Lichtgeflechte im Maximiliansforum: Jeongmoon Chois Installation In.Visible

jeongmoon choi invisible im maximiliansforum muenchen platform

Drawing in Space – a maze / Opernwerkstätten Berlin 2013, © Jeongmoon Choi

Wer diese Tage in die Maximiliansunterführung hinabgestiegen ist, der wird gemerkt haben, dort tut sich gerade Spannendes: Kisten stehen am Boden herum, UV-Lampen werden gehängt, ringsrum stehen Leitern, ein paar Strahler, hier und dort – nur der Baustellenlärm, der fehlt. Stattdessen kauert eine Frau im Halbdunkeln am Boden, arbeitet leise, umringt von Wollknäueln.

Verantwortlich für die kuriose Baustelle ist wieder einmal die Münchner PLATFORM. Schon mehrmals hat mich dieser (von mir lange Zeit unbekannter) Kulturort nun schon angenehm überrascht – zuerst mit der Ausstellung der What Remains Gallery, dann durch die vielen wunderbaren Einblicke, die ich im Rahmen unserer digitalen Invasion dort sammeln konnte. Spätestens als Marije Vogelzangs Pasta Sauna nach München kam, hatte ich mein Herz an diese brillante Kultureinrichtung verloren.

Was ich damals jedoch nicht wusste, war, dass es immer besser kommen würde. Denn kurz nach der Sommerpause legt die PLATFORM wieder bombastisch los und lädt die koreanische Künstlerin Jeongmoon Choi ins Maximiliansforum ein – eine Künstlerin, deren Arbeiten den Betrachter an die Grenze der Wahrnehmung von Raum, Licht und nicht zuletzt seiner selbst bringen.

Die Koreanerin, die seit 2011 in Seoul und Berlin arbeitet und erstmals nach München kommt, kleidet hier die Unterführung des Maximiliansforums mit einer Ausstellung namens In.visible ein. Eine Installation wie eine gigantische, begehbare Perspektivenstudie, bestehend aus Unmengen paralleler und sich kreuzender Linien, in kühlem UV Licht schimmernd, den Raum auf sein Knochengerüst der perspektivischen Züge reduzierend.

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Drawing in Space – transformation / Saatchi Gallery, London 2013, © Jeongmoon Choi

Das Ganze erbaut Jeongmoon von Hand, aus einzelnen Wollfäden, die sie an den Boden, an die Decke, durch Wände und quer durch den Raum spannt. Einer riesigen, computeranimierten Spinnwebe ähnlich zeichnet sich so eine zweite Ebene im Raum ab, eine Vielzahl von imaginären Linien, Flächen, Formen, reduziert und klar strukturiert, an der Grenze zwischen Illusion und Realität, zwischen Zwei- und Dreidimensionalität. Sie zeichnet frei, in der Luft schwebend, mit Faden, Linie und Licht.

“Was die Fadenlinie mit der traditionellen Zeichnungslinie verbindet, ist ihre Beziehung zur Freiheit  des „disegno“, im Italienischen nicht nur Zeichnung, sondern auch Entwurf, freies Schweifen der kreativen Phantasien bedeutete. Hier holt Jeongmoon Choi einen besonderen Vorzug der Fadenlinie ans Licht. Sie kann sich nämlich lösen von einer Trägergrundlage, kann aufgrund ihrer Materialität frei im Raum verspannt werden und so Räume real und zugleich ephemer gestalten. Andererseits löst sich die Zeichnung mithilfe des UV-Lichts dort, wo sie sich auf einen Bildträger stützt, egal ob sie die Grenzen eines Binnenraums nachzeichnet oder aber mit Fäden freihändig operiert, in einem dynamischen Schwebezustand von ihrem Bildträger”, so Ursula Panhans-Bühler in Jeongmoon Choi, Fadenräume (Kerber Verlag, Bielefeld, 2011).

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PULS / Moeller Fine Art, Berlin 2013, © Jeongmoon Choi

In.Visible  eröffnet am kommenden Freitag, den 17. Oktober und ist vom 18. Oktober bis zum 14. November in der Unterführung des Münchner Maximiliansforums zu sehen.

Zur Langen Nacht der Museen am kommenden Samstag ist der leuchtende Fadenraum ebenso dem Publikum geöffnet: Elektromusiker und Komponist Beni Brachtel alias Bartellow (dessen Soundperformances ich schon einmal erleben und erzählen durfte) wird die delikaten Fadenkonstrukte Jeongmoon Chois akustisch interpretieren. Wenn das mal kein Kulturtipp ist!

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PULS / Moeller Fine Art, Berlin 2013, © Jeongmoon Choi

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PULS / Moeller Fine Art, Berlin 2013, © Jeongmoon Choi


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