"Krieg der Welten 2 - Die nächste Angriffswelle" / "War of the Worlds 2: The Next Wave" [USA 2008]


Kritik
Die berühmt-berüchtigten, aber künstlerisch nicht begabtesten Jungs und Mädels von Asylum Productions sind zumindest fleißig: In immerwährenden Dauerperioden und beständigem Qualitätsabfall wird unter ihrer Hand hirnzellenabtötender Billigschrott produziert, nicht etwa A-Movies, sondern eher Filme vom Ende des Alphabets. Kopiert werden meist erfolgsträchtige Kinohits aus der entweder unmittelbaren oder länger zurückliegenden Vergangenheit mit einem Budget auf Sparflamme jenseits der Millionen. Jene Blockbuster von einst, die Asylum permanent zu adaptieren versucht ("versucht"), avancieren zum Mockbuster von jetzt. Dabei lassen sich die Herren lebensgefährlich originelle Titel einfallen, um den Unterschied von Original und Plagiat dem weniger filmerfahrenen Konsumenten wenigstens nicht allzu offensichtlich vor die Birne zu knallen. So mutiert, je nachdem, "I am Legend" zu "I am Omega" oder "Der Omega-Mann" zu "I am Legend", "Transformers" zu "Transmorphers" sowie "Bram Stoker's Dracula" zum besonders knackigen Zungenbrecher "Bram Stoker's Dracula's Curse". Puh.
Ihre edle Errungenschaft von 2008, "Krieg der Welten 2 – Die nächste Angriffswelle", versteht sich um Gottes Willen nicht als ernsthaft konzipierte Fortsetzung des drei Jahre vorher entstandenen Spielberg-Films, obwohl Regisseur und Hauptdarsteller C. Thomas Howell das wohl gern hätte. Denn wo Spielberg allegorisch Paranoia, Hysterie und Massensterben in apokalyptischen Bildern von dämonischer Kraft festhielt und damit die Grenze zum ebenso massentauglichen wie familienfreundlichen Mainstream zu überschreiten drohte, ist dessen vermeintliches Sequel vielmehr die auf dem Grabbeltisch einschlägiger Elektronikfachmärkte verstaubende Ramschversion mit einigen wenigen neuen Ideen. Dazu benötigte Asylum unter anderem offensichtlich Folgendes: Zehn Schauspiellaien, Hinterhöfe und ganz viel rote Plastikfolie und Bettlaken für das bioorganische Innenleben der Außerirdischen. Derart simpel lässt sich heutzutage eine Fortsetzung eines Multimillionendollar-Kassenschlagers realisieren. Ob das Ergebnis allerdings auch zufriedenstellend daherkommt, das ist wieder die andere Frage und im Falle von Asylum oft, sagen wir, eindeutig einer bestimmten Richtung zuzuordnen.
Wenngleich die Ausgangslage zwei Jahre nach der Beinahvernichtung der Erde durch Aliens bedeppert, aber durchaus reizvoll erscheint: Die Rohstoffe sind fast verbraucht (man musste sich sein Essen trotz, Achtung, akutem Stromausfall im Internet besorgen!), Antriebsmittel für Fahrzeuge sind äußerst selten und bezahlt wird ausschließlich mit Lebensmittelgutscheinen. Die Erde am Rande der zivilisatorischen Katastrophe, selbst nach dem Angriff respektive vor dem nächsten Angriff, bei dem die Dreibeiner erneut alles vernichten wollen, ungeachtet dessen, dass doch schon eigentlich alles vernichtet wurde. Die aus dem Vorgängerfilm furchteinflößenden, meterhohen Tripods sind unfreiwillig lustigen, zentimeterkleinen Lamepods gewichen, deren abgehacktes Umherstacksen ohne Schatten vermutlich aufgrund des stark begrenzten Kostenhaushalts sowohl unscharf visualisiert als auch mehrmals in der selben Einstellung in die fortlaufende Handlung hinein geschnitten werden. Stopptaste drücken, ausschneiden, kopieren. Originell.
Überhaupt wiederholen sich diverse pseudomelodramatische Herzschmerztränendrüsendrücker mit dem einzigen Unterschied, dass ihre Geschwindigkeit variiert. Als George Herbert (C. Thomas Howell) seinen Sohn (Dashiell Howell) sucht, vermittelt Howell dem Zuschauer Herberts Gefühl der orientierungslosen Suche anhand langsamer Kamerafahrten. Die Linse ist wie gebannt auf einsame Straßen gerichtet, während sie, sobald der Vater schließlich merkt, dass er zu spät kommt und seinen Sohn vor den parasitären Eindringlingen nicht mehr retten kann, bei seiner Rückkehr zur Kontrollstation der Armee die gleichen Straßen im gleichen Kamerawinkel beobachtet, angesichts des aggressiven Rachegefühls des am Boden zerstörten Protagonisten lediglich schneller darüber hinwegfährt. Originell².
Was im ersten Akt alsbald einer unangenehmen Körperschändigung nahe kommt: Der ehemalige und später ausgesonderte Bassist der Scorpions, Ralph Rieckermann, begleitet das Szenario mit einer musikalisch wertvollen Bohlen-Zimmer-Melodie eines gebrauchten Commodore, deren vielschichtiges Spektrum von Dröhnen bis Wimmern reicht. Benutzen tut er diesen jämmerlichen Dreiklang sehr zum Leidwesen der Gehörgänge sekündlich. Es brummt, wenn die Aliens kommen, es brummt aber auch, wenn die Aliens davonschleichen, wenn der Angriff halbwegs überstanden ist und ausgeatmet werden kann, zu jeder Zeit sind de facto diese verdammten, schwer auf assoziativ getrimmten Brummgeräusche zu hören, die jene emotional-elegischen Momente logischerweise konterkarieren, auf denen Spielbergs "Krieg der Welten" fußte. Nervig³.
Der zweite dramaturgische Teil splittet die Haupthandlung in zwei parallel nebeneinander ablaufende und holprig zusammengeklatschte Handlungsschnippsel, mit denen sich zugleich Howells höhere Ambitionen kristallisieren: Viel Gerede und unnatürlich viel Drehbuchstoff, wenig Aussagekraft und unnatürlich wenig Rhythmus, so aufregend wie Essensreste mit dem Zahnstocher zu entfernen. Da wird von Zeitreisen im All skandiert, zum Mars geflogen und Berechnungen mystischer Wurmlöcher im Handumdrehen aufgeschrieben, dass selbst Albert Einstein neidisch und die NASA ein amateurhaft geführter Bauernstall wäre. Nebenbei liefern sich Raumpiloten und Aliens einen (tricktechnisch schmerzhaften) Kampf darüber, wer die Lufthoheit im All hat. Asylum schafft es hierbei tatsächlich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und kopiert neben dem Krieg der Welten auch den Unabhängigkeitstag: Nicht von ungefähr erinnert jedwedes Bild jedweder Weltraumschlacht, die selbstverständlich darauf hinaus läuft, das Mutterschiff der bösartigen Besucher zu zerstören, eklatant an Emmerichs patriotisches Hurralied aus den 90ern.
Dass die Anzahl an todesmutigen Raumpiloten stark variiert und unglaubwürdig dezimiert wird, ist ein weiterer lustiger Randaspekt. Zuerst brechen Hunderte auf, dann werden ein paar getötet, im Anschluss sind es wieder Hunderte, auch wenn höchstens drei miteinander kommunizieren. Insofern ist das symptomatisch für die schlampig halsbrecherische Inszenierung. Um die Befreiung des möglicherweise noch lebenden Kindes (denn in "Krieg der Welten 2 – Die nächste Angriffswelle" werden Menschen nicht zu Asche verwandelt, sondern auf die jugendfreundlichere Art teleportiert) geht es indes im zweiten narrativen Strang, wohlwissend, dass sowieso alles auf ein käsiges Happy End hinausläuft, die bemühten Twists groben Unfug verkörpern (am Ende lässt Howell den Zuschauer gar im Glauben, er wäre selbst gestorben) und Spannung dementsprechend elegant abgewürgt wird. Herrlich extra chessy das ohnehin zum Schreien komische Design des Settings, wo Hobbybastler (das Innere der Lamepods) auf Garagenschuppenfreunde (etwaige menschenleere Außenlandschaften, welche die Außerirdischen der Erde nachgestellt haben) treffen. Zum Glück kann die menschliche Rasse aufgrund einer einzigen Spritze mit falschem Blut dann doch noch überleben und der Zuschauer gleich mit.
Schauspielerische Qualitäten reichen von halbdunkel über dunkel bis dunkelschwarz. C. Thomas Howell war wahrscheinlich für zweierlei Arbeit zu überfordert, einerseits vernünftig Regie zu führen, andererseits aber auch einen vernünftigen Gesichtsausdruck überzustülpen, der komplexer und unangestrengter daherkommt als ein Wandschrank. Sein Weinen wirkt meist wie ein Lachen, sein Lachen wiederum wie ein Weinen. Wobei: Wenigstens Christopher Reid in der Rolle des Pete vermag als hysterischer Buddy-Gespiele den Trash-Pegel so zu erhöhen, dass er in dauergrinsende Regionen abdriftet. Der Rest hingegen erledigt die Aufgabe, dumm dazustehen, mit Auszeichnung und Sternchen. Passt!
Fazit
Sämtlichen Freunden des schlechten Geschmacks sei diese unaufhaltsame Flut kilometerweit anschwemmender Stilblüten jenseits von Trash und böse zwingend zu empfehlen.

2/10

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