Leben aus dem Computer?

Es gibt Wortkreationen die etwas länger benötigen um verstanden zu werden. Zum Beispiel die neueste Wortschöpfung aus dem Graig Venture Labors: „synthetisches Leben“ hergestellt. In der Tat eine außergewöhnliche Nachricht die der Allgemeinheit von allzutrivialen Problemen wie die Griechenlandskrise, eine undichte Leitung vor dem Golf von Mexiko und ähnliche unwichtige Nebensächlichkeiten.

Synthetisches Leben ? Was ist das überhaupt? Leben aus Plastik? Aus der Fabrik ? Wie sollte das funktionieren? Zugegebenermaßen es dauert eine Weile und einiges an biotechnisches Verständnis bevor man überhaupt verstand, worum es bei der neuesten Errungenschaft aus dem Craig Venture Labors hervorging.

Die „Zeit“ zögerte nicht lange und veröffentlichte eine tiefsinnige Überschrift: „Was ist leben?“ In der Tat eine verdammt gute Frage.

Doch bevor wir uns mit den philosophischen und theologischen Aspekten der Entdeckung befassen, sollten wir vielleicht versuchen zu verstehen, was die Genforscher da erschaffen hatten. Nämlich was, was sonst angeblich nur Götter zusteht: Leben in ihre reinste Form zu kreieren. Ist das wirklich so?

Seit der Entdeckung der Doppel-Helix durch Francis Crick und James Watson im Jahr 1953 liess sich die Information aus dem Leben überhaupt besteht aus vier trivialen Basen zurückführen.Wenn man nur die Anfangsbuchstabe der jeweiligen Base nimmt, ergibt sich so was wie ein Alphabet der nur aus vier Buchstaben besteht, G,A;T;C. Falls es ein Buch des Lebens gibt, es ist mit nur vier Buchstaben geschrieben. Das soll alles gewesen sein ?Und das schlimmste kommt noch: Menschliche Information besteht aus den gleichen Buchstaben wie die von Bakterien und sonstige niedrige Lebewesen. Nicht mal ein Sonderalphabet für die stolzeste Gattung des Universums.Wir müssen und die gleichen vier Buchstaben mit Bakterien, Viren, Algen, Blumen, Bäume, Affen und sonstiges Leben teilen.

Aber zumindest ein Dogma blieb noch bestehen: das Leben nur aus was lebendiges erzeugt wird. Man braucht also ein ganzes Lebewesen um ein anderes zu erzeugen.Eine Art „Hähne-Ei“ Problematik also. Jede replizierfähige DNA stammt aus einem bereits existierenden Strang. Die Kette lässt sich dann gedanklich zurückverfolgen bis zu jenem unbekannten Code welches irgendwann zum ersten Mal existierte und das Ur-Ur-Ur-Lebensform darstellte.Da können gerne die Weltreligionen einspringen und das Ur-Lebewesen für sich bzw für den jeweiligen Schöpfer Anspruch erheben.

So schön dieses Dogma war,  es exisitierte nur bis Anno Domini 2010. Denn in diesem Jahr gelang es DNA zu „synthetisieren“, also künstlich herzustellen.  Die genetische Folge wurde also nicht von einem Lebewesen erzeugt, sondern von einem Labor. Der geheimvolle Text aus vier Buchstaben stammte aus einer simplen Computer-Datei. Sie müsste etwa so aussehen: GTACACCAT….GCTACTCA.. bis 10.000 Buchstaben lang.

Aus diesem „Urtext“ wurden die vier Basen aus dem Labor zusammengereiht in exakt dieser Reihenfolge (Mutationen wollte man ja nicht so früh einführen) und einem lebenden Bakterium eingepflanzt. Das arme Einzeller konnte nicht unterscheiden, was für einen Gencode man es gerade unterjubelt hatte undfing es an, fleissig den Code weiter zu replizieren und viele neue frischgebackene Bakterien mit ihren „künstlichen“ Code zu erzeugen.

DasBakterium existierte also vorher und stammte nicht aus einem Computerspiel, Craig Venture ist also nur ein „Mini-Schöpfer“,der nur ein Teil eines Lebewesen erzeugt hat und kein Ganzes. Schlimmer noch: er hat es nicht mal erschaffen, sondern die Buchstabenfolge plagiatorisch aus einem anderen Lebewesen kopiert.

Trotzdem ist die Kreation an Kühnheit kaum zu überbieten. Denn man hat ja eine real existierende DNA Kette ihre ureigenste Informationsinhalt destilliert, wieder aus tote Materie zusammengebaut und sie in einem lebendigen Objekt eingepflanzt wo sie munter weiterlebte, was vor einigen Tagen nur eine Computerdatei war. Schon eigenartig, aus Computerbuchstaben Genen zu erzeugen,

Das Experiment hat uns auf trivialer weise daran erinnern, was Leben eigentlich ist. Reine Information, sonst nichts. Der Sinn des Lebens ? Einfach diese Information möglichst Fehlerfrei über die Zeit zu transportieren. Eine art hochkomplexe Welle die über die Zeit fortschreitet, völlig Sinnfrei, nur um des transportieren und replizieren willens.

Selbst das Vorhandensein von zwei unterschiedlichen Geschlechtern geschieht nur als reine Kopierschutzmechanismus, um das bekannte Problem der „Kopie-der-Kopie“ zu vermeiden und möglichst fehlerfrei zu übertragen.

Kann das alles gewesen sein ?

Eigentlich nicht, denn Menschen sind ja nicht übergroße Bakterien, sondern können selbst neue Informationsinhalte schaffen und über die Zeit zu retten. Dazu bedienen sie sich nicht nur aus 4 Buchstaben sondern sogar aus ganzen Alphabeten, je nach Kultur zwischen ein paar Dutzende und ein paar Tausende. Grosse Mengen an Informationen die von einer bestimmten Menschengruppe erschaffen wurde nennen sie „Kultur“ und versuchen sie ebenfalls über die Zeit zu bewahren, ganz nach dem Vorbild ihren einzelligen Vorfahren.


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