Lasst uns gastfreundlich sein - oder besser formuliert: flüchtlingsfreundlich

Lasst uns gastfreundlich sein - oder besser formuliert: flüchtlingsfreundlich

Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,
heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Claus März zu lesen geben, nacherzählt von Peter Graf v. Eysselsberg:

„Gastfreundschaft beschenkt auch sich selbst!“

„Vor langer Zeit, da gab es einmal eine Stadt, deren Einwohner lebten glücklich und zufrieden, bis die Stadt von einem Krieg heimgesucht wurde:

Fremde Soldaten und viele Menschen, die ihnen nachfolgten in diesen Kriegswirren, raubten die Stadt und ihre Einwohner aus. Sie vergewaltigten brutal viele Frauen und missbrauchen zahlreiche Kinder auf schreckliche Weise.

Flüchtlinge kamen von fern und bettelten derartig hartnäckig, dass den Einwohnern kaum noch selbst etwas zum Leben blieb. Und das Wenige, das ihnen noch geblieben war, raubten ihnen durchs Land ziehende Räuber.

Als endlich wieder Ruhe und Friede im Land eingekehrt waren, bauten die Einwohner die Mauern um die Stadt so hoch, dass sie niemand mehr übersteigen konnte. 

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Die Gräben rings um die Stadt gruben sie so tief und machten sie so breit, dass sie niemand mehr überwinden konnte, und die Tore wurden so fest eingemauert und das Eisen der Tore so sehr verstärkt, dass keiner sie mehr aufbrechen konnte.
Alle Freunde wurden zu Feinden erklärt.

Schließlich mieden selbst die Bettler die Stadt.
Bald kam niemand mehr.
Die Blumen blühten nur noch für die Einwohner, die Glocken im Kirchturm zeigten durch ihr Läuten nur noch für die Einwohner die Stunden an und niemand brauchte mehr etwas mit einem Anderen zu teilen.

Aber dann begannen die Einwohner, auch die Häuser voreinander zu verschließen.
Misstrauisch lauerten die Einwohner darauf , ob Andere sie betrügen wollten.

Eines Tages – seit dem Krieg war inzwischen eine lange Zeit vergangen – klopften drei zerlumpte und ausgehungerte Kinder ans Stadttor. Sie wurden von den Wachen unwirsch wieder fortgeschickt, sie waren aber derartig entkräftet durch den Hunger, dass sie die ganze Nacht vor dem Stadttor im Dreck liegen blieben.

Einige Bewohner hatten aufgehorcht, als die Kinder ans Stadttor klopften, weil schon so lange keiner mehr um Einlass gebeten hatte und konnten es einfach nicht mehr mit ansehen, wie die ausgehungerten Kinder dort lagen.

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Sie sorgten dafür, dass das Stadttor einen Spalt geöffnet wurde und versorgten die armen Kinder mit Essen und neuen Kleidern.
Als die Kinder, durch Essen und Trinken gestärkt, nach drei Tagen ihren Weg fortsetzen konnten, sagten die Menschen in der Stadt nach dem Abschied:
„War es nicht schön, den Kindern zu helfen? In Zukunft wollen wir wieder die Tore offen halten und jeden in unserer Stadt willkommen heißen.“

Bald schon merkten die Einwohner, dass dies nicht nur ein großes Geschenk für die Anderen war, sondern auch für sie selber.“

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Ihr Lieben,
diese Stadt in unserer heutigen kleinen Geschichte ist ein Gleichnis für unser Leben.

Wenn uns Ungerechtigkeit widerfährt, wenn uns Böses angetan wird, wenn uns Menschen demütigen oder verleumden, dann verspüren wir in uns die Neigung, uns aus dieser Welt zurückzuziehen. Wir ziehen uns zurück wie in einen Turm, in den von außen niemand eindringen kann.

Aber das ist gefährlich, denn wenn wir uns aus dieser Welt zurückziehen,
dann werden wir einsam.
Und wenn wir mit dem erlittenen Unrecht, dem Bösen, das uns angetan wurde, den Demütigungen und Verleumdungen, die wir erfahren haben, allein bleiben, dann sind wir nicht nur einsam, nein, dann wächst in uns die alles vergiftende Pflanze des Zorns, der Wut und der Rache heran.

Das Gift dieser Pflanze kann unser ganzes Leben zerstören, weil unsere Seele und unser Geist dann nur noch auf Rache und Vergeltung ausgerichtet ist.
Wenn wir das zulassen, dann gestatten wir den Tätern, die uns Böses angetan haben, dass sie noch einmal Macht über uns haben, indem unser Leben durch das Gift der Rache zerstört wird.

Der einzige Weg, der uns aus unserer eigenen, selbst gewählten Gefangenschaft und Einsamkeit herausführt, ist, die Türe unseres eigenen Gefängnisses zu öffnen und das Böse mit Gutem zu vergelten.

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Versöhnung tut not!
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Du bist einsam?
Dann lade doch mal jemand zu Dir zum Kaffeetrinken oder zum Abendbrot ein! Es sind weit mehr Menschen, die sich Deine Einladung freuen würden, als Du denkst!

Du bist verbittert und kannst das Schreckliche, das Dir angetan wurde, nicht vergessen?
Ich kann Dich aus tiefstem eigenen Erleben sehr gut verstehen und Du wirst das Böse auch niemals vergessen können. Das stimmt. Aber Du kannst es überwinden, indem Du Dich von der Vergangenheit abwendest und der Gegenwart zuwendest und Menschen hilfst, die in Not sind und Dich brauchen.

Du bist als Kind geschlagen worden?
Dann setze Dich dafür ein, dass in Zukunft weniger Kinder geschlagen werden!
Du bist missbraucht worden?
Dann hilf mit, die Kinder in Deiner Umgebung vor Missbrauch zu bewahren!
Du bist gedemütigt worden?
Dann hilf mit, dass den Menschen in Deiner Umgebung mit Respekt begegnet wird!

Wir sollten unser eigenes, selbst gewähltes Gefängnis öffnen, wir sollten es zu einem Haus der offene Tür machen, wir sollten gastfreundlich werden. Denn wer gastfreundlich ist, beschenkt nicht nur den Gast, sondern auch sich selbst.

Lasst uns gastfreundlich sein - oder besser formuliert: flüchtlingsfreundlichIhr Lieben,ich wünsche Euch ein ruhiges Wochenende  mit viel innerer Gelassenheit und tiefer Freude und ich grüßen Euch herzlich aus BremenEuer fröhlicher Werner

Lasst uns gastfreundlich sein - oder besser formuliert: flüchtlingsfreundlich

Quelle: Karin Heringshausen


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