Letztes Trainingslager vor’m Ötztaler | Hitzeschlacht beim Giro Delle Dolomiti

Puls 185. Viele Schläge fehlen nicht mehr bis zum Maximum. Gefühlt 50 Grad. Ein Wimpernschlag, ein bereits schmerzverzerrter Blick nach links oben. Verdammt da ist sie, die Baude, oben am Penser Joch. Mit 14 km/h fahre ich am Kontrollschild vorbei. Noch zwei Kilometer. Noch 2000 Meter den Packt mit dem bittersüßen Schmerz aufrechterhalten. Am Hinterrad spüre ich ihn. Ein anderer Leidensgenosse hat sich an mich drangehängt. Auch sein Trikot flattert im Wind, wie die bunten Gebetsfahnen im Himalaya.

Wir sprinteten für das geile Feeling

Wenige Minuten später nehme ich, wenn auch leicht benommen, die Anfeuerungsrufe meines Cousins, meiner Mutter sowie einiger Schaulustiger wahr. Zehn Meter vor der Bergwertung setzt der Kollege, der fast die ganze Zeit am Berg meinen Windschatten genießen durfte, doch tatsächlich zum Sprint an! Attackiert mich sozusagen. „Was? Niemals!!!“, denke ich mir und switche kopflos ein paar Gänge hoch. Wir sprinten völlig leer gepumpt um nix. Wobei, Nein! Das stimmt nicht. Wir sprinten doch um etwas. Um das Momentum. Um dieses geile Feeling. Völlig benebelt und instinktiv bestätigen wir die viel zitierte Floskel:

Du weißt nie, wo dein Limit ist, nur wo es nicht ist.

Kurz vor der Ziellinie dachte ich noch, dass nix mehr im Tank sei. Irgendwie noch drüber retten… Und dann die Attacke…Gut, wahrscheinlich hätte uns in diesem Moment ein vierjähriger mit seinem Dreirad abziehen können. Doch Hauptsache nochmal All-out bis das Blut in‘ Hals schießt ne…

Kurzum: Dieses Bergzeitfahren hatte es in sich! Knapp siebzig Minuten an der Schwelle. Oder darüber? Keine Ahnung, hatte sich doch 2 Kilometer davor der Leistungsmesser „verabschiedet“. So ein Bastard ey 😀 Aber Contenance! Es war auf jeden Fall ein guter Ausgleich zum sonst eher lockeren Kurbeln beim diesjährigen Giro delle dolomiti.

Muss mich zügeln, nicht ständig an den Kühlschrank zu gehen

Montag, 7. August 2017. Hier sitze ich nun mit knurrenden Magen. Irgendwie habe ich trotz gutem Frühstück, Quark, Leinöl und Kartoffeln zum Mittag immer noch Hunger. Ist das der Nachbrenneffekt? Verlangt mein „System“ die tausenden Zusatzkalorin, die er in den letzen Tagen rein bekommen musste? Ich denke schon! Ich muss mich echt zügeln, nicht ständig an den Kühlschrank zu gehen. Denn jetzt sind es nicht mal mehr 3 Wochen bis zum Ötztaler. Obendrein hat uns unser Coach vom Alpecin-Team heute Morgen eine E-Mail mit folgendem Anliegen geschickt:

Bitte schickt mir bis Ende nächster Woche euer Gewicht, damit ich euch das Pacing für die einzelnen Berge beim Ötzi umrechnen kann“.

„Stark bleiben, Sören!“… Zum Glück ist dieser Text gleich fertig abgetippt, der Kaffee ready zum ausschlürfen und Tidus ebenfalls bereit für eine kleine Spritztour. Nur ne Stunde locker. Nochmal die Trainingslagerwoche in Italien Revue passieren lassen. Denn auch wenn wir, mein Cousin und ich, nur 3 der 6 Etappen des Giro delle Dolomiti mitgenommen haben, war es doch ein sehr freshes Highlight. Okay, fresh ist definitiv das falsche Attribut dafür. Wenn Du selbst beim Essen und Schlafen anfängst zu schwitzen, könnte es leicht warm gewesen sein. Jeden Tag über 30 Grad! Die ganze Woche. Teilweise sogar bis 40. Und wenn du dich dann auch noch in der Innenstadt einquartiert hast, weißt Du spätestens nach der ersten Nacht, dass das ein Fehler war 😀

Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Immerhin hätte es auch regnen können. So wie ein Tag nach unserer Abreise. Oder ich hätte krank sein können. Oder verletzt. Oder oder…

Einfach das nehmen, was man bekommt!

Und so waren auch die 25 Wochenstunden auf dem Sattel in der glühenden Hitze irgendwie ein Genuss. Es ist halt auch geil, wenn du, wie im szenischen Intro beschrieben, mit flatternden Trikot im Dumoulin-style Penser Joch und Co. erklimmen darfst.

Fazit zum Giro Delle Dolomiti ?

Für jeden Radsportliebhaber, Hobbyradler, Aktivurlauber und ambitionierten Jedermann, kann ich den Giro delle Dolomiti absolut empfehlen. Die Organisation ist größtenteils top (bis auf die nervigen, weil langsamen, Abfahrten!). Das Feeling, mit Hunderten anderen im Peloton ein bisschen die Tour nachspielen zu dürfen, ist richtig geil! Auch die täglichen Bergwertungen (einzige Zeitmessung) kommen richtig gut. Einzig, wenn du richtig stark bist, etwa in der Kategorie „Top30 beim Ötztaler“ oder so etwas, wirst du dich vielleicht die meiste Zeit unterfordert fühlen. Das Tempo ist außerhalb der zeitgestoppten Bergwertungen für jeden Hobbyradler absolut machbar. Wenn Du also keinen Trainingsnutzen daraus mitnehmen kannst, und dich dann auch nicht an der megageilen Dolomitenkulisse ergötzen kannst – #youcantalwasygetwantyouwant – dann ist der Giro vielleicht nicht das richtige Event zur Vorbereitung für den Ötztaler Radmarathon.

In meinem Fall war es genau umgekehrt. Die Umfänge konnte ich nochmal gut gebrauchen. Auch die längeren Bergwertungen als spezifischen Trainingsreiz tüte ich gern ein! 25 Stunden Training, über 600 Kilometer und mehr als 7000 Höhenmeter?! Kommt nochmal richtig gut! Und der Coach ist auch mit den Leistungen zufrieden. Alles tippitop!

P.S. und im nächsten Blogbeitrag am Sonntag möchte ich Dir noch von meinem Zeitfahr-Fail bei der letzen Etappe des Giro’s erzählen. Endlich hatte ich mal Chancen auf’s Podium, aber dann kam es halt doch anders, als ich dachte… 😀


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