Leseabenteuer für Nerds – William Wenton und die Jagd nach dem Luridium

Von Mutterundsoehnchen @Marsha_
Lesen ist wie Kino im Kopf. Jedenfalls ist da bei mir immer so. Aber wie ist das mit einem 6-jährigen Jungen? Kann der sich auch alles so gut vorstellen, vor allem, wenn ein Buch so ganz ohne Illustrationen und Comics auskommt? „William Wenton und die Jagd nach dem Luridium“ ist ein Buch, das ganz ohne Zeichnungen auskommt – und dazu mega spannend. Wir wagen uns an unseren ersten Science-Fiction-Kinderroman – pures Kopfkino für Kinder ab 10 Jahren, die Rätsel, Abenteuer und Roboter lieben! Wenn William Wenton Rätsel löst, dann ist das ein magischer Moment, in dem die Zeit still zu stehen scheint. Doch als er einen angeblich unlösbaren Code knackt, werden seine Eltern bedroht und William von geheimnisvollen Fremden an das Institut für Posthumane Forschung entführt. Eine Einrichtung, die sich mit Kybernetik und Robotertechnik beschäftigt. Hier erfährt er, dass er zu den so genannten Kandidaten gehört, die alle mit einem Orbis, einer Art fliegender Kugel, arbeiten. Doch dann forscht William etwas nach und stößt auf ein Geheimnis über das gefährliche Luridium, das mit seinem verschwundenen Großvater zu tun hat. Doch wem kann William eigentlich vertrauen? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Und William erfährt etwas Unglaubliches, das mit ihm zu tun hat.
William blieb wie gelähmt auf der Treppe stehen. Dann hörte er seine Mutter aufschreien und seinen Vater noch einmal rufen: „LAUF! WILLIAM! LAUF!“ William drehte sich um und rannte die Treppe wieder hinauf.
 

Das Code-Genie William Wenton in der Welt der Roboter

Das sagt Mutter – Gleich am Anfang der Geschichte werden so viele Fragen aufgeworfen: Warum ist Williams Opa vor acht Jahren spurlos verschwunden? Wieso hat William mit seinen Eltern damals England verlassen? Vor wem oder was sind sie geflohen? Und warum möchten Williams Eltern nicht, dass er Codes knackt? Überhaupt ist es schwer zu verstehen, was damit gemeint ist. Codes, das scheinen metallische Zylinder voller Elektronik zu sein, die nur wahre Genies mit der richtigen Kombination öffnen können. Manchmal ist es nicht so einfach, dem Handlungsverlauf zu folgen und sich alles vorstellen zu können. Denn oft werden Situationen und Gegenstände nicht detailliert beschrieben. Und auch die Charaktere – William, Iscia und Goffmann – entwickeln sich nicht so richtig weiter. Dadurch wirkt die Story an einigen Stellen etwas „flach“. Und dabei hat die Idee hinter der Geschichte so viel Potenzial. Gerade im Institut für Posthumane Forschung hätte ich mir mehr Tiefgang zu all den wundersamen Erfindungen und Robotern gewünscht. Denn hier gibt es Roboter mit allen möglichen, unmöglichen und witzigen Funktionen. Eine Freude für Leser, die sich für technischen Krempel begeistern können.
„Nimm den hier, zum Beispiel“, sagte jetzt Bulter. „Das ist der Allerunbrauchbarste von allen. Ein Zank-Oboter“, fügte er mit verächtlicher Stimme hinzu. „Das sind gemeine und boshafte Gerüchte“, sagte der Zank-Oboter schroff. „Was macht ein Zank-Oboter?“, fragte William. „Der zankt sich natürlich“, sagte Bulter und wollte weitergehen.
Zank-Oboter, Vertikal-Oboter, sprechende Türen, mechanische Käfer, coole Hologramme und Hybrid-Pflanzen – das Institut ist ein riesiges Forschungslabor. Und ein Internat für hochbegabte Kinder, in dem sich das authistische Genie William richtig wohl zu fühlen scheint. Naja, vielleicht interpretiere ich auch diesen „Autismus“ einfach nur hinein, da gerade die Dialoge sehr abgehakt und emotionslos wirken. Oder ist das nur der Übersetzung vom Norwegischen ins Deutsche geschuldet? Wenn dem nicht so ist, hätte ich mir an dieser Stelle sehr gewünscht, dass Iscia als humorvoller schlagfertiger und sarkastischer Gegenpart noch etwas mehr herausgearbeitet worden wäre. Ansonsten ist „William Wenton“ ein spannendes Abenteuer, dessen Handlungswendungen mich oft überrascht hat. Vor allem die Auflösung rund um die Geheimnisse, die William betreffen, ist ein schlüssiger und gut durchdachter Knaller! Eine Verfilmung könnte ich mir wirklich sehr gut vorstellen. Das sagt Söhnchen – Mama, das ist sooo spannend. Was verfolgt William denn bloß? Ist das auch ein Roboter? Das ist irgendwie gruselig. Bitte noch nicht aufhören! Ich kann sonst unmöglich einschlafen, wenn ich nicht weiß, wie es weitergeht. Psst: Anfang November erscheint „William Wenton und das geheimnisvolle Portal“.

♥ Autor: Bobbie Peers
♥ Übersetzung: 
Gabriele Haefs
♥ Verlag: Carlsen
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ISBN: 978-3-551-55367-6
 Altersempfehlung: ab 10 Jahre
 Preis: 14,99 €