Langeweile und Einsamkeit – Auslöser für Übergewicht?

Koball AM, Meers MR, Storfer-Isser A, Domoff SE, Musher-Eizenman DR. – all diese Wissenschaftler haben sich zusammengetan, um das emotional eating – das Essen aus einer Gefühlslage heraus  – zu untersuchen. Dass Menschen bei Frust und Traurigkeit öfter nach Trostessen greifen, haben viele sicher schon an sich selbst beobachtet. Unser Körper belohnt uns ja mit einem Glückshormon, wenn wir etwas Leckeres zu uns nehmen.

Die Studie setzte 139 Personen, über die nichts Näheres bekannt ist, Fragebögen vor, um zu erfassen, welche Gefühle sie zum Essen greifen lassen. Neben 25 Punkten, die der EES (Emotional Eating Scale  - Skala für emotionelles Essen) entnommen worden waren, fanden sich auch noch sechs Punkte, die speziell auf Langeweile abzielten.

Bei den offenen Fragen stellte sich heraus, dass die Teilnehmer öfter Langeweile hinschrieben als andere Gefühlsregungen und auch bei den vorgegebenen Punkten wurde “essen, wenn gelangweilt” am häufigsten angekreuzt.

Das Wissenschaftlerteam rät nun, sich mit Langeweile gesondert zu befassen.

Die Medizinjournalistin und Ärztin Dr. med. Dunja Voos greift in ihrem Blog diese Studie auf und fordert, dass man sich nicht nur mit der körperlichen Seite von Übergewicht befassen sollte, dass alle Ernährungsberatung und dass  Sporterziehung nicht wirken können, solange die Faktoren Einsamkeit und Langeweile unberücksichtigt bleiben. Den dicken Menschen in ein Umfeld versetzen, wo er sich nicht mehr isoliert und ausgeschlossen fühlt, würde weit mehr bewirken.

Ich kann dem zustimmen. Sich mit anderen Gleichgesinnten treffen, sich alles von der Seele reden können, auf Verständnis stoßen und zusammen etwas unternehmen, ist für das Wohlbefinden gerade vereinsamter dicker Menschen viel wertvoller als jeder Ernährungsratgeber und Sportcoach.

Wir sollten auch die Umkehr nicht außer acht lassen: Einsamkeit und Langeweile mögen auch zum Dickbleiben beitragen, doch wurde nicht vielfach erst die Langeweile und Einsamkeit durch ein paar Kilo zuviel ausgelöst? Durch Isolation in der Schule, in der Klasse? Durch Sticheleien angeblicher Freunde/Freundinnen? Durch gehässige Bemerkungen, die so tief verletzt haben, dass man sich lieber in den eigenen vier Wänden vergräbt, als in einem Schwimmbecken Spaß zu haben, auf der Parkbank ein spannendes Buch zu lesen oder die neueste Ausstellung in einem Museum zu bewundern.

Es ist wichtig, beide Seiten der Medaille im Auge zu behalten, die dicken Menschen zu stärken, dass sie selbstbewusst sich aus der Umklammerung ihrer Einsamkeit und Langeweile befreien wie auch die Gesellschaft zu verändern, dass sie aufhört, dicke Menschen wie Aussätzige im Mittelalter zu behandeln.

 


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