Lonesome zweisam

Von Privatkino
Titel: Lonesome zweisam
Autor: Christian Hanewinkel
Genre: Belletristik
Verlag: Stories & Friends
Format:  Gebunden 144 Seiten
ISBN-13: 978-3942181532

Erste Sätze:
Die Herbstblätter laufen vor ihr her. Der Wind schüttelt sie durch. Ihre viel zu großzügige Jeanshose plustert sich auf, und sie denkt wieder, sie hat viel zu dicke Beine.

Klappentext:
Das Leben spielt immer woanders. Darin sind sich Viola und Tom sofort einig. Sie studieren Germanistik in Münster im ersten Semester und verheddern sich vor der Uni in eine tiefgründige Diskussion. Das erste Seminar beginnt ohne sie. Mittendrin zu sein, war noch nie ihr Ding. Wenn Schalke 04 spielt, steht Tom vor dem Stadion. Obwohl er eine Dauerkarte besitzt. Obwohl er das Leben außerhalb des Stadions auch nicht erträgt. Und Viola? Viola ist Violinchen, eine Außenseiterin. Diese jedoch will sie nicht mehr sein.

Inhalt:
Tom und Viola, der Zufall führt sie zusammen und doch, einsame Wölfe, sie finden schwer zueinander und wolle doch nur Geborgenheit. Ein Risiko, wenn man sich selbst irgendwie im Leben verloren hat und versucht, sie irgendwie zu finden, geht es leichter, wenn man jemanden an der Seite hat oder wird alles nur noch komplizierter?

Meine Meinung:
Skeptisch war ich bei diesem Buch, klingt es doch ein wenig so, als wäre es eine haltlose Liebesgeschichte, zumindest malten sich meine Gedanken dahingehend aus und es ist auch eine Liebesgeschichte, durchaus, aber eine ganz besondere.

Tom und Viola, sie treffen sich zufällig, so fangen Geschichten häufig an, aber es ist auch der Zufall, der sie immer wieder einander in die Arme treibt, doch besonders Viola, sie sträubt sich gegen diese Arme, glaube etwas wie Liebe nicht verdient zu haben, war sie doch ein Leben lang von ihrer Mutter dominiert worden, die auch jetzt noch versucht Macht über sie auszuüben.

Außenseiter, Tom und Viola sind welche, weil sie, wie es mir vorkam, weitab vom Leben standen, ein bisschen verloren in sich selbst und in der großen Welt, suchen sie etwas, wobei wissen was sie suchen, sie vermutlich nicht wissen und auch als Leser ist man ein wenig ratlos, aber doch, zumindest ich konnte mich gut in sie versetzen. Die Beiden stehen an der Schwelle zum Erwachsen werden und wer schon in der Situation war, der weiß, es ist eine schwierige Zeit voller Veränderungen und diese werden in der Geschichte richtig gut spürbar.

Wie geschrieben, Viola windet sich und Tom ist betrübt, weil er sie nicht halten kann. Man lernt beide Seiten kennen, wobei man natürlich merkt, dass beide im Prinzip das Gleiche wollen: Geborgenheit. Sie windet sich und er streckt seine Arme aus, zwei unterschiedliche Versuche und gerade dieser Kontrast macht die Geschichte so spannend. Ich muss zugeben, Tom war mich um Längen lieber, er war traurig, sehnsuchtsvoll und verloren, in den Arm wollte ich ihn nehmen, trösten und sagen: Ja, das Leben ist schwer, aber gib bitte die Hoffnung nicht auf.
Viola, sie war ziemlich anstrengend. Sie war kalt gegenüber Tom, wobei ich glaube, sie selbst hatte keinen triftigen Grund dafür und vielleicht ist sie mir nur unsympathisch, weil sie sich selbst nicht leiden konnte und deswegen alles madig an ihr redet. Obwohl ich sie nicht mochte, passt sie für mich perfekt in die Geschichte.

Einen Kritikpunkt gibt es jedoch: das Buch, es würde gut noch mehr Seiten verdienen. Das Ende, es ist geschrieben, als wäre der Autor in Eile gewesen und wollte schnell Schluss machen. Es gibt einen Sprung, einen weiten in die Zukunft und als Leser wollte ich mehr Zwischensätze wissen, wie es geschah, wie sie diesen Punkt erreichten usw. Vielleicht möchte der Autor, dass man sich selbst Gedanken macht und die Fantasie spielen lässt, aber ehrlich gesagt, hätte ich es schöner gefunden, wenn ich Geschichte rundum erzählt bekommen hätte.

Fazit:
Eine etwas andere Liebesgeschichte, über einsame Wölfe, verloren im Leben und der Welt.