut gelungen ist, wenngleich eben absolut ahistorisch.   Auch wenn scheinbar Mac Bethad und seine Gemahlin Gruoch („Lady Macbeth") wie bei Shakespeare im Mittelpunkt der „Story" stehen, so geht es in diesem Buch eigentlich mehr um Duncan (dem knapp 15jährigen Knappen Mac Bethads) und um die noch etwas jüngere Gwynn, eine Hofdame Gruochs und die zwischen ihnen keimenden Liebe. Und um andere eben so junge Leute, wie die eben so jungen Charaktere Jungritter Gareth und Hofdame Mairi, und den Novizen Leofric. Eben durch solche erfundenen Figuren und Schicksale kann „trockene Geschichtsschreibung" lebendig werden.   Diese jungen Menschen haben sich in solch schweren Zeiten, wie bei Stolzenburg angelegt, zu bewähren. Nicht nur, was Liebe und Freundschaft angeht. Sie alle werden vor allem hin- und hergerissen zwischen Loyalität und „Zivilcourage". Sie sind nun mal ihren Lehnsherren zu bedingungslosem Gehorsam verpflichtet, auch wenn ihnen „Herz und Verstand" sagen, daß es in dieser grausamen Zeit nicht „mit rechten Dingen" zugeht. Aber im Gegensatz zu vielen Hochadeligen üben sie keinen Verrat, sondern versuchen menschlich zu bleiben und zu überleben. Wie grausam die Zeiten waren, zeigt das Schicksal Leofrics, der wegen „gotteslästerlichem" Verhalten nicht nur aus seinem Orden ausgestoßen wird, sondern dem deshalb auch noch eine Hand abgehackt wird.   Ihn allen feindlich gegenüber steht der Knappe Effric, ein hinterhältiger vergewaltigender und marodierender Schlagetot, der es selbst für Mac Bethad zu arg treibt...   Trotz der oben erwähnten Schwächen, hier kündigt sich ein Talent an. Hier wird Silvia Stolzenburgs Fabulier-Kunst schon deutlich erkennbar. Was hier noch fehlt, das ist das zweite Chakteristikum ihres Schreibens: die historische Authentizität anhand akribischer Recherchen. Also die gekonnte Verbindung von realem historischen Hintergrund und dem fiktiven Handeln von (realen) Hauptfiguren und durchaus möglichen Nebenfiguren. Und... trotz solcher Schwächen kann der geneigte Leser nun im Nachhinein nachvollziehen, wie sich die Autorin und ihr literarisches Talent entwickelt haben. Allerdings hätte das vorliegende Buch unbedingt ein besseres Korrektorat verdient.   Nichtsdestotrotz: „Der Than von Cawdor" ist ein Angebot, das man unbefangen annehmen sollte.     Siegfried R. Krebs     Silvia Stolzenburg: Der Than von Cawdor. Roman. 378 S. Klappenbroschur. Edition Aglaia im Bookspot-Verlag. München 2017. 14,80 Euro. ISBN 978-3-95669-064-8

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