Leute, demonstriert! – aber bitte nicht für den Schutz des heranwachsenden Gottesgeschenkes…

Zum neuen Demonstrationsverständnis

von Dennis Riehle

Man mag es dieser Tage kaum glauben: Da kehrt in Deutschland ein Verhalten ein, was die braven Bundesbürger schon seit zwanzig Jahren verlernt zu haben schienen. Ja, es ist wieder Trend, zu demonstrieren. Auf die Straße zu gehen und Position zu zeigen. Proteste sieht man dieser Tage allerorten: Gegen Gesundheitsreform und Tiefbahnhöfe, gegen Banker-Boni und Kernenergie.

Ach ja, und da waren auch noch 1500 andere, die Flagge zeigten: Ein oft belächeltes und in vielerlei Perspektive ein armseliges Volk, das sich für Gottes größtes Geschenk stark macht. Wie jedes Jahr zog man durch die Hauptstadt und traf auf die ebenfalls schon traditionellen Feministen und die, die Babys eher als Last statt als Wunder sehen.

In allen Medien waren die neuen Protestbewegungen Thema. Doch von denjenigen, die sich für den Schutz der Mütter, die sich klar zum Nachwuchs bekennen, einsetzen, war nicht viel zu hören. In christlichen Medien wurden die Teilnehmerzahlen als Erfolg gefeiert – und doch muss sich eine Bevölkerung schämen, die zu Zehntausenden auf die Straßen geht, um sich über die weltlichen Probleme zu empören, aber sich um die Grundlage für einen Fortbestand unseres Landes keine Gedanken macht.

Dabei haben bereits in den vergangenen Wochen zahlreiche kirchliche Verantwortliche, vor allem von evangelischer Seite, für Verwunderung gesorgt: Stillschweigend zog man sich zurück, wenn es um Stellungnahmen für die Initiativen ging, die sich deutlich dafür aussprachen, sich von einer Selbstverständlichkeit zu entfernen, die heute täglich in vielfacher Weise in Praxen und Krankenhäusern tolerierend hingenommen wird.

Und dies erzürnt gerade dann, wenn solch ein Rückzug derjenigen, die in besonderer Weise von Werten und Moral reden, auch noch in die Kerbe trifft, die man mittlerweile in der Öffentlichkeit zuhauf beobachten kann: „Das Geplärre nervt mich!“, „Der Wagen steht mir im Weg!“ oder „Gib ihm die Trinkflasche, dann ist Ruhe!“– typische Ausdrücke, die verdeutlichen: Offenkundig sind die nicht mehr geduldet, die später einmal die Rente derer tragen sollen, die heute über sie schimpfen.

Bei Sozialabbau und Umweltschutz wird für Nachsicht und Verständnis demonstriert – wenn es um „störenden Kleinen“ geht, demonstriert man Ignoranz und Kälte.


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