Krebs-Forschung: Armut gefährlicher als Gene

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Wissenschaft es endlich zugeben musste und nun ist sie gekommen: Das “Krebsgen” gibt es nicht. Wenn Menschen an Krebs erkranken, dann ist das vor allem persönliches Pech. Die Gene und der Lebenswandel spielen offenbar keine so große Rolle wie gedacht. Das haben Forscher an der John Hopkins University in den USA herausgefunden.

Dabei hat man seit 1990 unter anderem mit dem Humangenomprojekt systematisch nach “Krebsgenen” gesucht, um diese “Geißel der Menschheit” endlich ausrotten zu können. Man hat letztlich eine Menge Geld ausgegeben, um das gesamte menschliche Genom zu “entschlüsseln”, aber so richtig was gebracht haben die Ergebnisse bisher nicht – eher im Gegenteil, je mehr man an den Genen herumforscht, desto frustrierender sind die Ergebnisse, weil das mit den Genen gar nicht so einfach ist wie gedacht: Das mechanistische Weltbild vieler Genforscher von wegen “dieses Gen macht das, und wenn wir da was ändern macht es dies” hat sich als falsch erwiesen. Das menschliche Genom wurde zwar komplett sequenziert, aber das, was uns als etwas mindestens so Revolutionäres wie die Mondlandung verkauft wurde, hat für das, was davon erwartet und versprochen wurde, letztlich nicht getaugt.

Die Mondlandung übrigens auch nicht – die Menschen müssen weiterhin auf ihrer einzigen, inzwischen ziemlich verdreckten Erde klar kommen, auch wenn der Teil der Menschheit, der etwas zu sagen hat, derzeit damit umgeht, als hätte sie noch ein paar davon im Keller. Die Mondlandung jedenfalls kann man unter “gemacht, weil es geht” verbuchen, genau wie die vollständige Gensequenzierung.

Wobei ich derartige Projekte an sich gar nicht kritisieren will, im Gegenteil, ich finde es toll, wenn die Wissenschaft so richtig zur Hochform aufläuft und Dinge geschafft werden, die bisher als unmöglich galten. Selbst wenn das jede Menge Geld kostet – mir ist es lieber, es geht viel Kohle in irgendwelche Mondprojekte oder ähnliches, anstatt damit Waffen und Kriege zu finanzieren. Denn was Vernünftiges im Sinne von gutes Essen, Wohnungen, Ausbildung und überhaupt schönes Leben für alle, wird man ja eh nicht damit machen, jedenfalls nicht in diesem System.

Zurück zu den Krebs und den Genen: Angeblich gibt es ja bestimmte Gene, die auf einige wenige, sehr spezifische Krebserkrankungen hinweisen – aber auch die sind keine “Krebsgene” in dem Sinne, dass man garantiert an Krebs erkrankt, wenn man sie im Erbgut hat. Das Risiko einer Erkrankung ist für den Betreffenden allerdings signifikant höher. Bei den allermeisten Krebsarten spielen die Gene aber keine Rolle – das finde ich eigentlich eine gute Nachricht. Denn dann muss man sich keinen Kopf darüber machen, ob man nun seine Gene scannen lassen und sich dann am Ende irgendwelchen unangenehmen Testergerbnissen auseinander setzen müsste: Es ist und bleibt halt Zufall, ob es einen erwischt oder nicht. Das einzige, was man tun kann, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Und auch da ist ja der Nutzen oder das Aufwand/Nutzen-Verhältnis je nach Untersuchung durchaus umstritten.

Und auch die Lebensgewohnheiten scheinen nicht so direkt eine Rolle zu spielen, wie gern behauptet wird, um den Menschen ihre Laster madig zu machen. Natürlich liegt auf der Hand, dass Raucher durchaus ein etwas höheres Risiko haben, an Lungenkrebs zu erkranken, genau wie Alkoholiker eher Leber oder Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen, genau wie Sportler eher Sportverletzungen erleiden, als Menschen, die einfach auf dem Sofa sitzen bleiben – was aber auf Dauer auch nicht sehr gesund ist. Selbst ein total asketischer Lebenswandel schützt nicht nachhaltig vor Krebs – ich würde sogar vermuten, dass gerade die verbissenen Asketen, die sich gar nichts gönnen, eine geringere Lebenserwartung haben, als diejenigen, die auch mal Fünfe grade sein lassen und sich mit einem schönen Schoppen, einem saftigen Steak, einem fetten Stück Torte oder sonst irgendeinem Leckerbissen außer der Reihe am Leben erfreuen.

Was ich in diesem Zusammenhang aber bemerkenswert und bedenklich finde: Das deutsche Krebsforschungszentrum hat anhand von Daten einer Million Krebspatienten ermittelt, dass der Wohnort für das Überleben nach einer Krebsdiagnose eine erstaunlich große Rolle spielt: In armen Gegenden sterben die Menschen schneller an Krebs als in Regionen, wo wohlhabende Menschen leben. Erkrankte, die in dem sozioökonomisch schwächsten Fünftel der ausgewerteten Landkreise leben, sterben im Durchschnitt deutlich früher als solche, die den wohlhabenderen Gebieten leben.

Nein, das liegt nicht daran, dass Arme seltener zur Früherkennung gehen würden und dann entsprechend später diagnostiziert werden, was die Überlebenschancen ja deutlich verschlechtert. Die Unterschiede beim Überleben bleiben bestehen, auch wenn man bei der Auswertung berücksichtigt, in welchem Stadium der Krebs entdeckt wurde, darauf sind die Forscher auch gekommen.

Natürlich lässt diese Auswertung keinen Rückschluss auf die individuelle Situation der jeweiligen Patienten zu – aber dennoch muss man feststellen, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen Armut und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko bei einer Krebserkrankung (und vermutlich auch bei anderen Erkrankungen) gibt. Es kann natürlich auch daran liegen, dass es in den ärmeren Landkreisen weniger spezialisierte Ärzte und Kliniken gibt und diese entsprechend schwieriger zu erreichen sind.

Vor diesem Hintergrund wäre doch aber nun naheliegend, dass man, wenn man denn nun weiß, dass man gegen Krebs eigentlich nicht viel tun kann, weil der sich halt zufällig einstellt, sich darauf konzentrieren sollte, denjenigen, die an Krebs erkranken, noch ein paar schöne Jahre zu ermöglichen. Genau das ist es aber, was in ärmeren Gegenden NICHT stattfindet. Armut ist also gefährlicher als irgendwelche Krebsgene und eigentlich sehr viel leichter zu bekämpfen.

Warum setzt man nicht einfach da an?



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