Kritik - Paranormal Activity 3

Erstellt am 26. Oktober 2013 von Tobias Lischka @tobe781


"Wie heißt dein Freund?"  "Sein Name ist Tobey." -

Wenn es Nacht wird im Hause einer Familie, wenn böse Geister bzw. Dämonen  und dem Publikum im (Heim)Kino heimsuchen, dann ist wieder einmal "Paranormal Activity" Zeit. Und Hollywood bzw. die zuständigen Filmstudios sich gerne wieder Dank ihrer Einnahmen freuen, wenn tausende Besucher die Kinos strömen oder sich es zu Hause vor dem Flat-Screen gemütlich machen, um sich dem gepflegtem, übernatürlichem Grusel bzw. dem eigenem Kopfkino wie schon in vergangenen Dekaden hinzugeben. Dabei mutet es heute schon bei genauerer Betrachtung recht befremdlich an, wenn Hollywood dem Betrachter schon auf manipulative Art und Weise, wie auch im 2012er Horror-Thriller "The Devil Inside", die zur Schau gestellte Realität in "Paranormal Activity 3" als etwas unumstössliches verkaufen möchte.  Der Horror im Kopf bzw. die Phantasie des Betrachters besitzen einen gnadenlosen Reiz, der wohl niemals versiegen wird und die schrecklichsten Dinge Realität werden lassen kann, die sich so mancher Betrachter klammheimlich im Kinosessel oder auch zu Hause auf dem hochauflösendem Format, der BluRay Disk, wünscht. Und das weiß natürlich auch "New Hollywood." Nur verkauften früher Produzenten wie Steven Spielberg und Regisseur Tobe Hooper ("Poltergeist") ihre Horrorgeschichten auf ehrliche Art, also als das, was sie nun einmal sind: als reine Fiktion, die zwar einen Hang zur Realität darstellt, aber auch nie mehr sein kann. Die Horrorbeiträge früherer Dekaden machten aus ihrem Mythos nie einen Hehl, die entsprechenden Erzählungen wurden in ein passendes, mystisches Gewand gehüllt.  Diese Zeiten sind heute entsprechend vorbei. Heutzutage wird "Paranormales" nicht nur diskutiert, sondern unabhängig vom Beweis der Existenz dem Publikum jederzeit als "real" näher gebracht, so als würden uns verschrumpelte Dinge der Natur als hochwertige Nahrung verkauft werden.

Die Regisseure Schulman und Jost versuchen jederzeit, wie jetzt im Falle von "Paranormal Activty 3", die Tatsache zu verschleiern, das ihr Schaffen eher einem "künstlichem" Aromastoff gleicht, welcher irgendwann innerhalb von kürzester Zeit seine Geschmackswirkung verlieren wird, das mittlerweile 5teilige(!) "Paranormal Activity" Franchise verfügt mit Sicherheit nicht über memorable Szenen,  packene / unvergessene Geschichten und die entsprechende Wirkung für die Ewigkeit.  "Paranormal Activity 3" liegt ein dramaturgisches Konzept zu Grunde, das bis zum bitteren Ende des Filmes Dank des Storytellings der Scriptwriter auch konsequent durchgezogen wird. Aber von dem man sich nicht zu sehr hinter das Licht führen lassen sollte. Man wird bei Betrachtung von "Paranormal Activity 3" das Gefühl nicht los, das man neben den schon am Anfang manchmal ungelenk auftretenden Schnitten, die sich durch die Aufnahmen aus dem ensprechenden Haus ergeben, bestimmte Tricks und Kniffe alter Hooperscher (Poltergeist) Schule schon seit über 30 Jahren in und auswendig kennt. Wenn Stühle wie mit alten handgemachten, bekannten Tricks durch die Gegend gezogen werden, das Geschirr von der Decke fliegt(!), offenbart sich das zu Grunde liegende Konzept, auch wenn diese Dinge dramaturgisch durch Bild- und Tonkompositionen, die den Betrachter einen angenehmen Schauer über den Rücken jagen, ab und an funktionieren, trotzdem als am Ende zu durchschaubar.  Aber zumindest kann man sich als Betrachter ja auf eine ordentliche Darstellertruppe verlassen, die versucht, der recht steril wirkenden Horrorangelegenheit zumindest ab und an etwas Esprit zu verleihen.

In wenigen Szenen vermögen auch einige Darsteller wie z.B. Chloe Csengery als junge Katie die gespielte Angst auf das Publikum mit Erfolg zu übertragen, wenn diese z.B. schon einmal von dem entsprechendem Dämon im wahrsten Sinne des Wortes an den Haaren gezogen wird.  Solche wirklich packenden Momente gehören in "Paranormal Activity 3" aber leider der Ausnahme an. Ebenso schaden sich die Macher hinter "Paranormal Activity 3" selber, wenn immer wieder Sequenzen zu bestaunen sind, welche eher an eine Pseudodokumentarsendung wie "Ghost Hunters" im Free TV erinnern, in der zum Vorteil des horrorafinen Publikums aufgetretene, paranormale Phänome penibel analysiert werden. In "Ghost Hunters" fällt im Hinblick auf diesen Aspekt früher oder später aber auf, das man professionell getäuscht wird,  etwas, was auch im Falle von "Paranormal Activity 3" nicht mehr von er Hand zu weisen ist: so manche Darstellung vor dem heimischn Videoscreen ( etwa von Darsteller Christopher Nicholas Smith) mutet in Punkto Schauspiel etwas zu gekünstelt an und kann leider daher den Eindruck nicht negieren , das "Paranormal Activity 3" sich doch nur als reine Panikmache, anstatt als wirklich erstgemeinte, toll durchdachte Horrorkost mit lange nicht mehr gesehener Tiefenwirkung offenbart. Nebenbei sorgen einige platzierte Schockeinlagen vor der Kamera  und in dunklen Abstellkammern zwar für den notwendigen Spaß des Publikums, negieren aber jeden Anflug von Ernsthaftigkeit, Dokumentarhaftigkeit und Seriosität, den die Macher mit "Paranormal Activity 3" allzu deutlich verströmenq, bereits im Ansatz. Den Machern fehlt auch am Anfang des Filmes der Mut, ihre entsprechenden Schockszenen nicht nur entsprechend vorzubereiten, sondern diese auch in JEDEM dann gerade unerwartetem Moment auf das Publikum loszulassen, nicht hin und wieder mal ETWAS passend zu platzieren. Gegen die nicht gerade perfekte Inszenierung mögen auch die teils sympathischen Darsteller am Ende nichts mehr auszurichten, welche versuchen, so manche inszenatorische Schwäche mit dazgehöriger Selbstironie vor der Kamera zu überspielen.

Fazit: Nach einigen, wenigen gelungenen Schocks und interessant inszenierten Teilen der zu Grunde liegenden Geschichte bleibt am Ende viel Lärm um nichts zurück: in über 50 Minuten Laufzeit macht sich in "Paranormal Activity 3" die gepflegte Langeweile breit. Das sogenannte "Mockumentary" Prinzip vermag einen persönlich auf Grund sich wiederholender Szenenmuster immer weniger zu berühren. Nebenbei wird in "Paranormal Activity 3" ein Finale aus der abgestandenen Horrorkonserve serviert, welches richtigen Horrorkennern nur ein müdes Lächeln Dank des gesehenen abringen wird. "Paranormal Activity 3" ist weder als Fisch noch als Fleisch, sondern einfach nur ein zähes und fades etwas zu erachten, dessen Geschmacksträger schon nach weniger als 91 Minuten dahinsiegen. Für einen gelungenen Filmabend darf man daher lieber zu Horrorfilmklassikern von John Carpenter, Wes Craven, Stanley Kubrick oder Ridley Scott greifen, welche das Publikum nach kurzer Zeit so weit haben, das man sich schon bei einer Texteinblendung richtig ängstigen muss (z.B im Falle von "The Shining"). Und dazu darf man sich weitere Freunde zum beisammensein und gemeinsamen konsumieren dieser Filme suchen.  Der persönliche, effektive Nutzen liegt damit  deutlich höher.

Wertung: 5/10 Punkte