Lost Land – Die erste Nacht

[Rezension]Lost Land – Die erste Nacht

Erscheinungstermin: 24. September 2012

Autor: Jonathan Maberry

Verlag: Thienemann

Preis: 16,95 € (gebundene Ausgabe), 14,99 € (eBook)

Seiten: 528

ISBN: 978-3-522-20151-3

Originaltitel: Rot & Ruin (Hardcover, Paperback #1, Paperback #2, eBook)

Reiheninfo: Band 1

 

Bewertung

[Rezension]Lost Land – Die erste Nacht

Inhalt

14 Jahre ist es nun her, dass Benny Imura mit seinem großen Bruder Tom Zuflucht in Mountainside gefunden hat. 5.110 Tage, in denen die Brüder gemeinsam mit anderen Überlebenden in einem amerikanischen Dorf leben, was durch einen Maschendrahtzaun vor der Außenwelt geschützt ist. Denn auf der anderen Seite des Zauns wartet auf die Menschen von Mountainside nichts anderes, als der qualvolle, ewig währende Tod. 122.640 Stunden sind vergangen, seitdem verstorbene Menschen urplötzlich wieder auferstanden sind und seitdem als Untote auf der Erde umher wandern. Sie treibt nichts weiter an als ihre unstillbare Gier nach Menschenfleisch und -blut.
Tom Imura ist in Mountainside als einer der besten und erfolgreichsten Zombiejäger bekannt. Tag ein Tag aus begibt er sich ins Niemandsland, immer auf der Suche nach Zombies. Kurz nach seinem 15. Geburtstag geht Benny bei seinem Bruder in die Lehre und versucht zumindest während der Arbeit den Hass auf seinen Bruder zu vergessen.
Wenige Tage, nachdem Benny seine Ausbildung als Zombiejäger begonnen hat, wird seine beste Freundin Nix von einem berüchtigten Zombiejägerduo ins Niemandsland entführt. Und so begibt sich Benny gemeinsam mit Tom auf die Suche nach dem Mädchen, nimmt die Gefahren, die im Niemandsland auf ihn warten, für seine Freundin in Kauf. Doch schon bald muss Benny feststellen, dass es nicht nur die Zombies sind, die eine Gefahr für die Menschheit darstellen.

 

Meinung

Letztes Jahr habe ich meine Faszination für Zombiegeschichten entdeckt. Ob Film, Serie oder Buch, ich nehme alles mit, was mir in die Hände kommt. Auf ‘Lost Land – Die erste Nacht’ bin ich bereits vor einiger Zeit aufmerksam geworden. Es handelte sich um das Original ‘Rot & Ruin’, was mir sofort durch sein interessantes Cover in die Augen gefallen ist. Da wären wir auch schon bei meinem ersten und letzten Kritikpunkt, der sich aber tatsächlich nur auf die deutsche Übersetzung bezieht, mit dem Inhalt des Buchs aber nichts zu tun hat.

Das deutsche Cover hat sicher seine Vorteile, sticht mit seinen Farben und dem Raben hervor. Das Buch sieht ohne Umschlag fast noch schöner aus. Denn hinter dem Umschlag verbirgt sich kein liebloses einfarbiges Buch, sondern es greift die Gestaltung des Umschlags auf. Das ist natürlich ein Pluspunkt. Doch je weiter man in der Geschichte liest, desto deutlicher wird auch, dass das Cover in die Irre führen könnte. Denn wenn man beim gruseligen Originalcover augenblicklich erkennt, dass sich die Geschichte mit Untoten beschäftigt, so erhält man bei der Übersetzung einen anderen Eindruck. Auf jeden Fall erkennt man schnell, dass es sich bei ‘Lost Land – Die erste Nacht’ um einen düsteren Roman handelt, doch das Aufgreifen der Haupthandlung, nämlich Zombies auf unserer Erde, erkennt man hier leider nicht. Zwar hat der Verlag ein wichtiges Element der Geschichte, nämlich den Maschendrahtzaun, abgebildet, doch weckt der Rest der Gestaltung doch eher den Eindruck nach einem anderen Genre. Doch diese Kritik hat schlussendlich nichts an meiner Begeisterung für das Buch geändert, denn letztlich kommt es für mich doch auf den Inhalt und die Umsetzung der Geschichte an und die ist in ‘Lost Land – Die erste Nacht’ einfach atemberaubend.

Jonathan Maberry hat in seinem Roman keine bloße Zombiegeschichte geschrieben. Es geht nicht ununterbrochen darum, die Menschen auf der Zombiejagd zu begleiten. Vielmehr hat der Autor für seine Geschichte eine neue Welt in unserer bekannten Welt geschaffen, die er gerade in den ersten Kapiteln des Buchs sehr gewissenhaft und detailliert, gleichzeitig aber auch sehr spannend beschreibt. Ab dem Zeitpunkt, in dem sich die Erdbewohner aus unerklärlichen Gründen (die Überlebenden haben noch nicht mit Sicherheit klären können, wie es dazu kam, dass Verstorbene wieder auferstehen) in Zombies verwandelten, hat sich das Leben auf der Erde für die Menschen völlig verändert.

So gibt es beispielsweise viele neue Berufe, die das Dasein der Überlebenden vor den Zombies sichern sollen. Berufe, die uns heutzutage bekannt und sehr gewöhnlich sind, sucht man in ‘Lost Land – Die erste Nacht’ vergebens. Das ist aber alles andere als schlimm, denn so bekommt man als Leser die Gelegenheit tatsächlich in eine völlig neue Welt einzutauchen.
Jonathan Maberry belässt es nicht dabei, neue Berufe für seinen Roman zu erschaffen. Genauso geht er auf Veränderungen der Strukturen im Schul- und Ausbildungswesen ein, denn in ‘Lost Land – Die erste Nacht’ sind Jugendliche ab 15 Jahren dazu verpflichtet, sich einen Ausbildungsberuf zu suchen. Nur dann ist gesichert, dass sie weiterhin mit einer vollen Tagesration Essen versorgt werden.

Die Geschichte an sich gestaltet sich als sehr facettenreich. Für mich hat sich ‘Lost Land – Die erste Nacht’ nicht als ein bloßer Zombieroman erwiesen, der möglichst blutig das Töten und Verfolgen von Untoten beschreibt. Natürlich gibt es auch in dieser Geschichte viele ‘Zombiemomente’, die Gänsehaut verursachen und unheimlich spannend sind, ja sogar schon den Atem rauben. Doch gibt es darüber hinaus auch viele andere, sehr viel tiefgründigere Momente. In dem Dörfchen, in dem unser Protagonist Benny nach der ersten Nacht Zuflucht gefunden hat, gehen die Meinungen über die Zombies sehr weit auseinander. Für viele Bewohner sind die Auferstandenen lediglich Abschaum, eine Abscheulichkeit, die man schnellst möglich, egal wie respektlos die Mittel auch sein mögen, vernichtet werden müssen.

Doch andererseits gibt es auch eine Handvoll Menschen, wie Bennys großen Bruder Tom, die glauben, die Untoten leiden unter einer Krankheit. Denn wer würde sich schon freiwillig aussuchen, für immer als Zombie auf der Erde umherzuwandern? Und haben Kranke nicht das Recht darauf, wie jeder andere Verstorbene mit Respekt behandelt zu werden? ‘Lost Land – Die erste Nacht’ beinhaltet für einen Jugendroman sehr niveauvolle und tiefgründige Fragen, die einen schönen Kontrast zu der grausamen Zombieverfolgung bilden. Jonathan Maberry greift Themen auf, die neben der fesselnden Handlung zum Nachdenken anregen. Denn in der Geschichte geht es um das Recht auf Leben, die Behandlung von Verstorbenen, das Miteinander in einer Welt, die vor dem Untergang steht. Wer entscheidet über Recht und Unrecht, wenn es keine Regierung mehr gibt?

Fans von Zombies werden in diesem Roman voll auf ihre Kosten kommen. Das heißt, man sollte sich vor dem Lesen darüber im Klaren sein, dass es in diesem Buch ohne Frage viele Momente gibt, die nichts für schwache Gemüter sind. Dabei meine ich nicht unbedingt die Beschreibungen der Untoten an sich. Natürlich geht der Autor genau darauf ein, wie wir uns die Zombies als Leser vorzustellen haben. Allein an diesen Stellen wird vielleicht ein mancher Leser schlucken müssen. Doch viel verstörender habe ich den Umgang der Menschen mit den Zombies empfunden. Denn die gingen an vielen Stellen über meine Vorstellungskraft hinaus. In ‘Lost Land – Die erste Nacht’ sind es nämlich vielmehr die lebendigen Menschen, die unmenschlich handeln und zumindest in meinen Augen die wahren Schreckensfiguren der Geschichte darstellen. Jonathan Maberry hat in seinem Roman einige Figuren erschaffen, die so handeln, es seien sie Gott selbst, als stände ihr Wohlergehen über das Wohl aller anderen. Auch diese Figuren bzw. die Reflektion von Benny und Tom über diese Menschen hat mich unheimlich beeindruckt und nachdenklich gestimmt.

Blick in die Zukunft

‘Lost Land – Die erste Nacht’ ist der erste Band einer Reihe. Die Titel für drei weitere Teile stehen auf Englisch bereits fest; ‘Dust & Decay’, ‘Flesh & Bone’ und ‘Fire & Ash’. Außerdem sind auf Englisch bereits drei Kurzgeschichten im eBook Format erschienen; ‘First Night Memories’, ‘In the Land of the Death’ und ‘Dead & Gone’.
Ein deutscher Titel und Erscheinungstermin für den zweiten Band sind noch nicht bekannt.

Fazit

‘Lost Land – Die erste Nacht’ ist ein hervorragender Zombieroman, der sowohl Jungen als auch Mädchen begeistern wird. Denn in dieser Geschichte ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Es gibt die blutigen und grausamen Momente, in denen sich die Figuren immer wieder den Gefahren vor den Zombies, aber auch anderer Menschen, stellen müssen. Doch schlägt die Geschichte auch immer wieder sehr nachdenkliche und sanfte Töne an, die dem Leser eine Verschnaufpause vor den rasanten Zombiejagden bieten. Dieser gelungene Mix macht ‘Lost Land – Die erste Nacht’ für mich zu einen der besten Zombiegeschichten, die ich bisher gelesen habe.

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Über den Autor

Jonathan Maberry (geboren 1958) hat nach einer beachtlichen Karriere als Jujitsu-Kämpfer eine Reihe von übernatürlichen Horror-Romanen verfasst, ist New-York-Times-Bestseller-Autor und wurde mehrfach mit dem Bram-Stoker-Award ausgezeichnet. Er verfasst Graphic Novels für Marvel Comics und Drehbücher für Spielfilme wie “Wolfman”.
Mit „Lost Land – Die erste Nacht“ startet er eine post-apokalyptische Serie für Jugendliche.
Jonathan Maberry lebt in Warrington, Kentucky. (Quelle)

Leseprobe

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