Kritiker unter sich

Von Lyrikzeitung

Über die frühverstorbene Schriftstellerin Maria Mnioch (1780-1799) schreibt Franz Horn:

Alles ist rein weiblich in ihr, und folglich schon um deswillen sehr erfreulich; und so möchte ich sie in mancher Hnsicht und auch um ihres frühen Todes willen, mit der lieben Sibylle Schwarz (geb. 1620, gest. 1637) vergleichen, von der ich im Frauentaschenbuch für 1818 freundliche Nachricht gegeben habe *).

*) S. 176 bis 210. Ich führe diese Seitenzahlen an, weil ein Kritiker, der sich sonst halbwege geneigt erklärt, für die bisher gänzlich fehlende Nachricht von Sibyllchens Leben und Kunst zu danken, hinzu setzt: “aber 67 Seiten” (es schreibt der Mann, um doppelt zu erschrecken, die Zahl mit Buchstaben) “sei denn doch zu viel,” woraus man fast schließen dürfte, es möge doch wohl zweckmäßig sein, wenn ein Kritiker zählen kann. Ein anderer Recensent hat sogar gemeint, es könne mir interessant, wenn er mir erzähle, die ganze Sibylle sei ihm nicht interessant; doch lasse er manche meiner bei dieser Gelegenheit vorgebrachten Bemerkungen gern gelten, und lobe sie hiermit. Da der Mann es gewiß nicht böse meint, so gebe ich die Hoffnung gar nicht auf, er werde das liebe Dichterkind einmal noch recht lieb gewinnen.

Franz Horn: Umrisse zur Geschichte und Kritik der schönen Literatur Deutschlands, während der Jahre 1790 bis 1818. Berlin: T.C.F. Enslin, 1819, S. 241.

Zwei Anmerkungen von mir:

1. Man muß Franz Horn dankbar sein, daß er über Schwarz und Mnioch schreibt; und ihm also nachsehen, daß er dies – lange vor Suffragetten und Feminismus – patriarchalisch tut. Seine wertenden Adjektive sind: erfreulich, lieb, freundlich, lieb; die Dichterin heißt ihm Sibyllchen und Dichterkind. Wir müssen uns (er muß sich) ja nicht vorstellen, wie sie geworden wäre, wäre sie im 82. Jahr friedlich entschlafen. (Ja, die Sanftheit steckt an). Der Kontrast zu den Recensenten zeigt seine Fortschrittlichkeit. Im übrigen erinnern die beiden Recensenten an heutige Germanisten, doch doch!

2. Trotzdem weisen wir beckmessernd darauf hin, daß die Lebensdaten der Dichterin ungenau wiedergegeben sind. Sibylla Schwarz wurde 1621 geboren und starb 1638.