Kunstfestspiele Herrenhausen 2015 Hannover - Nachlese: Beispiel "Naturale", Das Neue Ensemble Stephan Meiers

Nach 17 Spieltagen mit 24 Produktionen und über 9500 Besuchern ist inzwischen die 6. Ausgabe der KunstFestSpiele Herrenhausen zu Ende gegangen.

Meine Nachlese beginne ich mit dem Konzert "Naturale" des Neuen Ensembles von Stephan Meier, das am 12. Juni 2015 ab 20 Uhr im Großen Garten, im Rokokogarten, im Freien also, stattfand.

Aus dem persönlichen Bericht einer Besucherin:
"An dem schönsten Abend in diesem Jahr wurde das Konzert bei wundervollem Sonnenschein von einem bunten Publikum jeden Alters genossen.
Einen angenehmen Einstieg gaben die beiden Stücke von Karlheinz Stockhausen (1928 – 2007) „Schütze“ und „Zwilling“ aus „TIERKREIS – 12 Melodien der Sternzeichen“ (1975), für das Ensemble eingerichtet von Stephan Meier.
Anschließend wurde das Publikum entführt in frühe Jahre mit dem Stück von Guillaume de Machaut (ca. 1300 – 1377) „Ma fin est mon commencement“ (vor 1377), für Mezzosopran und Ensemble eingerichtet von Stephan Meier. Hier unterstützte der Reiz des Rokokogartens
die Musik" (C.M.)

Kunstfestspiele Herrenhausen 2015 Hannover - Nachlese: Beispiel

Hat unsere Kunst, unsere Musik ihre Verbindung zur Natur verloren? - das ist Stephan Meiers Fragehaltung bei "Naturale". Im Ankündigungstext gibt er selber diese Antwort:
"Wenn dem so wäre, würde auch nicht eine Aufführung im Freien oder im Garten helfen. Und ebensowenig die Integration von dem, was wir seit dem 19. Jahrhundert Volkslieder nennen, 'obgleich sie doch weder vom Volke kommen, noch fürs Volk entstanden sind' (Goethe).
Tatsächlich wird das Bedürfnis nach „Natürlichkeit“ aber von Komponisten wie vom Publikum gleichermaßen geteilt.
Die Viola mit ihrem dunklen, warmen Ton und das Schlagzeug mit seinen vielfältigen Zugängen zu 'natürlichem' Instrumentarium bieten bei dieser Suche eine außergewöhnliche Instrumentenkombination. Sie wird in 'Naturale' durch die auf Tonband aufgenommenen Gesänge sizilianischer Volkslieder ergänzt.
Heraus kommt ein Programm, dessen einzelne Werke alle eben dies zum Thema haben; mit Musik, die die Möglichkeit des Mitsummens von Melodien mit zeitgenössischer Abstraktion vereint."

Im Zentrum der Veranstaltung standen zwei Stücke von Luciano Berio (1925-2003), die sich mit den Traditionen von Volksmusik und Volksliedhaftem auseinandersetzten. Bereits 1964 entstanden Berios „Folk Songs“ für Stimme und sieben Instrumente, sie beinhalten Bearbeitungen von Volksliedern aus verschiedensten Ländern und kulturellen Traditionen. Der Einsatz der Instrumente „soll, ohne den Sinn des Liedes zu manipulieren, kommentieren, was meinem Empfinden nach jedes einzelne Lied entsprechend seinem kulturellen Hintergrund ursprünglich ausdrücken wollte“ (Berio).
Mehr als 20 Jahre später wandte sich Berio dann in sehr viel stärker reduzierter Form erneut dem Volkslied zu. In „Naturale“ für Viola, Schlagzeug und Zuspielband verwendet er die Aufnahme der rauen Naturstimme eines Straßensängers aus Palermo und konfrontiert dessen Lieder mit einer äußerst verfeinerten Transkription, für die er alleine die Instrumente Viola und Schlagzeug verwendet. Als Spannungsfeld künstlerisch gestalteter Natur korrespondierte das Areal des Rokokogartens dabei mit dem Ideenbereich dieser Musik. Die Solisten: Ania Vegry, Sopran; Elisabeth Kufferath, Viola; Stephan Meier, Percussion.
"Die Darbietungen reichten von berührend, ruhig, anregend und lustig über balladenhaft bis zum gefühlvollen Liebeslied aus Aserbaidschan als krönenden Abschluss" (aus dem Bericht der Besucherin).

Das Neue Ensemble wurde 1993 in Hannover von Musikern um Stephan Meier gegründet. Als Ensemble für Zeitgenössische Musik arbeitete es mit zahlreichen Komponisten, so unter anderem Earle Brown, Wolfgang Rihm, Carola Bauckholt, Richard Rijnvos, Johannes Schöllhorn und Mark André. Zu seinen Gästen als Solisten und Dirigenten gehörten unter anderem Pierre-Laurent Aimard, Peter Rundel, Johannes Kalitzke und Sarah Maria Sun. Mit einer eigenen Abonnementreihe (Mobile Musik) eroberte sich Das Neue Ensemble ein breites Stammpublikum im hannoverschen Raum. Für innovative Programmkonzeption erhielt es 2005 den Inventio-Preis des Deutschen Musikrats. Von der Kulturstiftung des Bundes wurde es als Teilnehmer des bundesweiten Projekts „Netzwerk Neue Musik“ (2008 – 2011) ausgewählt. Das Neue Ensemble hatte Auftritte in Hamburg, Paris, München, Köln, Amsterdam, Riga und Krakau. Es war Teilnehmer der Weltmusiktage und des Kulturprogramms des Deutschen Pavillons auf der Expo 2000. Im Auftrag des WDR, des NDR, des br und des ORB hat es Produktionen für Rundfunk und CD eingespielt. Seine jüngste CD „liu-yi“ stand 2011 auf der Jahresbestenliste der Zeitschrift Die Zeit. soeben erschien Harrison Birtwistle: Songs 1870 – 2006 bei Toccata records.

Helge

Textredaktion Helge Mücke, Hannover, unter Verwendung von Programm- und Pressetexten und eines Berichtes einer Besucherin (C.M.). Von derselben Besucherin stammen auch die Bildeindrücke - von oben nach unten: ein Blick auf den Rokokogarten während des Konzertes; Blick auf die Kunstinstallation "Ballenernte" von Michael Beutler. 

Kunstfestspiele Herrenhausen 2015 Hannover Nachlese: Beispiel


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