Lumbini – Buddhas Geburtsort

Als Befürworter des Buddhismus lag es natürlich nahe, auch den heiligsten Ort aller Buddhisten besuchen zu müssen. Und da wir gerade in Nepal waren, war es natürlich nur mehr ein „Katzensprung“ auch nach Lumbini zu reisen. Damit ergab es sich, dass wir am 21. Mai, also genau an Buddhas Geburtstag, mit rund einer Million Gläubiger diesen wichtigen Tag feiern konnten.

Lumbini – Geburtsort Siddharthas

lumbini nepal bericht statue

Manuel hatte mir schon bei der Einreise nach Nepal erklärt, er wolle nach Lumbini. Auch ich bin Anhängerin des Buddhismus, doch seit ich in Thailand lebe, gelinde ausgedrückt, davon etwas geschädigt. Obschon mich diese Lebensweise nach wie vor fasziniert, und Lord Siddharta es sicher anders gemeint hatte, als die Thais und andere dies nun vorwiegend praktizieren. In Anbetracht dessen, dass auch die so genannten „Christen“ sich in der Regel anders verhalten, als es Jesus ihnen damals vorgelebt hatte und auch die Hindus ihre Eigenarten entwickelt haben, darf der vielerorts gelebte Buddhismus auch keinen mehr verwundern. Von den Moslems ganz zu schweigen.

Lumbini nun ist der heiligste Ort der Buddhisten und vergleichbar mit Rom für die Christen, mit Varanasi für die Hindus oder Mekka für die Moslems. Lumbini liegt ganz im Süden Nepal, an der Grenze zu Indien und hat im Kern nur wenige Zehntausende Einwohner.

Der Geburtsort von Lord Buddha befindet sich inmitten der wunderschönen Gärten von Lumbini und wird von Buddhisten und Hindus gleichfalls verehrt. Denn Siddharta war erst einmal ein indischer Prinz, bevor er Buddha wurde. 632 vor Christi befand sich Siddharta Gautamas Mutter in Lumbini, und gebar dort ihren Sohn, der die Welt verändern und den Buddhismus ins Leben rufen sollte. Eine Weltreligion, die von Frieden, Gerechtigkeit und Gleichheit sprach. Und von der Wiedergeburt.

Anfahrt nach Lumbini und Nepals „Klopfer“

Wir begaben uns voller Vorfreude in den heiligen Ort und machten uns am 20. Mai 2016 von Pokhara aus auf den Weg. Rund 9 Stunden sollte die Reise per Bus dauern und tatsächlich erlebten wir bis eine der üblichen Nepalesischen Berg- und Talfahrten, die mir erneut das Fürchten lehren sollten.

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Manuel bekam den Platz ganz vorne neben dem Fahrer zugewiesen und hatte damit das große Los gezogen. Inklusive Spaß und Unterhaltung mit dem Fahrerteam, bekam er alles geboten was so eine Busfahrt zu bieten hat, während ich hinten am begehrten Fensterplatz saß und dachte, meine letzte Stunde hätte geschlagen.

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Schluchten, so tief wie die Hölle taten sich auf und nach einigen Stunden bat ich den riesigen Schotten, der neben mir Platz genommen hatte, um einen Sitzwechsel. Es schien mir bei jeder Ruckelei, der Bus würde nun endgültig in die Tiefe stürzen, so so nah am Abgrund schrammte das Gefährt mehr als einmal vorbei.

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Raststätten- Klo

Der „Klopfer“, so nannten wir den Boy, der in Nepal jeden Bus begleitet, klopfte immer wieder laut und deutlich an die Buswand, sobald der Weg frei war oder sich Hindernisse anbahnten. Einmal klopfen: Weg frei, zweimal klopfen: Achtung von links, dreimal klopfen: Achtung von Rechts. Oder so ähnlich.

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Unsere „Klopfer“

Er war der Sohn des Fahrers und 17 Jahre jung. Der Vater brachte ihm gerade das Berufsleben bei, wollte aber dennoch eine gute Schulbildung für seinen Sohn, wie er uns später erzählte. Nein, sein Sohn soll nicht Busfahrer werden, der hätte sich was Besseres verdient.

Diese „Klopfboys“ indes tätigen einen unverzichtbarer Dienst für Nepals Bergbusse, dessen Straßen befinden sich nach wie vor im Ausbau befinden, gerade hinuntergerutscht oder total zerstört sind. Als wir damals vor mehr als 25 Jahren das erste Mal über die steilen Bergstraßen tuckerten, geschahen diese Dinge genauso wie sie jetzt immer noch geschehen. Somit ist der „Klopfer“ überlebenswichtig und ersetzt Seitenspiegel, Rückspiegel und oft sogar die Bremsen.

Lumbini: heiß und hässlich – und doch so schön

Tief unten in den Ebenen und ganz nahe an der Grenze zu Indien und rund 170 Kilometer vom Nationalpark Chitwan entfernt, liegt Lumbini. Es ist im Prinzip heiß, dreckig und hässlich. Lumbini hat gar nichts zu bieten, außer eben das Größte überhaupt. Buddhas Geburtsort.

Somit ist der Ort zur heiligsten Pilgerstätte der Buddhisten überhaupt avanciert, denn Buddha Siddharta wurde hier geboren. Also reisen jährlich Millionen von Menschen hierher. um einmal in ihrem Leben diesen heiligsten aller heiligen buddhistischen Orte zu besuchen und den Glanz Buddhas zu spüren, der seit fast 2600 Jahren von hier ausstrahlt.

Wir kamen abends müde an und machten uns auf Herbergssuche. Wir waren erstaunt. Es gab keine Mittelklassehotels oder gemütliche Bed and breakfasts hier. Nur heruntergekommene Buden oder teure Hotels. Egal wie weit wir herumrannten, jeder Weg führte uns in die Irre.

Ein „Touristbüro“ wollte uns sogar weismachen, dass es hier weder Strom noch Wifi gebe und sofern wir das tatsächlich wollten, wir schon etwas tiefer in die Tasche greifen müssten. So um die 100 US Dollar pro Nacht würde dann ein Zimmer kosten. Der Manager (pseudo)-telefonierte dann etwas herum, um uns am Ende mitzuteilen, dass alles ausgebucht sei. Sorry. Das war`s dann. Ratlos standen wir in der scheinbar einzigen Gasse des kleinen Dorfes und beschlossen, doch noch hier ganz in der Nähe unser Glück zu versuchen.

Tatsächlich wurden wir nur 5 Minuten später fündig. Unsere Herberge gab es für ganze 1000 NPR (ca 8 Euro) pro Nacht und dazu sogar Wifi und Strom. Doch nicht sehr lange. Beides erlag schon bald nach dem Einchecken. Egal, das Essen gegenüber im Restaurant schmeckte vorzüglich, dort schien sich das halbe Dorf versammelt zu haben. Oh Wunder, das Wifi funktionierte dort tatsächlich.

Jede Menge Touristen hatten sich genau wie wir zum Ziel gesetzt, von hier aus Lumbini zu erobern. Erobern ist zwar etwas hochtrabend ausgedrückt, denn die Hitze streckte uns schier zu Boden, und so köchelten wir bald schon ohne Strom und Air Con nur noch auf Sparflamme dahin. Wie zwei halbtote Säcke fielen Manuel und ich etwas später in das schmale Doppelbett, um am nächsten Morgen bei strömenden Regen aufzuwachen.

Das soll Buddhas Geburtstag werden? Der Kalender zeigte den 21. Mai 2016. Es war tatsächlich Buddhas Geburtstag. Genau wie rund eine Million weiterer Touristen und Pilger ließen auch wir uns nicht davon abhalten, hinauszugehen und einzutauchen in die heiligen Tempelanlage von Lumbini.

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Bald schon waren wir schlicht und ergreifend begeistert von der Größe und Weite dieser atemberaubenden Anlage. Gut, dass es ab und zu immer wieder nieselte, sonst wäre die quälende Hitze wohl nicht auszuhalten gewesen. Die Hindus, die Buddhisten mit ihren verschiedensten Richtungen und Ländern präsentierten hier in Form von riesigen Tempeln und Stupas die Heiligtümer ihres Glaubens.

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Gesäumt von imposanten Parkanlagen, Seen und Flüssen gestaltete sich dieser Tag als ein Fest der Sinne. Begleitet von all den Pilgern, Spielern und Gauklern, Gurus, Mönchen und Lehrern sowie von ganz einfachen Menschen, die zum Teil von sehr weit hergereist waren, bewegten auch wir uns im Strom zu den heiligen Gefilden.

Lumbini – Geburtsort des Buddha.

Der Ort heißt heute offiziell Rummindai, doch für viele Menschen ist es immer noch schlicht und ergfreifend Lumbini. Seit 1997 ist Lumbini UNESCO-Stätte des Weltkulturerbes.

Im Zentrum des Geschehens steht das schneeweiße quadratische Gebäude, die Geburtsstätte Buddha Siddhartas, wo tausende Pilger stundenlang anstanden, um einen Augenblick auf das Allerheiligste werfen zu können und vor ihm nieder zu sinken: Buddhaus Geburtsort.

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Wir sparten uns diesen Moment auf den nächsten Tag auf, da wir nichts zu versäumen hatten. Die Sehenswürdigkeiten der Tempelanlage heißen übrigens „Säule des Ashoka“, „Bodhi-Baum“ und „Die Flamme des ewigen Friedens“. Die meisten Pilger waren an selben Tag gekommen, und übernachteten dann im Bus, unter den Bäumen, im Gras oder anderswo, um dann wieder heimzureisen.

Eine unsagbare Strapaze für die vielen Hunderttausende Menschen. Wir hatten es daher unvergleichbar besser erwischt. Die Nepalesische Regierung hat das gesamte Gebiet rund um die archäologischen Ausgrabungen geschützt und auch eine so genannte „Pufferzone“ eingerichtet, die vom der „Lumbini Development Trust“ verwaltet wird.

Lumbini ist eine von 14 Verwaltungszonen Nepals und liegt in den Entwicklungszone West mit rund 2,6 Millionen Einwohnern. Der Distrikt Lumbini hat aber nur rund 62.000 Einwohner.

Buddhismus

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Eigenartigerweise gibt es in Lumbini keine Vertretung der Tiber, obwohl diese für westliche Begriffe jedenfalls, den „wahrsten“ und „echtesten“ aller Buddhismen leben. Wir haben uns sehr gewundert. Am Abend indes durften wir das absolute Highlight dieses Buddha-Geburtstages erleben.

Pilger zündeten Millionen von Kerzen und schwimmende Lampen bei den Tempeln und ganz speziell beim Haupttempel an und ließen sie zusammen mit herrlichen Blumengebinden am nahen See schwimmen. Ein atemberaubender Anblick dies im Zeichen des Friedens und der Empathie zwischen allen Völkern dieser Welt zu erleben. Eine multikulturelle Gesellschaft aus vielen vielen Ländern und Schichten hatten sich hier versammelt, betete und sang und feierte für sich oder gemeinsam mit anderen.

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Fasziniert vom Glanz vergangener Zeiten und diesem Ort kehrten wir abends wieder in unseren beschaulichen Ort zurück. Wie Schuppen von den Augen fiel mir auf, wie unsagbar arm hier einige Menschen und auch Tiere „hausen“ mussten. Ein armseliges Pärchen in Lumpen gehüllt, setzte sich vor unser Restaurant und bettelte um Nahrung. Daneben lagen ein paar Straßenhunde und warteten auch auf ein paar Brocken.

Ich war unglaublich berührt, sprang auf und orderte beim Wirt zweimal Dal Baht für die armen Menschen neben uns und Reis und Fleisch für die Hunde. Wie beschämend es doch ist, wenn man als „Reicher“ hier sitzt und womöglich gar nicht alles aufisst, was man bestellt hat und neben dir sitzt ein altes Mütterchen in Stofffetzen und einen gekrümmten Rücken, ist blind und kann sich kaum auf den Beinen halten, und weint und fleht um Nahrung.

Ich habe mich schmutzig und arm gefühlt. Und ich erinnerte mich an die Millionen Momente in Indien, in Brasilien, in Kambodscha, in Äthiopien, Rumänien, Moldawien und anderswo, wo ich mich ebenfalls engagiere in den letzten 25 Jahren mit meiner Organisation „hope for a better world“. Und in denen ich mich ebenfalls schlecht und machtlos gefühlt und mich geschämt hatte für das unsagbare Leid dieser Welt. Als dann noch ein weiteres erbarmungswürdiges Wesen an uns vorbeihuschte, das wir erst im zweiten Moment als Hund ausmachen konnten, war der Höhepunkt meiner Leidensfähigkeit erreicht.

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Ich frage mich immer und immer wieder, warum diese Welt, diese Menschheit, an dermaßen dekadente Abgründe gelangen konnte. War es schon immer so? Wurden die Armen immer schon von den Reichen ausgebeutet? Wurden sie erst deshalb so wie sie sind? Die Tiere immer schon von grausamen Menschen misshandelt? Warum gibt es keinen Frieden, keine Gerechtigkeit, keine Reue, keine Harmonie? Selbst hier nicht im buddhistischen aller Buddhismuszentren dieser Welt? Ich fühlte mich schlecht.

Eine Radtour durch Lumbini

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Eine fast schlaflose Nacht ohne Strom, eine Toilette ohne Wasser und Kakerlaken im Zimmer, doch tags darauf immerhin Sonnenschein, brachte uns auf die Idee eine Radtour durch Lumbinis Stätten zu tätigen. Wir besuchten erneut Tempel um Tempel und genossen nun die Stille.

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Alles was tags zuvor in Jubel – Trubel- Heiterkeit verschwunden war, legte sich nur offen wie ein aufgeschlagenes Buch und präsentierte die Schönheit der Anlage erneut in voller Pracht. Was wir wirklich erschreckend empfanden, war der Dreck ringsum.

Lumbini scheint mit all diesen Pilgern haushoch überfordert zu sein, Millionen von Plastikflaschen und Müll türmen sich ringsum auf den Feldern und man sieht deutlich, dass dieser nicht erst seit gestern hier liegt. Und einige bemerkenswerten Begebenheiten von gestern ließen uns heute einige Diskussionen entfachen.

Eine Demonstration, die von ein paar Leuten initiiert worden war, warum auch immer, wurde sanfter als je vermutet, im Keim erstickt. Manuel kam nicht aus dem Staunen, wie die an sich schwerbewaffneten Polizisten mit ein paar Schlägen auf den Beinen der Aufrührer, die Lage wieder entschärft hatten. In Europa undenkbar.

Da wird gerade geprügelt und geknüppelt was das Zeug hält. Auch wie uns einige Polizisten ansprachen und mehr von uns wissen wollten, wie sie uns ihre eigenen Mahlzeiten anboten, die sie dort abgeholt hatten, wo an Tausenden gratis verteilt wurde, verwunderte uns positiv.

Vielleicht soll Lumbini ewig eine Kultstätte des Friedens bleiben, ein Ort, wo jegliche Gewalt vermeiden wird und jeder darauf bedacht ist, diesen Frieden auch selber zu leben. Auch die Ordnungshüter.

Tags darauf ging es für uns weiter nach Kathmandu, die 10 Stunden Busfahrt vergingen eigenartigerweise wie im Flug.

Draußen flogen die bunten sich abwechselnden Landschaften vorbei, einige kleinere Bergstraßen mussten auch diesmal überwunden werden. Doch die Tour war sehr abwechslungsreich und nach dem ersten Abschnitt, der über holprige Pisten führte, erschien uns der zweite Teil der Straße bis in die Hauptstadt fast schon wie eine Autobahn. Gegen 16 Uhr hatte uns Kathmandu wieder. Der Ausgangspunkt unserer Reise durch Nepal.


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