Kuhpraktiker Vortrag Landwirtschaftsschule

Kuhpraktiker Vortrag LandwirtschaftsschuleKuhpraktiker Vortrag LandwirtschaftsschuleKuhpraktiker Vortrag LandwirtschaftsschuleKuhpraktiker Vortrag LandwirtschaftsschuleKuhpraktiker Vortrag LandwirtschaftsschuleKuhpraktiker Vortrag LandwirtschaftsschuleErfahrungsbericht als Kuhpraktiker

Kuhpraktiker Vortrag Landwirtschaftsschule

Die ersten Tage befassten wir uns mit der Erstellung von sogenannten Tiergesundheitsplänen. 

Neben Einzeltierbewertungen, was auch den Charakter und das Verhalten der Tiere betrifft, fließen auch alle Aufzeichungen der Milchleistungskontrolle, der Eutergesundheit, Fruchtbarkeit, Stoffwechsel, Fütterung, Klauen, Gelenke, sowie der Arzneimitteleinsatz (auch der Homöopathie) mit in den Gesundheitsplan ein. 

Ebenso wurden die Kühe sowohl auf der Weide, als auch im Stall bewertet. Dazu kam auch noch auf die Haltungsbedingungen und das Wohlfühlen der Tiere zu achten. Entscheidend ist dabei, die Tiere und deren Verhalten eine Zeit lang zu beobachten und den Blick auf das einzelne Tier als auch auf die gesamte Herde zu schärfen. 

Aufgrund dieser sehr zahlreichen und genauen Erkenntnisse, hat man einen sehr guten Überblick über die Tiergesundheit der gesamten Herde. Es ist daher möglich auf vorhandene Probleme einzugehen und diese zu beheben. Wer keine Probleme hat im Stall, kann immer noch etwas verbessern oder optimieren. Hört sich alles sehr kompliziert an, ist es aber nicht, denn sonst würden wir es nicht TUN. 

Hier sind wir gleich beim nächsten und meiner Meinung nach wichtigsten Punkt. Eine Umsetzung der Ergebnisse von Stallseminaren kann nur gelingen, wenn beide Partner und bei uns auch die Kinder von diesen Maßnahmen überzeugt sind und diese auch mittragen. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wieviel sich dadurch verbessern kann. Es ist dies auch eine Möglichkeit zusammen neue positive Ziele in einer sehr schwierigen Zeit für uns Bauern zu entwickeln und dadurch gestärkt in die Zukunft zu gehen. 

Meistens kommt mir vor, dass gerade bei uns Bauern vor allem über Probleme und Herausforderungen nicht gesprochen wird, wenn es um den eigenen Betrieb geht. Im Gegensatz zum Milchpreis oder der Agrarbürokratie. 

Über Probleme spricht man nicht, die hat man. Besonders auffallend ist dies, wenn man Maschinen kaufen oder Stallbauen will. Bei den Betriebsbesuchen und auch am Stammtisch wird alles über den grünen Klee gelobt und jeder hat überall die besten Erfahrungen gemacht, Probleme gibt es normalerweise nie und wenn doch, war alles noch in der Garantie. 

Eine harte Frage: 

Haben wir Bäurinen und Bauern das wircklich nötig, dass wir uns gegenseitig so anlügen und warum ist eine ehrliche Meinung so wenig wert? Für meine offene und ehrliche Antwort bin ich schon sehr oft kritisiert worden.

  • Was sollen die anderen dazu sagen?
  • das geht doch niemanden etwas an.
  • bei uns ist alles in bester Ordnung
  • der spinnt ja, das geht doch nie
  • sag ja nichts, denn sonst wird über uns geredet.

Diese Worte wurden vielen von uns schon in der Kindheit eingetrichtert und auch heute belasten sie uns oft noch, wenn wir versuchen offen zu sein. Deshalb hat mir ein Punkt des Stallseminares sehr gut gefallen. 

Der Betriebsführer berichtet von 2 Problembereichen auf seinem Betrieb und einen Bereich auf den er richtig stolz ist, sein Goldstück sozusagen. Es gibt unter den Teilnehmern keine Geheimnisse mehr und es ist auch nicht möglich, etwas zu beschönigen. 

Aufgrund der Stallbesuche und aller Aufzeichnungen sieht jeder Teilnehmer aber nun einmal die Realität. Voraussetzung für alle Teilnehmer ist allerdings eine absolute Verschwiegenheit und großes Vertrauen untereinander. Da wir nun also das erste Stall Seminar bei uns am Betrieb durchgeführt haben, mussten wir uns 2 Problembereiche und einen Bereich in dem es besonders gut läuft überlegen. 

Ich fange immer zuerst mit dem Highlight, dem Guten an: Wir haben vor 6 Jahren den Betrieb von meinen Eltern übernommen, einen Laufstall gebaut und das Kontingent laufend ein wenig erhöht. Im Jahr 2010 haben wir unser Kontingent von ca. 140.000 bis auf 600 Liter erreicht. Die Durchschnittsleistung liegt zwischen 5.500 und 6000 Liter pro Kuh und Jahr bei normalen Kraftfuttereinsatz. Wir mussten in 5 Jahren erst 2 Kühe zukaufen, alles andere haben wir mit unserer eigenen Nachzucht abgedeckt. Wir erzeugen Bio Heumilch und auch finanziell sind wir sehr zufrieden und dankbar für alles. 

Auf unserem Betrieb wird seit über 10 Jahren schon auf Kunstdünger verzichtet und dennoch hat die Heuanalyse ein gutes Ergebnis gebracht. Besonders erwähnenswert ist vielleicht die Tatsache dass wir schon seit 5 Jahren keine Antibiotika mehr verwendet haben. Bei uns kommen auch keine Trockensteller zum Einsatz, dies macht alles Karin mit Hilfe der Homöopathie. 

Die letzten Jahre hatten wir auch große Herausforderungen zu bewältigen wie den Rota Corona Virus an dem 5 Kälber starben, darauf dann durch eine zugekaufte Kuh auch noch das Zwischenklauengeschwür im Stall und zusätzlich noch die Erdbeerkrankheit bekommen. Auch diese Herausforderungen hat vor allem meine Frau mit Hilfe der Homöopathie inklusive Desinfektion und besonderer Sorgfalt gemeistert. 

Wenn das Gesamtbild so gut passt und auch der wirtschaftliche Erfolg gegeben ist, kommt man leicht in Versuchung sich zurückzulehnen und von der eigenen Betriebsblindheit erfasst zu werden. Die Ausbildung zum Kuhpraktiker hat mich wieder wachgerüttelt, die Probleme auf unserem Betrieb in die Hand zu nehmen und etwas zu tun. 

So ist es nicht normal, dass 50 % der Kühe lahmen, also Probleme mit den Klauen haben und wir im Jahr über € 3000.- für den Klauenpfleger ausgeben. Aufgrund der Klauenprobleme kommt es auch immer wieder zu einer erhöhten Zellzahl einzelner Tiere, und Karin hat jede Menge zu tun hat um die Zellzahl mit der Homöopathie wieder in den Griff zu bekommen, wobei der Jahresdurchschnitt ja wieder O.K ist . 

Wir konnten uns diese Lahmheit und damit das Leid der Tiere kaum erklären und haben nie eine eindeutige Ursache dieses Klauenproblems finden können. Aufgrund meiner Ausbildung zum Kuhpraktiker habe ich aber gemerkt, dass nur wir selbst diese Aufgabe lösen können. 

Als ersten Schritt haben Karin und ich sofort einen Klauenpflegekurs über das LFI absolviert und dabei jede Menge gelernt und auch praktische Erfahrung sammeln dürfen. Bei dem Betriebsbesuch auf unserem Bauernhof waren dann 6 Teilnehmer anwesend und wir bekamen einige Ursachen und viele mögliche Lösungen dazu aufgezeigt. 

Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die sich mit wenig Geld und Aufwand verbessern lassen, die aber eine große Ursache für die Klauenprobleme sein können. Hier einige Ideen und Tipps der Teilnehmer um euch ein Bild vom großen Wert dieses Stall Seminares für uns und unsere Tiere vermitteln zu können. 

* Stufen im Stall entschärfen und einige Kanten auf 45° abschleifen - habe ich schon gemacht 

* Klauenpflege schneller durchführen und vor allem Klauenpflege und nicht Klauenreperatur. Hier ist zu sagen: Ich bin sehr dankbar für unseren Klauenpfleger, der die letzten Jahre immer gekommen ist, wenn eine Kuh lahm war. Da es so wenige Klauenpfleger gibt, vergingen natürlich immer einige Tage vom erkennen der Lahmheit bis dann schließlich auch etwas getan wurde. Auch hat er sich sehr wenig Zeit für das einzelne Tier genommen, da er ja an einem Tag sehr viel Betriebe zu betreuen hat. Es wäre aber jetzt völlig falsch unseren Klauenpfleger, der uns stets eine Hilfe war, auch nur für einen kleinen Teil unserer Probleme mit den Klauen verantwortlich zu machen. Aufgrund des Kuhpraktikerkurses haben wir aber gehandelt und sofort einen neuen Klauenpflegestand gekauft, der auf den Liegeboxen montiert ist. 

Hier gilt ein großer Dank meiner wunderbaren Frau die in der Zwischenzeit schon bei vielen Kühen die Klauen gepflegt und versorgt hat. Seitenwandabzesse, Geschwüre, Ballenfäule usw.in Klauen sind für sie keine Probleme mehr und daher kann den Tieren jetzt schneller und intensiver geholfen werden. Ich habe ebenfalls diese Ausbildung und kann mithelfen, doch meine Frau hat hier eindeutig das bessere Gefühl, dies muss ich neidlos anerkennen.

Ich freue mich schon sehr, auf den Zeitpunkt, wo wir die Klauen nur mehr zu pflegen brauchen und nicht mehr versorgen und zu ihrer Heilung beitragen müssen. 

 

* Urgesteinsmehl beim Melkstandaustrieb aufstreuen um die Klauen trockener zu halten und zu festigen. Weiters auf Laufgang, auf die Klauen und in den Zwischenklauenspalt vorbeugend - wird noch nicht gemacht, ist aber sinnvoll, derzeit suche nach Lagerplatz. 

* Klauen kontrollieren und Protokollieren. - wird bereits sehr erfolgreich umgesetzt. Karin hat sich selbst ein Klauenprotokoll angefertigt, wo sie alle Tätigkeit und Problemstellen einzeichnet und dokumentiert. Zusätzlich machen wir auch noch Fotos bei Problemfällen. 

* Schrauben und Kanten, sowie Metallschiene beim Futterautomat entfernen oder überbetonieren. - wurde mittles Gummimatten bereits erledigt, keine scharfen Kanten mehr. 

* Schrapperstopp entfernen bei Melkstandeintrieb und Verbau der Schrapperrolllen. - wurde auch schon erledigt. Klauenpflege protokollieren und nach 3 Wochen Nachkontrolle - sind wir gerade bei der Umsetzung. 

* Zwischenklauenspalt im Melkstand auswaschen und mit EM behandeln. - wird bereits gemacht und EM (effektive Mikroorganismen) Bakterien wurden angesetzt. 

* die eigentliche Ursache für die Klauenprobleme sind aber die Gummimatten im Jungviehstall, welche auf die alten Spalten montiert wurden, um die Bio Richtlinien zu erfüllen. Durch das ständige stehen am Gummi, wachsen die Klauen viel zu schnell . Dies ist eine Erklärung, warum schon die Kalbinnen Klauenprobleme haben. - Auch hier haben wir bereits eine Lösung. 

Soviel also zum ersten Problembereich der Klauen. Ihr seht also, das hat alles nicht sehr viel Geld gekostet und es ist mit relativ geringem Aufwand sehr viel verbessert worden. Dazu kommt auch noch, dass einige Experten der Meinung waren, um die Klauenprobleme zu lösen, sollten wir den Laufgang mit Gummimatten auslegen, was nicht nur sehr viel Geld gekostet hätte, sondern auch wenig bringt, da die Kühe sehr viel im Auslauf und auf der Weide sind. 

Der 2. Problembereich betrifft die Füttterung. Hier habe ich das Gefühl zuviel Kraftfutter für zu wenig Inhaltsstoffe zu benötigen. Um es kurz zu machen: Aufgrund des Stallseminars haben wir gleich eine Heuanalyse machen lassen und dabei festgestellt, dass unser Grundfutter sehr gute Werte hat und wenig verschmutzt ist. Also mit unserem Grundfutter können wir sehr zufrieden sein. Grundfutterleistung 12- 14 kg /Tag Hier einige Tipps wie ich mit weniger Kraftfutter bessere Ergebnisse erziele, indem ich es gezielter einsetze. 

* mit dem 18 er Ausgleichsfutter das falsche Futter . Im Winter Luzerneheu oder Luzernepellets füttern und den Maisanteil in der Ration erhöhen damit die Kuh mit mehr Energie versorgt ist. 

* Versuch mit 2 Futtersorten zu fahren, dazu benötige ich aber genaue Kenntnisse des Futterautomaten - habe bereits eine Schulung beim Hersteller besucht. 

* bessere Stierauswahl bei Zucht mehr auf Inhaltsstoffe und Klauengesundheit achten. Überhaupt bei der Zucht wieder mehr wert auf Tiergesundheit und Widerstandskraft zu legen. - wird bereits gemacht 

* Falsche Futterzuteilung während der Laktation. Kraftfuttergabe im Laktationsverlauf früher stoppen. KF gegen Ende der Laktationsperiode ganz weglassen. Mehr nach Körperkondition füttern. Ziel eine optimale zielorientierte Fütterung, um so insgesamt weniger zu benötigen. - hier kann ich noch einiges verbessern, es liegt nur an mir hier die optimale Lösung zu finden 

* Kontakt mit Futtermittelberater der Landwirtschaftskammer und einzelnen Lieferanten. -habe ich schon gemacht, nach Beratung einige Tipps für die optimale Versorgung der Kuh bekommen und diese Werte an den Futtermittelvertreter meines Vertrauens übergeben. Hier bekomme ich genau das gewünschte Futter, was auch für meinen Betrieb passt. Da ich weniger benötige, sind auch die Kosten kaum höher. Unser eindeutiges Ziel ist es, den Kraftfutterverbrauch so gering als möglich zu halten und dennoch die beste Versorgung für die Tiere zu gewährleisten. Eine Leistungssteigerung ist keine Option mehr, für mich persönlich. 

So liebe Freunde, das waren nun einige Ergebnisse des Stall Seminares. Aufgrund der genauen Tier – und Stallbesichtigung, sowie den vorhandenen Aufzeichnungen, haben wir von diesem einen Abend enorm profitiert. Wir bekamen viele Ideen, uns selbst wurde einiges wieder mehr bewusst.

Wir haben gesehen, dass wir nur etwas verbessern können, wenn wir die Dinge selbst in die Hand nehmen. Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei allen Teilnehmern dieses Stallseminares sehr herzlich bedanken, denn nur durch ihre Offenheit und Ehrlichkeit war es möglich so viele Verbesserungstipps zu erhalten. Umsetzen müssen wir diese natürlich selber. 

Außerdem möchte ich auch noch die Disziplin und Gesprächskultur besonders hervorheben. Wir haben nach der Stallbesichtigung 2 Stunden nur fachlich über Verbesserungen auf unserem Betrieb diskutiert ohne auch nur ein einziges mal abzuschweifen. Nur so war es auch möglich den Betrieb zu analysieren und Lösungen zu finden.

Ebenso können Karin und ich auch beim nächsten Stallseminar von den Problemen unserer Kollegen profitieren, da wir auch selber immer wieder neue Möglichkeiten erhalten um noch besser zu werden. Ich freue mich auch schon sehr, wenn wir das nächste mal unsere positiven Erfahrungen mit der Homöopathie und der Tatsache einbringen dürfen, dass wir schon seit 7 Jahren keine Antibiotika mehr im Stall verwenden. 

Liebe Vollversammlung, liebe Bio Bäurinnen und Bauern ihr habt nun meinen persönlichen Erfahrungsbericht gehört oder gelesen. Ich habe dies schriftlich gemacht, da ich leider heute nicht hier sein kann. 

 Auch dies kann ein Nebeneffekt des Stallseminares sein.

Wieder dankbarer und bewusster zu Leben.


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