Kurioses im Salon zur kleinen Weltherrschaft

Kabarettabend im Teamtheater

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In ludo vicis und Claus Joachim Zeys „Salon zur kleinen Weltherrschaft“ hat sich eine heterogene Gemeinde versammelt, die vom Schaulustigen bis zum Aktivisten in einer Altersspanne von etwa vierzig Jahren reicht. Getragen wird der Abend im Teamtheater Comedy von den Kabarett-Einlagen der eingeladenen Gäste, sei es die charmante Selbstironie des Liedermachers Markus Nagy („Do mensch is guad, aber die Leid sin a gsindl.“), die Verzweiflung der Kommunendeserteurin über die für sie unmögliche Revolution oder Stefan Erz‘ „Langeweile“-Wut über die musikalische Beschränktheit der Rock und Pop Industrie.

Die meisten Themen waren für mich nicht neu: Magersucht bei Models, die Doppelmoral der Bio-Industrie und ihrer Konsumenten, ebenso wie die Renaissance des Spießbürgertums. Interessant ist vielmehr, dass die Auswahl der Kandidaten sich nicht zu einem einheitlichen Weltbild zusammenfügen lässt, wie wir es von „Scheibenwischer“ und anderen Fernsehformaten schon gewohnt wären. Hier steht Anti-Nato-Fanatismus neben Hippie-Kommunen-Bashing und Permanenz-Alkoholismus gegen klare Information. Eine intensive Begleiterscheinung ist das Veranstaltungshingeweise, was selbst dem zutraulichsten Besucher eine übermenschliche Freizeit- und/oder Lebensaktivität abverlangt. Dieser Künstlerkreis scheint beständig in pazifistischer Mission unterwegs zu sein. Das kann man gut finden oder nicht, aber bestechend ist es schon, dass hinter allen Kalauern eine politische Grundhaltung der Künstler zu finden ist. Gerade eben noch kann man sich genüsslich ausschütteln, wenn ludo vici den cholerischen Altachtundsechziger gibt, der die Dinge nicht mehr „nüchtern betrachten“ will und schon darauf wird man Teil einer politischen Aktion und hält ein Schild hoch, auf dem steht „I am Bradley Manning“. Wir werden aufgeklärt über die Eigenarten der Republik Mordwinien und wie selbstverständlich kommt das Thema auf Pussy Riot und es werden Postkarten mit handgeschriebenen Adressen für die Inhaftierten verteilt.  Es geht eben nicht, um das ewige Mann-Frau-Dialektik-Verfahren, an dem man ja sowieso nichts ändern könnte, nein, es ist offensichtlich, dass hinter den künstlerischen Ambitionen auch ein ernsthaftes politisches Engagement steht (und sei es auch bloß in Form von Protest und Verneinung). Was man dieser Reihe im Teamtheater nur wünschen kann, ist der Erhalt der Vielseitigkeit, sowohl im Publikum als auch auf der Bühne. Der Abend ist unterhaltsam und lebt durchaus von seiner Streitbarkeit.


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