„Lonely Avenue“

Gehört_195

Ben Folds & Nick Hornby „Lonely Avenue“ (Warner)
Man wird jetzt oft Sachen lesen wie „Lieblingsmusiker meets Lieblingsautor“ und viele werden fragen, warum die beiden Protagonisten, die für diese Platte verantwortlich zeichnen, sich erst jetzt zu einer Zusammenarbeit entschlossen, die wie gemacht ist für Überschriften wie „If Books could sing …“ und ähnliche Schmeicheleien. Und natürlich ist es schön, wenn Sympathieträger Nummer 1, der versponnene, quicklebendige Pianoentertainer, seit fünfzehn Jahren aufopferungsvoll tätig im Dienste des herzerwärmenden Popsongs, Sympathieträger Nummer 2 trifft, der sich als Popliterat mit einem Plus an Jahren auch schon ein Plus an Leibesfülle erarbeiten konnte und mit seinen zauberhaften Romanen seit jeher existentielle Richtlinien fürs leidige Singleleben zu vermitteln weiß – wie zum Beispiel die Empfehlung, bei einem ersten Date zunächst die Plattensammlung der Angebeteten unter die Lupe zu nehmen. Sollte sich darin nämlich Vinyl und oder Plastik von Tina Turner oder Phil Collins befinden, sei von einer Fortsetzung des Paarungsversuchs dringend abzuraten – eine nahezu zeitlos gültige Regel.
Was man allerdings bei all der wohlwollenden Reminiszenz vergisst, ist, dass Ben Folds auch vor dieser umjubelten Kollaboration schon sehr feinzüngige, bissige und schwarzhumorige Lieder zum Besten gegeben hat, allein „The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner“ wäre Fundgrube genug, anrührender wiederum als bei „The Luckiest“ oder „Fired“ vom Album „Rockin’ The Suburbs“ war er selten.
Aber wenn man sich vom Gedankenspiel löst, wer hier wohl wen eher gebraucht habe, und wenn man nach den ersten Durchläufen vergisst sich zu fragen, wer einem denn jetzt wohl diese aberwitzigen Geschichten erzählen will, der singende Ben oder doch der schreibende Nick, dann wird natürlich auch aus „Lonely Avenue“ eine sehr unterhaltsame Angelegenheit: Hier trifft Großes Kleines, alltägliche Spiegelungen kreuzen weltumspannende Schlagzeilen – alles in Schwung gehalten von Folds unvergleichlich fantasievoller und feinfühliger Begabung, die Töne wie die Bälle des Jongleurs in launigem Schwung zu halten.
Wie Hornby im ersten Song „A Working Day“ seine Selbstwahrnehmung gegen die der Öffentlichkeit stellt („ I’m a looser I’m a poser, everthing I write is shit“) ist ebenso komisch wie die traurigen Bekenntnisse von Bristol Palins Ex in „Levi Johnston’s Blues“. Trauriges („Hope is a bastard, hope is a liar“/Picture Window), Träumerisches (“I’ve got no time for detail plans ‘cause I’m too busy dreaming”/Practical Amanda) und jede Menge gedankengesäumte Liebeslieder (Claire’s Ninth, Password) – Hornby und Folds vertonen die komplette Beziehungskiste und wagen mit dem herrlichen „From Above“ sogar eine Art gemeinsames Manifest: „Maybe that's how books get written, maybe that's why songs get sung, maybe we are the unlucky ones …“ Und wenn Folds dann bei „Your Dogs“ erst den Joe Strummer gibt und später zum abgedrehten Chorus lädt, wenn er „seiner“ Liebe Saskia Hamilton, einer Poetikprofessorin, seine Verehrung und Begeisterung entgegenbellt, dann sind die anfänglichen Zweifel bald verschwunden und beide, der Autor wie der Musiker, dürfen auch weiterhin mit wohlwollender Aufmerksamkeit rechnen.


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