Krauß: “Ruhpolding ist absolut am Limit”

Interview mit Stefan Krauß von Infront Austria:

Herr Krauß, Sie waren bis November 2011 als Vertreter des DSV als OK-Vizepräsident an der WM-Organisation beteiligt und sind nun als Geschäftsführer der Sportmarketing-Firma Infront Austria für das Sponsoring der WM zuständig: Lief bisher alles glatt? 
Krauß: Ja, die Teams, das OK, die Bevölkerung, die Fans, die Sponsoren sowie die übertragenden TV Sender sind sehr zufrieden. Die IBU Weltmeisterschaft ist ein Höhepunkt der diesjährigen Wintersport-Saison und war entsprechend anspruchsvoll in der Vorbereitung. Grundsätzlich hat Biathlon einen großen Vorteil: Es ist monostrukturiert. Das Stadion ist immer das gleiche, die Strecken variieren nicht so stark und die Pistenpräparierung ist verhältnismäßig einfach. Im Ski Alpin zum Beispiel ist das eine bedeutend größere Aktion und deswegen schwieriger zu planen. 

Erleben wir hier die größte WM, die es jemals gegeben hat? 
Krauß: Das wäre angesichts der Fußball WM 2006 und auch der Eishockey WM 2010 in Deutschland vermessen zu sagen. Ruhpolding hat aber etwa doppelt so viele Zuschauer als die Ski-WM vergangenes Jahr in Garmisch-Partenkirchen. Das liegt daran, dass Biathlon in Deutschland boomt und Ruhpolding einfach ein Klassiker ist. Zudem kommt die Thematik Magdalena Neuner hinzu, da ist schon ein Hype spürbar. 

Ein Hype, der die Organisatoren an die Grenze des Machbaren führt? 
Krauß: Es ist gewiss eine Herausforderung, wenngleich man sagen muss, dass bisher alles super funktioniert hat. Vom Zuschauer an der Strecke bis hin zum VIP -  Ziel ist es, allen einen möglichst optimalen Zugang und ein unvergessliches Sporterlebnis zu ermöglichen. Was wir allerdings nicht ändern können ist die Tatsache, dass die Chiemgau Arena links und rechts von einem Berg eingerahmt ist und dazwischen nur eine Straße durchführt. Bedenkt man den Sicherheitsaspekt, ist man mit 30.000 Zuschauern pro Tag absolut am Limit angekommen. 

Sie haben wie bereits erwähnt die Fronten gewechselt und arbeiten für das Sportmarketing-Unternehmen Infront. Wie erfolgreich ist die WM aus dieser Sichtweise? 
Krauß: Die WM wurde bereits weit im Vorfeld vermarket, die dabei erzielten Erlöse waren für die Beteiligten sehr zufriedenstellend. Man konnte davon ausgehen, dass es eine herausragende WM wird – mit Mediawerten, die es im Biathlon so noch nicht gegeben hat. Dabei muss man aber auch erwähnen, dass das Interesse in Deutschland am größten ist. In Norwegen und Russland bewegt es sich ebenfalls auf hohem Niveau, in den übrigen europäischen Ländern besteht noch Wachstumspotential. Wir haben aber die Hoffnung, dass sich dort in den kommenden Jahren einiges bewegt.

Ist es in Deutschland leicht, Sponsoren fürs Biathlon zu finden? 
Krauß: Unsere Verträge mit den Sponsoren stehen größtenteils bis 2014, da wir grundsätzlich an der langfristigen Zusammenarbeit mit unseren Partnern interessiert sind. Ein Selbstläufer ist die Sponsorensuche nie, aber wir dürfen im Biathlon derzeit sicher nicht jammern. 

Nach der Saison tritt Magdalena Neuner zurück. Was passiert dann?
Krauß: Eine attraktive Sportart ist nie abhängig von nur einem Sportler. Allerdings kann eine herausragende Athletin das Salz in der Suppe sein. Magdalena Neuner ist ein Glücksfall für diese Sportart – sie ist erfolgreich, sympathisch, natürlich und sieht gut aus. Ihr Rücktritt ist ein Verlust für das Biathlon und den Wintersport, wahrscheinlich kommt es vorübergehend auch zu einem Rückgang der Popularität, aber der wird denke ich nicht zu gravierend sein. Wir erreichen zum Beispiel in dieser Saison annähernd gleiche TV-Quoten bei Damen und Herren.

Was ist im Moment populärer: Biathlon oder Ski Alpin? 

Krauß: Eine gute Frage an einen ehemaligen Skifahrer. International ist Ski Alpin sicher die populärste Wintersportart. In Deutschland betreiben rund sieben Millionen Menschen aktiv Wintersport, der größte Teil von ihnen fährt Alpin Ski. Außerdem steht die Tourismusbranche und die Sportartikelindustrie dahinter und auch unsere direkten Nachbarländer sind eher alpinlastig. Medial aber ist Biathlon in Deutschland deutlich vor dem Alpinen Skisport.ing