Leibniz war kein Butterkeks

mss_leibnitzEine gute Idee hatte Rainer Buchheim, der in seinem Blog das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon sozusagen “live” rezensierte:

[...] Beim Lesen des Vorwortes kommt mir eine Idee: Warum erst rezensieren, wenn ich damit durch bin? Dann gibt es garantiert bereits eine Menge hervorragender Kritiken von weitaus klügeren Köpfen verfaßt als dem meinen.
Das Buch ist in Dialogform geschrieben, also trete ich doch einfach mal gleich beim Lesen in einen Dialog mit dem Buch – so wie man gewöhnlich bereits während des Speisens den Braten preist oder das Haar aus der Suppe fischt, um im obigen Bilde zu bleiben. Ich werde also in den kommenden Tagen an dieser Stelle einige Gedanken zum Buch äußern, so wie sie mir (hoffentlich) beim Lesen in den Sinn kommen, ungeordnet aber dafür frisch wie ein guter Butterkeks.

Und da fällt mir auch schon ein Satz auf, der das Zeug zum Geflügelten Wort hat:
„…Nachdenken ist nicht nur vernünftiger als Nachbeten, es macht auch viel mehr Spaß!“ (Vorwort, S. 11)

Ein allgemeinverständliches philosophisches Buch, völlig frei von irgendwelchem transzendentalen Gefasel – wie gut das tut. Dabei entbehrt der launige Plauderton keineswegs der Tiefe:
„…hätte Kant neben seiner skandalösen Religions- und Ideologiekritik auch noch eine Evolutionstheorie entworfen, wäre der Königsberger Philosoph wohl zu Königsberger Klopsen verarbeitet worden…“ (S. 33)
Hinter diesem schwarzhumorigen Satz schaut doch die jahrhundertelange Tragik der Wissenschaftsfeindlichkeit mächtiger klerikaler Dogmatiker hervor, die sich bis heute modernen Erkenntnissen verweigern und, hätten sie noch immer die Macht dazu, nicht davor zurückschreckten, diejenigen physisch zu vernichten, die diese Erkenntnisse öffentlich vertreten.

Der Autor zitiert Ludwig Wittgenstein: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“ (S. 34f) Ooh, was bliebe uns an Schwachsinn erspart, könnten sich die Menschen daran halten! Oder, um es etwas moderner mit Dieter Nuhr auszudrücken: „Wenn man keine Ahnung hat einfach mal Fresse halten!“

Vor gefühlten Jahrhunderten, während meines Studiums, las ich o.g. Kant – und verstand so gut wie nichts, am allerwenigsten das Ding mit dem Ding an sich; das Ding für mich stand mir offenbar damals schon näher (Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.). Wie Lea und Michael über die Welt an sich und ihren Unterschied zur Welt für uns debattieren – das endlich leuchtet mir ein. Sollte ich noch einmal zu dem alten Königsberger greifen?

Eine besondere Freude beim Lesen stellt sich ein, wenn ich hier nach und nach all die treffenden, pointierten Formulierungen Michael Schmidt-Salomons aus seinen Interviews und Talkshows wiederfinde, wie zum Beispiel solche über das merkwürdige Verhältnis von Wissen und Glauben; einerseits innerhalb des Individuums:
„Im Alltag agieren diese Menschen absolut vernünftig, doch sobald es um Fragen der Religion geht, setzt bei ihnen irgendwie der Verstand aus. Wie sonst soll man erklären, dass es Frauenärzte gibt, die sechs Tage die Woche einen tollen Job machen, aber am siebten Tag an die ‘jungfräuliche Geburt’ glauben?“ (S. 40)
und andererseits zwischen verschiedenen Individuen:
„Ein Wissenschaftler weiß, dass er etwas glaubt, was ihm heute gültig erscheint, vielleicht aber schon morgen widerlegt ist. Ein Gläubiger hingegen glaubt, dass er tatsächlich etwas weiß, was noch übermorgen gültig sein wird, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist.“ (S. 41)
Wer von uns mit Gläubigen debattiert, merkt in der Regel sehr bald, dass sie, was ihre Glaubensfragen betrifft, sachlichen Argumenten kaum zugänglich sind. Hier scheint mir der Hinweis auf Sokrates sehr nützlich: Versuchen wir doch einmal wie er mittels scheinbar naiver Fragen das vermeintliche Wissen unserer Gesprächspartner und Belege für ihre Überzeugungen herauszukitzeln, möglichst so lange, bis sie sich in ihrem eigenen Garn verheddern. Allerdings werden auch wir damit wahrscheinlich nicht nur Freunde gewinnen. Allzuviel hat sich eben doch nicht geändert in den letzten rund zweieinhalbtausend Jahren.

MSS’ unschlagbare Argumentation, die Bonmots, die anschaulichen, die launigen Beispiele – so muß Philosophie daherkommen, damit sie für viele lesbar, ja spannend wird und in der Lage ist, Menschen zum Nachdenken anzuregen, die bisher über sowas nicht nachgedacht haben – ich denke dabei vor allem an jüngere Leute.
Und diesen inhaltlich starken Tobak so locker zu schmauchen, das zeugt schon von ein wenig Meisterschaft. [...]

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