Krümel der Vergangenheit – drei Jungs aus der Großstadt

Krümel der Vergangenheit – drei Jungs aus der GroßstadtDer gestrige Sonntag. Während hinter dem Fenster der Schnee langsam den Kampf gegen die warme Luft verlor, saß ich in der Stille vor dem ausgeschalteten Monitor und überlegte mir wie ich den Rest von diesem verfluchten Tag sinnvoll nutzen könnte. Eine Runde durch die Straßen fahren, die Kamera schnappen und paar Fotos der dreckigen Großstadt schießen oder mich hinlegen, die Glotze anmachen um gleich wieder festzustellen das Programm im TV ist eine bodenlose Frechheit. Plötzlich fiel mir ein, ich wollte schon seit Monaten Tausende von Fotos sortieren, die sich in den letzten Jahren angesammelt haben…nach Müll und Müll aber brauchbar. Bilder von Orten, die ich besuchte, von Menschen, die längst kein Bestandteil meines Lebens sind, von Autos, die ich hatte und all den Gegenständen, die ich knipste um sie bei eBay zu verscherbeln. Eine Masse an Bildmaterial, die danach rief endlich aufgeräumt zu werden. Ich stellte neben dem Monitor meinen kultigen Aschenbecher von Gauloises (geklaut noch zu meiner Studienzeit in einem Campuslokal), öffnete eine frische Schachtel Zigaretten, bereitete leckere Portion Kakao vor und hoffte für eine Reise in die Vergangenheit gut gewappnet zu sein. Mühsam wühlte ich die Schublade durch auf der Suche nach Speicherkarten, CD, USB-Sticks und als ich glaubte alle Datenträger beisammen zu haben, fand ich einen Umschlag von einem Fotoladen. Tja liebe Kinder des digitalen Zeitalters…vor langer langer Zeit gab es Fotos auf dem Papier. Man durfte sie anfassen, wie eine Ikone aufbewahren oder zerreißen aus Rache für gebrochenes Herz oder verratene Freundschaft. In dem Umschlag fand ich lediglich drei Fotos, die sich plötzlich in meinem Kopf zu einem Film zusammenfügten. Ein kurzer aber emotionsgeladener Film ohne Drehbuch und Happy End.

Wir waren drei. Drei Jungs aus der Großstadt, die die Macht über die grau betonierte Wildnis an sich reißen wollten. Mein Gott, das hört sich so banal an. Die Städte sind ja voll von solchen Helden, die sich für unsterblich halten und auch wenn ich die jungen Menschen aus heutiger Sicht nur belächeln kann dann gab es eine Zeit, da gehörte ich auch dazu. Wir waren wie junge Wölfe, zwar nicht süchtig nach Blut aber umso mehr nach Respekt. Mit der, an Ignoranz angrenzenden Furchtlosigkeit und 400 PS starken Motoren unter den Motorhauben bahnten wir uns den Weg durch das Labyrinth aus Straßen und Vierteln auf der Suche nach dem richtige Weg unter den tausenden Lebenseinbahnstraßen ohne Wendemöglichkeit. Sobald die Nacht schwarze Farbe über die Dächer der Stadt ergoss begann unsere Reise in Richtung Glück, das so nah schien um sich später als eine Sackgasse zu erwiesen. Ich kann mich noch so gut an unsere Oase nahe dem Stadthafen erinnern, die wir so gerne ansteuerten als uns die Großstadt nicht mehr umarmen wollte…ein verwilderter Parkplatz unter einer Autobahnbrücke, die so sich monumental über unsere Köpfe erstreckte als wollte sie uns deutlich machen wie winzig und unbedeutsam wir eigentlich sind. Bei Junkfood, nur zur Hälfte gerauchten Zigaretten und wegweisenden Bässen aus den Autos versuchten wir die immer grauer wirkende Welt mit letzter Kraft in unsere Wunschfarben zu malen…vergebens. Jetzt sind diese drei Fotos noch nicht mal richtig verblasst und aus den damaligen Zeiten sind lediglich schwache Konturen geblieben. Aus einem von uns entwich das Leben als Drogen seinen Körper und seine Seele wie ein Reißwolf zerfleischten, der andere starb mental als seine geliebte Frau sich mit letzter Kraft gegen den Krebs durchsetzten konnte, das Schlachtfeld aber als ein menschlicher Wrack verließ. Und ich? Ich bin gestern dahin gefahren als wollte ich die Krümel der Vergangenheit einsammeln. Doch die Zeit verschlang alle Spuren der damaligen Tage und übrig blieb nur die Erinnerung an die Jungs, die sich eine Welt ausgemalt haben, die niemals wahr werden durfte.


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