Lamin versteht Europa nicht

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Lamin ist 31 Jahre alt. Der grosse und ein bisschen schlaksige junge Mann hat es geschafft. Vor drei Jahren hatte er in seinem armen afrikanischen Land allen Mut zusammen genommen, sich Geld geliehen und ein kleines Restaurant unweit der grossen Touristenhotels eröffnet. Mit der Mischung zwischen einheimischer und internationaler Küche hatte er Erfolg, verdiente gutes Geld damit.

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Dieses Jahr wollte er sich seinen lang gehegten Traum erfüllen und sich Europa anschauen. Das klappte auch. Während viele der Habenichtse seines Landes unter extremer Lebensgefahr in kleine Boote steigen, um der Misere zu entkommen, und nicht selten auf der langen Reise im Atlantik absaufen oder bestenfalls nach Ankunft auf den Kanaren von den Behörden aufgegriffen und zurückgeschickt werden, bekam Lami bereitwillig ein Schengen-Visum. Natürlich musste er einen ganzen Stapel Dokumente einreichen. Doch als dann geklärt war, dass er Geld hatte, also ein Mensch war und kein Habenichts, durfte er als Tourist nach Europa.

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Belgien, Deutschland, Schweden und Dänemark - Lamin genoss seinen ersten Trip durch die reiche Welt sehr. Das war alles so anders als in Schwarzafrika. Als er zurück war, in seiner von Malaria, Gelbfieber und unsäglicher Armut geplagten Heimat, wurde er gefragt, was ihm am meisten aufgefallen sei in Europa, musste er nicht lange überlegen und antwortete prompt: “Erstens scheint es mir, als sei Fröhlichkeit für die Europäer wohl kein besonders wichtiger Wert. Macht aber nichts, ich habe trotzdem viel Spass gehabt. Und zweitens ist mir etwas aufgefallen: In Europa liegt ist Arbeitslosigkeit doch ein echtes Problem, viele Menschen haben keinen Job. Und dann fahre ich mit dem Mietwagen mehr als einmal auf riesig grosse Tankstellen – und da ist jeweils ein einziger Mitarbeiter anzutreffen. Ein Einziger, wo bei uns bis zu zwölf arbeiten. Das verstehe ich nicht, wieso ist das so?.”

Keine Sorge, Lamin, liegt nicht an dir, verstehen wir auch nicht! Nur gut, dass du nicht auch noch herausgefunden hast, dass der einzige Mitarbeiter an der riesigen Tankstelle vom Lohn seine Familie nicht ernähren kann.

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