Lieber pseudo-moderner Papa

Es ist ja ganz nett, dass du dir abends nach der Arbeit Zeit nimmst, um mit Frau und Söhnchen den Wocheneinkauf zu erledigen. Es ist nahezu rührend, wie du voller Stolz den Einkaufswagen mit der Babyschale vor dir herschiebst und damit den aktiven Papa markierst. Die Mutter deines Kindes ist bestimmt ganz froh darüber, dass du bei der Wahl des richtigen Joghurts mitredest. Fast könnte man meinen, du wärst ein moderner Papa, einer, der begriffen hat, dass Kind und Haushalt nicht einfach Frauensache sind.

Nun, ich muss dir leider sagen, dass ich dir das mit dem modernen Papa nicht abnehme. Warum nicht? Etwa, weil ich per Zufall mitgekriegt habe, wie du am Telefon deinem Kumpel voller Bedauern mitgeteilt hast, dass ihr bestimmt nicht bis Mitternacht bleiben könnt, weil der Kleine ins Bett muss? Nein, daran liegt es nicht, denn ich weiss, dass man trotz Kind hin und wieder gerne bis tief in die Nacht mit Freunden quatschen möchte. Entlarvt hat dich, dass du ungeniert telefonierend an der Käsetheke lehnst, aus der ich unseren Käsevorrat angeln will. Wie? Du verstehst nicht, wie ich anhand einer solchen Bagatelle erkennen will, dass dein „Seht mal her, wie fortschrittlich ich bin“-Gehabe nur Show ist?

Nun, ich werde es dir erklären: Wenn du fünfundvierzig Minuten vor Ladenschluss eine zerzauste Hausfrau mit tiefschwarzen Augenringen und einem übermüdeten Dreijährigen im voll beladenen Einkaufswagen siehst, dann solltest du eigentlich wissen, dass die Frau nicht aus reinem Vergnügen hier ist. Hättest du eine Ahnung von Kind und Haushalt, du würdest sofort aus dem Weg gehen, wenn diese Frau sich der Käsetheke nähert, die du dir als Rückenlehne ausgesucht hast. Du würdest nicht erst dann drei Millimeter zur Seite rücken, wenn sie dir unmissverständlich klar macht, dass sie an den Gruyère hinter dir will. Du würdest dich sofort in eine unwichtige Ecke verkrümeln – irgendwo zwischen Toilettenpapier und Besen – und ihr nicht einfach zwei Schritte weiter vorne den Zugang zum Raclette-Käse versperren und danach zum Reibkäse und dann auch noch zum Bergkäse. Vor allem aber würdest du die Frau nicht entnervt anschauen, wenn sie dich immer und immer wieder aus ihrem Jagdrevier vertreibt, denn du wüsstest, dass sie bei der Arbeit ist und deshalb keine Zeit hat für solche lächerlichen Spielchen.

Aber das alles weisst du nicht, weil du eben nur ein pseudo-moderner Papa bist, der zwar so tut, als wäre er dabei, der in Wirklichkeit aber die ganze Sache mit Kind und Haushalt noch immer als Weiberkram abtut.

Lieber pseudo-moderner Papa



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