Live aus dem Starbucks, Reading, MA

Wenn man irgendwas für eine längere Zeit nicht gemacht hat, wird es Zeit, dass man es mal wieder macht. Was für ein philosopischer Satz. Total ohne Inhalt, aber mit komischer Bedeutung. Nochmal machen heisst in diesem Zusammenhang, dass ich mal wieder meine Beobachtungen machen sollte. Es hilft mir abzuschalten und Euch, den Ort in Gedanken zu wechseln.

Heute sitze ich in einem neuen Starbucks, zumindest neu für mich, dann ich war noch nie hier. Das Ding ist knackend voll. Ringsrum türmen sich rote Kaffeepackungen mit der Starbucks-Kaffee-Weihnachtsmischung. Starbucks muss dazu jeden auch nur verfügbaren Kaffee in rote Türen gepackt haben. Anders kann man sich nicht erklären, wie jeder Starbucks komplett damit durchdekoriert werden könnte.

Rechts hinter mir sitzt eine attraktive Dame in ihren guten Dreissigern und liest das neueste Buch von Dan Brown, "Lost Symbol". Ich hatte auch schon überlegt, ob ich es mir kaufen sollte, aber ich habe mich erstmal mit Live Free or Die von John Ringo abgegeben. Science Fiction und ein Teil der Handlung spielt in der Nähe. Boston und Manchester. Recht nett, obwohl er teilweise seine Figuren soviel Slang sprechen lässt, dass es bei mir einfach aussetzt und ich diese Teile überspringe.

Ich bin wieder der Einzige mit einer richtigen Tasse. Der Rest hält sich an Pappbechern fest. Die unvorstellbare Menge von 200 Mrd. Pappbechern werden jährlich in den USA verbraucht. Das sind zwar nur 68 Becher pro Einwohner, aber die Menge macht es.

Hinten links sitzen zwei Damen und diskutieren wild über ... vielleicht ihre Einkäufe oder Thanksgiving. Wohl aber eher über Beziehungsprobleme. Gerade stellt sich eine junge Frau an, die auf ihrem Sweater Pink, Pink, Pink stehen hat. Ich gehe aber davon aus, dass sie nicht die Dame dieses Künstlernamens selbst ist. Die langen Haare sprechen schon dagegen. Aber sie hält ein Apple Petting Phone in den Händen, natürlich in pinkem Schutzcover.

Ich habe wohl den Starbucks erwischt, der fast nur von Frauen besucht wird. Mir soll es recht sein. Einer der wenigen Kerle liest Zeitung am Fenster und die beiden älteren Herren hinter mir stehen gerade auf und brechen davon. Vor den beiden Quatschtüten sitzt eine Apfelfrau mit weissen Ohrstöpseln und davor ein Clone von Sara Palin. Sie liest ein Buch. Also nicht Sarah Palin, sondern der Clone.

Links hinter mir macht sie und er irgendwelche Geschäftsberechnungen. Er spielt mit Excel rum und macht den Dicken mit Pivot-Tabellen. "Grande No-Whip Mocha". Sie wälzt Papier. Das Paar neben mir schnattert schon länger, aber ich verstehe sie nicht, weil es so laut ist.

Frau Highest Heels ist gerade reingestöckelt. 15cm würde ich sagen. Dazu kommen noch Lippen, die ca. ein Volumen von 15 Kubikzentimetern haben. Sie hat sich Haferflocken geben lassen. Wenig Kalorien und satt. Die Frau ist aber kompliziert, weil der Kerl von ihr hinterherbrüllt, dass er den Kaffee holen will und sie aber losstöckelt. Allein der Blick von ihr sagt mir, dass sie eine trotzige Dame ist. "Non-Fat Vanilla Chai".

Es lichtet sich. Ich bin wohl gerade zur Rushhour reingekommen. Wobei es gerade erst 14:45 Uhr ist. Dachte, ich lächele mal die Dame mit ihrem Dan Brown-Buch an... abgeblitzt. Schade.

Meine Hände zittern... das kann aber nicht vom Kaffee sein, schliesslich hatte ich erst zwei Latte heute. An der Tür sitzt ein Dude mit einem Sony Vaio auf den Knien. Die Sonne bricht gerade durch die Jalousien und ich habe mich umgesetzt, damit die Sonne nicht auf dem Notebook-Schirm steht. Ganz dicht sind die Rolläden nicht, wäre auch doof, denn dann wäre es gleich wieder stockdunkel. Wobei sowieso das Licht an ist, obwohl es keiner braucht.

"Medium Fat-Free No-Whip Cream Brulée Latte" Gerade ist wieder ein Schub Leute reingekommen. 14 Leute stehen jetzt an. Vor 4 Minuten stand ich noch allein an der Kasse, als ich mir meinen Iced Lemon Cake geholt habe. Übrigens ist Peppermint alle. War auch gestern schon beim anderen Starbucks so. Die Leute müssen den Peppermint Mocha weggesoffen haben. "Grande Non-Fat Eggnog Latte"

"Venti Seven Pump Classic Passion Tea" Ich kann teilweise mir überhaupt nicht merken, was die Bedienung hinterm Tresen gerade gebrüllt hat, um die Fertigstellung des Getränks anzukündigen.

Die Mama vom Kleinkind, dass bei Papa auf dem Bauch liegt kommt gerade rein. Süss. Also Mama und das Kind. Sie ist aber schon wieder weg. Telefon in der Hand und raus. Ich denke mal, sie ist im Nachbarladen und kauft ein, während Papa und Kind geparkt wurden.

Übrigens wird das Wort "recycelt" nicht gern benutzt. Bei Starbucks steht immer "post-consumer paper/plastic" drauf. Effektiv ist das nichts anderes, aber Recycling scheint nicht gern benutzt zu werden. Klingt wohl zu billig. Deswegen heisst es hier auch nur selten "Used Car", sondern meist "Pre-owned", wenn man nach Gebrauchtwagen sucht.

Chaos vor der Kasse, denn plötzlich können sich alle nicht entscheiden. Auch die Damen weiter hinten in der Schlange nicht und deswegen reichen sie einen Mann durch, der eventuell weiss, was er will.

Um gleich bei aktuellem Englisch zu bleiben. Wer die BBC hört oder englische Nachrichten liest, der wird in letzter Zeit oft das Wort "austerity" gehört haben. Meist als "austerity plan", "austerity measures" oder "austerity package". Meist auch in gleichem Satz mit Spanien, Portugal, Griechenland oder Irland. Was zunächst wie Muscheln in einem Meeresrestaurant klingt, bedeutet Sparpolitik, Knappheit, Strenge. Wie so oft, ist es ein sehr universelles Wort. Im Englischen gibt es ja immer flexible Übersetzungen. Zum Beispiel "in times of austerity, squirrel stew was the most popular dish" - in Zeiten der Knappheit/Entbehrung war Eichhörchen-Eintopf das gängigste Gericht. Ich hatte gerade im Radio bei der BBC ein Bericht über Eichhörnchen-Eintopf in Amerika gehört. "Squirrel stew has a very distinctly sweet flavour."

Lustig, wenn Leute in der Schlange von Starbucks stehen und einen Starbucks-Kaffee trinken. Schon schlägt die Schlange wieder an der Tür an. Voll. Ich hätte doch meine Starbucks-Aktien halten sollen. Das Geschäft brummt wieder. Im Vergleich zu letztem Jahr ist deutlich zu merken, dass die Leute wieder mehr konsumieren.

Nicht nur ich sitze seit 1,5h im Starbucks. Frau Buch und Herr Laptop sind auch noch da. Sie lässt sich beflirten und er stiert wie ich aufs Display und zückt zur Abwechslung gelegentlich noch sein Handy und schickt eine Textnachricht.

Damit wären wir erstmal am Ende und ich suche mir ein neues Plätzchen. Erstmal werde ich aber mein Buch aus dem Hotel holen, damit ich nicht immer über der Kiste hänge.


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