Künstlerporträt Anoma

Bezogen auf die sri-lankische Künstlerin Anoma gibt es einen Namen, der ihre Kunst besser beschreibt und ausdrückt als alles andere es je könnte: Rainer Maria Rilke. Dieser deutschsprachige Dichter und Anoma haben eins gemeinsam, das Anoma von vielen Künstlern unterscheidet, eine vielfältige, geradezu überwältigende, poetische Interpretierbarkeit und eine ganz individuelle Wirkung auf den Betrachter.

Anomas eigene Kunstauffassung entwickelte sich sehr schnell und avancierte bald zu einem Balanceakt zwischen den Welten – Anoma möchte die Beziehung zwischen unserer Seele und der Natur, zwischen der materiellen Welt und der Spirituellen zeigen und ebenso die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen ihrer asiatischen Heimat und der westlichen Welt, die sie während ihres Studiums in London kennenlernte, darlegen.

‘I was hugely influenced by theatre, opera, poetry, literature, the English countryside, the wilder side of it… cultural input that was and is still very important to me.’ Anoma
(„Theater, die Oper, Poesie, Literatur, die englische Landschaft, der wilde Teil von ihr, das alles beeinflusste mich sehr – ein kultureller Beitrag, der sehr wichtig für mich war und noch immer ist.“)

Die Natur fand so ihren Weg in Anomas Werke – und das nicht nur als Motiv. Ihre Kompositionen entwickeln sich organisch, sie wachsen aus einer Idee, aus einem Funken, den sie irgendwo aufschnappt, über verschiedenste Weisen zu einem Kunstwerk. Anoma möchte sich nicht auf ein Medium beschränken, sie benutzt Bleistift und Tinte, Kreide, Wasserfarben und Öl in den verschiedensten Tönen, von hellem Pastel über schwarz-weiß bis hin zu knalligen Farben. Und sie benutzt alles auf einmal, alles übereinander, die Farben und Techniken überlappen sich ebenso wie die Aussagen und Motive ihrer Werke.

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Es ist doppelsinnig, geradezu mehrdeutig, wenn die Motive, davon fliegende Vögel, offen stehende Türen, Schiffe, Wege, Flüsse und angedeutete Figuren, sich überlappen und bei jedem erneuten Betrachten plötzlich ganz andere Dinge auftauchen. Aus dem anfangs gesehen Farbstrudel entstehen Landschaften und Welten und doch muss man jedes Mal von neuem Suchen – und entdeckt wiederum etwas anderes.

So einfach erklären lässt sich das Phänomen Anoma nicht, ihre Bilder siedeln sich irgendwo zwischen Traum und Realität an, zwischen eine bedeutenden Aussage und einfach ganz viel hingeklatschter Farbe; Anoma bemängelt den Bedeutungsverlust von Natur für den modernen Menschen und führt uns unsere Sterblichkeit vor Augen und im nächsten Moment zeigt sie doch wieder nur einen Strudel aus Farben und Formen.

Im Gegensatz zu diesen überladenen Gemälden stehen Anomas Glasskulpturen – und belegen ihre Wandelbarkeit. Übereinander gestapelte Glasplatten – ohne Farbe, ohne Ecken oder Kanten, einfaches, durchsichtiges Glas – der Effekt ist so einfach wie überwältigend.

Der Direktor der Noble Sage Gallery, Jana Manuelpillai, erklärt es folgendermaßen: ‘The glass appears like weathered rocks by the beach yet shine like the ocean itself. We can’t help but want to touch these beautiful objects. Once the top-most quotation is read and digested we want to peer into the work, uncover the quotations in the planes beneath. Surfaces become doorways to new understandings. As in all her work, the visual experience is nothing less than compelling and powerful every time.’
(„Das Glas wirkt wie verwitterte Felsen an einem Strand und schimmert doch wie der Ozean selbst. Wir können uns nicht helfen und wollen diese schönen Objekte berühren. Wenn das getan ist, wollen wir in das Werk hineinsehen, die Deutungen in den unteren Schichten aufdecken.  Oberflächen werden zu Türen zum Verständnis. Wie in jeder ihrer Arbeiten ist die visuelle Erfahrung verlockend  und mächtig zu jeder Zeit.“)

In der Noble Sage Gallery in East Finchley können einige von Anomas Kunstwerken, unter anderem beschriebene Glasskulpturen, noch bis Anfang November betrachtet werden.


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