Krisenphänomen Piraten

Telepolis, 14.09.2013
Das Aufkommen “postpolitischer” Parteien und Bewegungen wie der Piraten ist ein Symptom der Auflösungserscheinungen des spätbürgerlichen politischen Systems.

Neigt sich die Ära des politischen Freibeutertums schon ihrem Ende zu? Noch vor kurzem schien es so, als ob sich die Piratenpartei mühelos als eine neue politische Kraft im bundesrepublikanischen Parteienspektrum etablieren würde. Nach den Wahlerfolgen in Berlin und NRW galt der Einzug in den Bundestag bei den kommenden Wahlen im Herbst als gesichert, sodass Parteiaktivisten im vergangenen August sogar eine Art parlamentarisches Trainingslager veranstalteten, bei dem sie schon mal für die ganz große politische Bühne üben konnten.

Nach diesem kurzen Hoch setzte schon ab dem Herbst 2012 der allmähliche Abstieg dieses politischen Modephänomens ein, der sich seit der Wahlniederlage in Niedersachsen noch beschleunigte. Derzeit dümpeln die Piraten in Umfragewerten bei zwei bis drei Prozent. Die Piraten sind “out” – sie wurden durch eine massenmediale Meinungsindustrie verwertet und ausgeschieden, die ihren Konsumenten in immer kürzeren Abständen immer neue Variationen des Immergleichen vorsetzen muss. Das nächste große Ding, die nächste Politmode, deren Exponenten diesmal tatsächlich sehr gute Chancen auf den Einzug in den Bundestag haben, stellt die rechtspopulistische “Alternative für Deutschland” dar. Hier finden die bundesweit rasch zunehmenden Ressentiments, wie der um sich greifende Nationalismus und Chauvinismus ihren politisch-organisatorischen Ausdruck.

Links: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39039/1.html


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