La vache qui rit offiziell als Staatsfeind anerkannt

Wer einmal einen Einblick daran erhalten will, was uns hier im Westen noch bevorstehen könnte, dem sei ein Blick auf die chinesische Regierungsplattform baidu.com empfohlen, die – obwohl Privatunternehmen – als zensierter google- und wikipedia-Ersatz fungiert.
Interessant ist etwa, dass dieses Blog für baidu offensichtlich nicht existiert. Weder Suchanfragen wie „La vache blogsport“ oder „Thiel Schweiger blogsport“ führten hierher, obwohl blogs wie der mädchenblog oder rhizom von baidu durchaus gefunden werden. Was uns im Gegensatz zu diesen bloggern genau zu chinesischen Staatsfeinden werden lässt, wissen wir nicht, vielleicht unsere Verlinkung der ARTE-Doku Für eine andere Welt. Die nicht gesperrten Seiten könnten ja mal ausprobieren, ob sie es auch schaffen, auf die „rote Liste“ zu kommen.
Wir tragen dieses Label jedenfalls nicht ohne einen gewissen Stolz, auch wenn wir es bedauern, dass des Deutschen mächtige Chinesen wohl nur auf Umwegen unsere Texte lesen können.

Weitere kuriose Beobachtungen:

Der größte Teil der irgendwie „pornographischen“ Seiten, die ich ausgetestet habe, wurden gefunden. Hier ist die Zensur nicht so stark, teilweise werden auch „hardcore“-Pornos sogar direkt mit baidu verlinkt. Nicht angezeigt werden witzigerweise die wikipediaeinträge über China – zumindest nicht in manchen Sprachen. Auf Seite 1 erschien beim Suchbegriff „Volksrepublik China wikipedia“ etwa nicht die deutsche, sondern die allemanische Wikipedia. Aber die Zensur scheint sehr lückenhaft zu sein: so erschien bei „wikipedia china“ zwar nicht der aktuelle wikipedia-Eintrag, jedoch eine pdf-Kopie einer älteren Version des Eintrags, in der jedoch einige wohl nicht opportune Informationen dennoch enthalten waren. Wahrscheinlich gibt es aber nochmal Unterschiede zwischen chinesischen und nicht-chinesischen Usern.
Es stimmt übrigens, dass – wie auf der deutschen wikipedia nachzulesen ist, eine temporäre Sperre in Kraft trifft, wenn man den Suchbegriff „Falun Gong“ eingibt. Im übrigen sind auch die wikipedia-Einträge zu Baidu selbst gesperrt.
Die Baidu-wikipedia „Baike“ scheint recht umfassend zu informieren, allerdings sind viele Artikel auffallend kurz. Siehe etwa der Artikel zu Karl Marx Aus offensichtlichen Gründen scheinen die chinesischen Machthaber zu befürchten, dass ein allzu großes Wissen über Karl Marx Ruhe und Ordnung auch in einem Land, das von einer „kommunistischen“ Partei regiert wird, gefährden könnte – gerade weil sich diese ja noch immer irgendwie positiv auf auf Marx beziehen muss. Man vergleiche etwa den Umfang des Artikels zu Chinas zweitem großen Oberguru Konfuzius (vgl. etwa den lächerlichen Konfuzius-Friedenspreis). Inhaltlich – soweit der Inhalt sich mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms rekonstruieren lässt – scheint der Inhalt des Artikels erwartungsgemäß kurios zu sein. Es scheint etwa eine längere Passage über Marxens Tabakkonsum zu geben, in dem dieser einerseits kritisiert, andererseits mit den Umständen der Zeit rechtfertigt wird. Es folgen einige Zitate von Marx, die auch gut als Kalendersprüche taugen (etwa: „Sincere friendship is a very sensible life priceless.“[Dieser „weise“ Spruch wird anscheinend sogar mehrmals in unterschiedlichen Varianten zitiert – Marx erscheint fast als jemand, dessen wesentlicher Verdienst in Bonmots zum Thema Freundschaft besteht.] „All things are difficult, every true science.“) Quellenangaben scheinen hier wie in der gesamten Talmiwikipedia nicht nötig zu sein.
Ein Eintrag zu Judith Butler fehlt. Gleichzeitig scheint sich der Bereich gewisser „Perversionen“(vgl. BDSM, Homosexualität) der Zensur bzw. Manipulation jedoch bis zu einem gewissen Grad zu entziehen. Es gibt auch einen – freilich nur extrem kurzen – Artikel zu queer. Möglicherweise fühlen sich die Machthaber dadurch nicht allzu sehr bedroht oder es gibt zu diesen Themen in der chinesischen Kultur einfach ein anderes Verständnis.


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