Kritik: „Das geheime Bild” von Eliza Graham

Von Borgialucrezia

© Blanvalet Verlag

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich „Das geheime Bild” von Eliza Graham mit in meine Liste der empfehlenswerten Bücher aufnehmen soll. Die ersten 200 Seiten war ich ganz angetan von der Geschichte, die sich um eine Privatschule in England dreht, in der Meredith als junges Mädchen mit ihrer Schwester Clara unter einem Wandgemälde ihrer Mutter ein Bild einer anderen, fremden Frau entdeckt. Seit der Entdeckung sind einige Jahre ins Land gezogen und Meredith kehrt, nachdem ihre Mutter gestorben ist und ihr Ehemann schwer im Krieg verletzt wurde, als Aushilfslehrerin nach Letchford zurück. Dort wird sie mit einem ungewöhnlichen Vorfall konfrontiert: Irgendjemand hat in einem Klassenzimmer eine ziemlich echt wirkende Reborn-Babypuppe zurückgelassen, die auch noch mit einem Messer „erstochen” wurde. Nach und nach lüftet sich außerdem das Geheimnis um die mysteriöse Frau unter dem Gemälde. Die Wege führen ins ehemalige Böhmen.

So weit, so spannend. Der Beginn ist eine gelunge Mischung aus Familiengeschichte und Geschichtsrückblick mit Krimianleihen. Doch irgendwie hat sich die Autorin keinen Gefallen dabei getan, zwei verschiedene Geheimnisse parallel laufen zu lassen. So kommen beide Erzählstränge irgendwie zu kurz und werden zum Schluss ziemlich schnell abgehandelt. Besonders aus den Ereignissen, die 1968 in Prag spielen, hätte man viel mehr herausholen können. Das Lebensgefühl wird nur kurz angerissen, aber nicht weiter verfolgt. Auch die Auflösung, wer nun hinter der Sache mit der Puppe und weiteren merkwürdigen Vorkommnisse steckt, wirkt nicht wirklich überzeugend. An einigen Stellen fand ich sie sogar ein wenig lachhaft (einzig der Epilog hat mich in dieser Hinsicht ein wenig besänftigt).

Warum dann doch die Aufnahme in die Liste? Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich sehr flüssig und man hat zwei Drittel des Buches auch wirklich Spaß am Lesen. Vielleicht findet ihr ja den Schluss genau richtig. Außerdem schafft es Eliza Graham sehr gut, diesen typischen „In-einem-Internat-kann-es-nur-interessant-sein-denn-dort-passieren-die-tollsten-Dinge-Gedanken”, den man als Kind/Jugendlicher hatte, in einem wach zu rufen.

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Eliza Graham, Das geheime Bild, erschienen im Blanvalet Verlag, aus dem Englischen von Elfriede Peschel, € 9,99 [D]

Taschenbuch, Broschur, 384Seiten, ISBN: 978-3-442-37848-7