Listenterror #01- Meine zehn liebsten Alben des Jahres 2011

Listenterror #01- Meine zehn liebsten Alben des Jahres 2011Es ist ja immer erfreulich, wenn einen die Muse mit Pfeilen spickt & daher will ich auch in diesem Jahr kurz vorm Kalenderblattwechsel eine kleene musikalische Rückschau wagen & festlegen, welche Platten mich in diesem Jahr gänzlich überzeugten. Ein begrenzte Anzahl von Musengeschossen ist ja immer ne gute Wahl - sonst wird man zu gefällig  & so sollen es auch 2011 nur zehne sein - zehn - nicht hierarisch geordnete - Tonträger für dieses Jahr, für den Flash, die Alltagsflucht & wenn es gut läuft  für die Folgenjahre - und die Ewigkeit :D.
Astronautalis - This Is Our Science
Der rothaarige Übersymphat siegt in diesem Jahr mit seiner aktuellen Platte recht souverän - ein Meisterwerk irgendwo zwischen kraftvollem Rap, melancholischem Singer/Songwriterkram & schmutzigem Blues.
Mit seiner erzählerischen Klasse können nur die allerwenigsten konkurrieren, dieser Mensch macht schon lange keinen Rap mehr, sondern schichtet seinem hellsichtigen Analysen zu treibenden Bassungetümen, in denen er (elegant beiläufig) charmant-sarkastische Textminiaturen versteckt. Zuhörhiphop der allerfeinsten Sorte - call it Songwriter-Rap.
Dieser MC hat seine Zeremonienmeisterhausaufgaben wirklich sorgfältig gemacht, denn neben den zwingenden, treffenden Beschreibung seiner Umwelt, offenbart sich hier auch ein zerrissener, selbstironischer - und kritischer Charakter - seine Seelenqualen & das gewollte Entblössen seiner Psyche sind keine Marketingstunts, sondern das wortgewaltige Dokumentieren eines suchenden Geistes auf dem postmodernen Jahrmarkt der Unverbindlichkeiten - brillant.
Nym - Warm Blooded Lizard
Eine anonyme Empfehlungsmail an den Flaneur, ein Klick auf das Soundcloud-Profil von Nym und ganze 8-10 Minuten später war es um mich geschehen. Phantastische Platte! Dichte atmosphärische Soundscapes, die den Anschein erwecken, als hätten Ennio Moriconne, Blockhead & RJD2 ordentlichst zusammen gefeiert & sich dann gemeinsam mit einem Riesenschwung alter Italowestern im Studio verschanzt. Eine dieser Instrumentalperlen, die man auch 2017 noch liebend gerne auf die mobile Schallwaffe laden wird. Definitiv nicht von dieser Welt - schmissig, dicht, atmosphärisch & dennoch kantig & unglaublich melodieverliebt. Pflichtplatte.
Tech N9ne - All the 6's and 7's
Mister Independentrap höchstpersönlich läutet die nächste Stufe der Spielübernahme ein, auch 2011 ändert sich nichts an seiner Strategie -  es werden immer noch großartig-bösartige Geschichte on point erzählt - und immer noch ist alles straight selfmade. Seine komplexen Beats sind Balsam für die Ohren, die durch die klebrig-süsse, gefällige Autotune-Kur janz massiv am pfeifen sind. 
Vielleicht sollte man ihn nicht (wie passiert) zu sehr als den edelmütigen, heldenhaften Herold hochjazzen, der den dreckigen, vertrackten, kantigen Rap zu retten bereit ist. Aber man sollte ihn preisen, denn er ist bereit in diesem Spiel des geringsten Widerstands, bei dem jeder semihübsche Depp mit cheesy Beats und Aussagen tief unter Normalnull, etlich Scheinchen erwirtschaften kann, auf fixe Hypes zu verzichten und zimmert stattdessen lieber nachhaltige kleene Monstren zusammen, die zumindest mich vergnügt quietschen lassen. Ich bleib' dabei Schmutz > Käse.     
Smoove + Turrell- Eccentric Audio
Wo bitte sehr soll an dieser Platte irgendetwas auszusetzen sein? Eingängig - ja, popaffin - na klar, wiedererkennbar - aber sicher. Aber mal ehrlich, was ist daran denn jetzt bitte schlimm? Einfach ganz großer Pop, mit einer der besten Stimmen des "weißen" Souls.
Perle an Perle geheftet, ne Platte mit der man ne Party zu köcheln bringt, die aber auch ganz hervorragend zum gepflegten Lakenzerwühlen taugt - und deren eingängigen Arrangements oftmals bitterböse und verdammt wahre Texte untermalen.Ne Platte zum Wegträumen, zum Zuhören, zum Schreien, zum Weinen, zum Lachen, zum Leiberreiben - die gute Laune oder der harte Hieb der Erkenntnis sind als unausweichliche Ergebnisse zwingend & unumkehrbar. Wer dieses wunderbare Album noch nicht kennt, muss dies jetzt sofort ändern oder mich unmittebar entfolgen - da bin ich der komplett ironiefreie Stylefundi - Punkt.
Maikal X - Genesis
Melancholischer Reggae trifft Hiphop-Skills. Der lange Atem und die mehrjährige MC-Bühnenerfahrung machen Maikal X zu einem leidenschaftlichen Grenzgänger zwischen den musikalischen Welten, denn dort wo sonst die Tristesse des Genrestandards langweilt, bricht er die Räume auf und versöhnt beide Stile und erhebt sie zu einem neuen Anderen.
Über die Inhaltsschwere will ich keine großen Worte verlieren, jemanden ,  der den dezidiert politischen, kompromisslosen Anspruch des 70er Jahre Reggaes so unverfälscht wiedergeben und ins Anything-Goes 21te Jahrhundert überführen kann, um dort klare, fundierte Standpunkte zu beziehen, kann man nicht genug loben. Eine Platte, die sich ganz eindeutig zwischen Culture, Burning Spear & politisch bewusstem Rap ins Kollektivstylegedächtnis einschmiegen wird. Selten geworden.
Frederico Aubele -  Berlin 13
Flamencoelectronica mit Berliner Minimalflair. Klingt irgendwie nach einem Gotan Projekt-Epigon & ist doch soviel mehr. Melancholische kleine Geschichten, die von Berliner Nächten berichten, von Abstürzen und Verwirrungen, von Lügengebäuden und Traumschlössern, von Versprechungen und Verfehlungen. Jeder, der sich der Berliner Nacht mal in die Arme warf, wird wissen was ich meine. Katzenjammermusik für das letzte, überflüssige, schale Bier am Späti, die nächtliche Lakenflucht, das Lebenlernen mit den Lügen und der Unverbindlichkeit.
Aber Berlin 13 ist nicht nur der Soundtrack für die dunklen Stunden und die Bauchlandungen, sondern auch für den lachenden Herbstspaziergang, das gemeinsame Rumtoben im Laub. Eine Platte, die ihre offene Zwiespältigkeit als Finesse nutzt. Tanzmusik für das Pendeln zwischen erzwungenem Absturz und heilender Umarmung. Moody as fuck & daher das perfekte, musikalische Abbild dieser Stadt.   Maeckes - Manx
Eigentlich war ich fest davon überzeugt, dass Maeckes mit Kids sein absolutes Meisterwerk abgeliefert hatte und dass da jetzt keinerlei Luft mehr nach oben wäre - aber so kann man sich irren. 
Manx hat in den letzten Wochen so ziemlich jede andere Platte aus der Playlist vertrieben und sich so resolut oft in der Repeatschleife wiedergefunden, dass ich mich in angenehmster Weise an die längst verblasste Tage erinnert fühlte, als man mit Kumpels die neuerworbene Platte einfach kaputt hörte - sehr leckerer Backflashmoment!
Ansonsten muss ich wieder tief meinen Hut ziehen, was Maeckes hier abliefert ist einfach die komplette Contentanomalie - auf knapp 35 Minuten verdichtet er Reflexionen über Perfektion, Lug & Trug, individuelle Angst und persönlicher Erfolg zu einem passgenauen Ganzen. 
Eine bissige Rückschau, bei der er oftmals ungewohnt unversöhnlich gegen Hater & Spötter vom Leder zieht, nur um kurze Zeit später seine Schwächen so offensichtlich zu machen, dass man kurzzeitig sehr überrascht ist - nix Maskenspiel, The New Kind Of Complete MC - entblösst sich und seine Schwächen bewusst radikal, um sich so von dem ganzen Industriegeschmeiss & ihren PR-Kokons abzugrenzen.
Mutige, glaubwürdige & extrem eigenständige Platte, die für mich klarmacht, dass man Maeckes nie unterschätzen sollte. Bin auf sein nächster Meisterwerk mehr als gespannt. Sprachlos!

Akua Naru - A Journey Aflame 
In diesem offenherzig sexistischen Kackspiel namens Hip Hop haben es FemCees ohnehin schon schwer genug, entweder müssten sie als nahezu unbekleideter Bühnenschmuck herhalten oder über übermenschliche Treuekompetenzen oder ihre Vorliebe für Riesenglieder singen - die Heilige & die Hure eben - die Auswahlmöglichkeiten sind eher überschaubar. Erbärmlich eigentlich - aber eben auch Teil der Spielmatrix, die man öfter mal feste auf den Tisch hauen sollte, vielleicht vergeht sie ja irgendwann.
Aber zurück zum Style - Akua Naru - ist erfreulichweise anders, statt uneigenständig über die virtuellen Qualitäten ihres Lovers zu singen, vertont sie in ihren Texte lieber den sexuellen Terrorismus in afrikanischen Bürgerkriegsrealitäten, spricht über das Schicksal der Single-Mums, deren Befindlichkeiten den Mitmackern im Spiel zumeist recht gleichgültig sind und bezieht einen dezidiert feministischen Standpunkt, ohne dabei überheblich, verhärmt oder gar verbittert zu wirken.
Der ironische, kämpferische, herausfordernde Stil ihrer Text, ihre positive Aura & die brillanten Beats machen diese Platte zu etwas was inzwischen selten geworden ist: Nämlich zu einer Platte voller tiefgreifender Beobachtungen und offener Thematisierung von individueller und sozialer Reflektion & Kritik - eben zu dem, weshalb ich die (ehemalige) Selbstermächtigungsmaschine Hip Hop mal liebte - Backflash galore. Wunderschöne Platte, die live sogar noch gewinnt!
Dub Spencer & Trance Hill - The Clashification of Dub
The Clash on Dub - kann sowas eigentlich gut gehen? Klassiker de- und rekonstruieren ist immer ein sehr zweischneidiges Schwert, oftmals sind die Ergebnisse nur schäbige Edits, bei denen sich die Hand rasch dem Gesicht annähert. Aber, wenn sich ne Band, wie diese helvetischen Irren daran macht, die Erfinder des dubbigen Punks zu remixen, kann man sich getrost zurücklehnen & die Ergebnisse abwarten.
Der Output ist gewohnt irrsinnig gut, die Originale sind oftmals bis zur Unkenntlichkeit zergliedert, skelettiert bis auf die grundlegendsten Strukturen und dann mit massig Dub neu verputzt. Clashfundis sammeln sicherlich schon Reissig & planen einen Mob, aber alle openminded Snobz dürften Zeitsprünge vor Begeisterung machen. Clash klang nie aktueller, präziser & dubbiger als hier. Prima Frischzellenkur für die inzwischen ja schon etwas angestaubte, britische Herrenriege. Ein Must-Have.   
Pierre Sonality & Die Funkverteidiger - same
Leipzig - Stadt des Oldschoolflairs. Von hier kam dieser Meteroit von einem Album, der Ende 2010 die Szene wie ein Hammer traf. Natürlich flunkere ich jetzt etwas, wenn ich dieses schwarzhumorige, gallige Stück Wortkunst in den 2011er Pool einspeist - aber wisst ihr was - entweder ihr fresst es oder ihr sterbt mimimi-sagend :D.
In der Szene war die Platte ja bereits wohl bekannt, Bühnenirrsinn landauf & landab aka Jammentalität hatten die Kunde ja bereits bis in die Tiefen der Provinz getragen & jetzt musste nur noch der Mainstream zersägt werden - was natürlich auch geschah - die Brandrodung im Tal der Toys war umfassend. 
Das Tape (und damit natürlich leider auch die Rips der üblichen Portale) war dann schnell auf dem Markt, bis zum Vinyl dauerte es noch ein kleines Weilchen, aber dann war es auch soweit - man konnte eine erfreuliche Sammlung von beischlafresistenten Oldschoolstylebretter en masse in haptischer Medienform unter die Nadel legen - und es machte bumm!
Für mich mit Manx & der Astronautalis-Platte einer der ganz großen Hip Hop-Momente in 2011& daher auch hier angeführt. Also 2012, die Latte liegt weit oben, zeig uns was du kannst.
Postscriptum: Ein Ehrenplatz gebührt natürlich auch allen RAG-Releases & der Galla-Soloplatte, ein ganz bitterer Verlust für alle die reflektierten, storytellingaffinen, klugen Hip Hop lieben. 

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