Liebe Frauen, die Welt da draußen braucht euch! #dubistDemokratie

Von Miriam Schaefer @chamailion

#Gesellschaft #Arbeit #dubistDemokratie Gestern habe ich getwittert. 

Immer, wenn eine Mutter sagt, sie sehe ihre berufliche Zukunft in einem DAWANDA-SHOP, geben sich zwei männlich. Führungskräfte ein High-Five

— Frau Chamailion (@chamailion) April 27, 2017

Es kam spontan und irgendwie doch nicht. Ich mache seit 3-5 Jahren die Beobachtung , dass die berufliche Alternative im DIY-Sektor (inkl. Blogs ) eine immer größere Beliebtheit erlangt. Insbesondere bei Frauen nach der Heirat oder nach der Geburt des ersten Kindes ist.  Ich habe meine Gedanken dazu mal etwas weiter ausgeführt und die sind durchaus politischer Natur.

Darum ist dieser Beitrag Teil der Blogparade: #dubistDemokratie.

Die Kernaussage ist und bleibt:

Du kannst machen was du willst! Nicht weil du meinst, du musst! 

Niemand kann dich zwingen, auch nicht die Umstände, denn die können wir (langfristig und gesamtgesellschaftlich) verändern!

Der Weg in die neue Berufswelt von Frauen

Die Beobachtung  Der Rückzug in die DIY-Branche als Alternative zur ursprünglichen Arbeitswelt: heimelig, übersichtlich und steht einfach und unbegrenzt offen.*

(* es ist natürlich nicht alles easy-peasy, wenn man neben den Kindern, Haushalt auch noch ein Business schmeißen muss!)

Denn ja, es ist hart. Egal, ob mit oder ohne Kind. Als Frau muss man sich behaupten, sich von Fragen zur Familienplanung distanzieren, bekommt weniger Lohn für gleiche Arbeit. Von sexuellen Anspielungen und geringerer Wertschätzung möchte ich gar nicht reden.

Es ist noch härter, wenn die Doppelt und -Dreifachbelsstung von Familie und Haushalt dazukommt. Dazu Schlafmangel, der bekannte Rotz und Kotz, Termine und …ihr kennt das ja. Steigt dann die Belastung, denkt man, das alternative Wege selbstgewählt sind. Aber ist es wirklich so oder wählt man nur den Weg des geringeren Widerstands?

Es gibt sie, die Profibloggerinnen und DIY-Unternehmerinnen!

Es gibt sie, die Profibloggerinnen, die krass-talentierten Näherinnen und Designerinnen von Schmuck und Kuchen. All diese wunderbaren, talentierten, erfolgreichen Unternehmerinnen.

Sie betreiben ihr Business mit Herz, Verstand und handwerklicher Perfektion. Ich bewundere sie! Den Vorwurf, Handarbeit und Kleinunternehmertum wäre antifeministisch, können sie getrost von sich abperlen lassen. Dies sind neue Wege der Emanzipation.

Die Gründerin von DaWanda, Claudia Helming, hat in einem (sehr lesenswerten Interview!) selbst gesagt:

„Wir schätzen den Anteil derer, die in DaWanda ihre primäre Einkommensquelle haben, auf rund 25 Prozent. Und ich sehe nichts Verwerfliches darin, mit einem geliebten Hobby finanziell unabhängig und erfolgreich zu sein! Heute hat Handarbeit nichts mehr mit der klassischen Rollenverteilung der 50er Jahre zu tun. Die Frauen sind kreativ, weil sie es möchten und nicht weil sie müssen.

Und dann gibt es die, die kreativ sein müssen!

Und dann gibt es die Anderen, den Grossteil der Shopbetreiberinnen, Bloggerinnen und Kreativen. Auf mittleren Niveau, aus anderer Motivation und mit geringerem Erfolg.

Wie kommt es, dass so wenige, die doch diesen Weg gehen gar nicht so erfolgreich und zufrieden sind? Eine mögliche Antwort: Dieser Weg ist nicht ihr Weg, sondern eine mehr schlecht als rechte Alternative zur Grundsicherung. Diese Frauen sind eben nicht kreativ, weil sie es möchten, sondern weil sie es müssen!

Was sind die Gründe für die Gründung?

Über die Gründe für die Gründungswelle von Frauen und Müttern berichtet „Mompreneurs“-Gründerin Esther Eisenhardt hier.

Wenn ich mich mit den Frauen darüber unterhalte, warum sie diesen Weg  gehen, sagen sie: aus Langeweile  (Mann verdient gut), bessere Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Beruf, ein bisschen Taschengeld und Angst! Und ich finde, Angst ist eine schlechte Motivation

Wovor haben wir Frauen Angst?

Vor dem Verlust der Wertschätzung

vor drangsalierenden Vorgesetzten

vor Kollegen, die sagen: ach, die hat doch jetzt geheiratet.  Die geht sowieso bald Kinder kriegen

Frau X, Kinder und Beruf bekommen Sie nie unter einen Hut

Gehöre ich wirklich wieder in den Job, oder doch lieber nach Hause zum Kind?

Angst und Identitätsverlust.

Was sind die Folgen dieser Entwicklung? Je mehr Frauen in die Online-Shops, Blogs und Bastelwelten abtauchen, fehlen sie an anderer Stelle. Dort, wo sie ausgebildet wurden, dort, wo sie gut und geschätzt waren. Dort, wo sie viel Zeit, Kraft und Geld in ihre Ausbildung investiert haben!

Es fehlt an euch, den qualifizierten Arbeitskräften, euer Know-how und eure Kreativität.

Die Zukunft braucht euch! In den Medien, in den Laboren und Klassenräumen.  Einfach überall!

Gestern habe ich schon ganz schön Kritik einstecken müssen. Ich weiß, dass Veränderungen nicht so einfach sind. Ich will keine kreativen Berufe abwerten und auch niemandem den Spaß an seiner Tätigkeit nehmen.

Manchmal ist es einfach nötig, seine Fähigkeiten zu Geld zu machen und sich kurzfristig beruflich umzuorientieren. Aus 12344331 Gründen. Einen tollen Beitrag gibt es aktuell dazu bei Frida (Elternblogs sind nicht politisch?!?!) und ich selbst habe am Anfang sehr im Job kämpfen müssen. Auch, weil ich eigentlich einen anderen Weg geplant hatte (Mein Beitrag zu #insidemon bei familie.de).

Unsere Bürgerpflicht: Kampf nach echter Wahlfreiheit! 

Wir leben in einer Demokratie und in dieser gibt es bekanntlich Rechte und Pflichten.  Unsere Pflicht besteht, neben dem Wählen, für uns einzustehen, uns nicht ausschließen zu lassen und die Umstände anzupassen, damit wir so leben können, wie wir es wirklich wollen!

Doch unsere Gesellschaft ist wohl noch nicht so weit. Und plötzlich ich bin Teil eines neuen Klassenkampfes.

http://www.familie.de/eltern/insidemom-miriam-885425.html

Bastelt, backt und näht und werdet großartig! Wenn euer Herz aber an eurem Job hängt, den ihr vorher hattet, dann lasst euch nicht abhängen!

In diesem Sinne: am Montag ist Tag der Arbeit 😉


Was mein Tweet übrigens nicht macht:
–  Bashing gegenüber DIY-Mütter/Blogger/Shopbetreiber. Ich finde Kreativberufe nicht weniger Wert als andere und sich darin zu behaupten ist ebenso schwer wie langwierig!
– ich kritisiere keine Frauen, die zu Hause Bleiben.  Schließlich soll jede Frau selbst entscheiden, wie sie ihr Leben gestaltet
– es ist kein Bashing gegen Männer.  Die Strukturen sind Männer gemacht, das System funktioniert. Keine Entschuldigung, nur eine Erklärung. Und sind wir mal ehrlich: jeder ist doch froh, wenn sich die Konkurrenz selbst aus dem Weg räumt und die nächste Sprosse auf der Karriereleiter frei macht. (Und ja, es gibt viele Männer, die nicht nach Karriere streben!)
Und zum Schluss ist noch zu sagen, dass dies auch keine Diskussion über die politische Relevanz von Blogs ist. Ach, und dann gibt es noch die, die mich antifeministisch nennen: sorry, Leute. Ich habe nur eine Beobachtung dargestellt und die Regeln nicht gemacht. 
Ein paar Links zum Thema gibt es auch noch: 
http://www.familie.de/eltern/insidemom-miriam-885425.html
https://www.businessladys.de/claudia-helming-bleibt-zaeh-und-lasst-euch-nicht-unterkriegen/?subscribe=success#blog_subscription-5
http://www.brigitte.de/aktuell/stimmen/selbermachen—hilfe–ein-haekeldiplom—oder-warum-der-diy-trend-ein-ende-haben-muss-10212230.html
 http://www.spiegel.de/karriere/geld-verdienen-mit-dawanda-und-etsy-so-gelingt-die-kreative-karriere-a-973339.html
by